Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Politik

Wendland, Grenzland

11.11.2008 | 20:45 Uhr

Die Atomkraft Man mag es als Ritual bezeichnen, oder als bodenlosen Leichtsinn von Gleisblockierern. ...

... Doch wie auch immer man zu den Atommüll-Transporten nach Gorleben steht: Es gibt derzeit keine Alternative zu diesen viele Millionen Euro teuren Castor-Transporten. Die Energiekonzerne und die Bundesregierung haben zur Jahrtausendwende in einem Vertrag vereinbart, dass der Müll aus den deutschen Atomkraftwerken dort provisorisch zwischengelagert werden muss, wo er angefallen ist.

Es gibt kein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Dies ist der weiche Punkt in der deutschen Debatte über den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Dies ist das Kainsmal einer Technologie, die Strom erzeugt und dabei vergleichsweise wenig klimaschädliches Kohlendioxid produziert. Dies ist das Armutszeugnis einer Politik, die eine offene Standortsuche scheut und somit den Skandal verantwortet, dass strahlender Müll "unter freiem Himmel" gelagert wird.

Niemanden dürfte es überrascht haben, dass die Anti-Atom-Proteste der vergangenen Tage an Stärke zugenommen haben. Denn lange bevor die Castor-Züge über deutsche Gleise rollten, hatte der Streit um die Nutzung der Atomkraft einen tiefen Spalt durch Deutschland gezogen. Immer häufiger fordert die Union, die Laufzeiten der Meiler zu verlängern. Immer klarer zeichnet sich ab, dass wegen angeblich dringender Wartungsarbeiten die beiden nächsten Abschaltkandidaten unter den Atommeilern - Biblis und Neckarwestheim - in die nächste Legislaturperiode hinüber gerettet werden sollen. Immer mehr Einzelheiten über das marode Atommülllager Asse kamen ans Licht. Das alles schürte den Protest, mobilisierte auf beiden Seiten. Und daher ging es beim jetzigen Castor-Transport um eine grundsätzliche Frage: Hat Atomkraft in Deutschland eine Zukunft?

Mit einem Ja zur Atomenergie in Deutschland wird die Union in den Wahlkampf 2009 ziehen. Doch wie kann sie mit fester Stimme für eine Laufzeitverlängerung eintreten, wenn ein Endlager fehlt und noch nie ein anderer Ort als Gorleben erkundet wurde? Wie kann Bayern lauthals Atomstrom einfordern, ein Endlager innerhalb der eigenen Landesgrenzen aber ausschließen? In einem noch viel tieferen Dilemma steckt die SPD, die sich am Atomausstieg festgekettet hat. Wie würde man es den Wählern erklären, dass man doch zu Uran greifen müsse, weil noch mehr Kohle den Klimaschutz ruiniert? Auf Antworten dürfen wir in dieser Legislaturperiode nicht mehr hoffen. Typisch für das Atomthema, vor dem man die Augen verschließt.

Von Jürgen Polzin

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/401568/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker in Hula
Syrien
Nach anfänglichem Widerstand Russlands hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig und in scharfem Ton die syrische Regierung für das Massaker in Hula verantwortlich gemacht. Bei den Angriffen habe es eine "Schussserie von Panzern und Regierungsartillerie" auf eine Wohngegend gegeben.
Video 13 Kommentare 13
NRW gegen Pkw-Maut - Autofahrer besonders stark belastet
Verkehr
Autofahrer in NRW wären von der Pkw-Maut besonders stark betroffen. Daher lehnt Verkehrsminister Harry K.Voigtsberger die Einführung einer Maut-Vignette entschieden ab. Der NRW-Minister äußerte die Sorge, dass die NRW-Autofahrer so für bayerische Verkehrsprojekte zahlen müssten.