Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Syrien

Weltbekannter Basar von Aleppo bei Kämpfen schwer beschädigt

30.09.2012 | 16:15 Uhr
Der historische Basar von Aleppo ist in einem Gefecht verwüstet worden.Foto: FABIAN BIMMER

Aleppo.  Der von der Unesco zum Weltkulturerbe gezählte historische Basar der syrischen Stadt Aleppo ist inmitten der Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen von einem Großbrand verwüstet worden. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte Syriens Verbündete zur Abkehr von der Führung in Damaskus auf.

Bei den Kämpfen in der syrischen Metropole Aleppo sind auch Teile des weltbekannten mittelalterlichen Basars zerstört worden. Händler wurden am Sonntag nach eigenen Angaben von der Armee daran gehindert, den Schaden zu begutachten, nachdem dort am Samstag reihenweise Stände in Flammen aufgegangen waren. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte Syriens Verbündete zur Abkehr von der Führung in Damaskus auf.

Fünf der rund 20 einzelnen Märkte, die zusammen den Großen Basar, den Frauenbasar sowie den Gold- und Kleidermarkt bilden, wurden durch Kämpfe komplett zerstört, sagten Einwohner einem AFP-Reporter. Die früher als Touristenattraktion bekannten Marktstände, die in der zum Weltkulturerbe gehörenden Altstadt stehen, seien "ein Opfer der Flammen" geworden, erklärte auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die hölzernen Türen der Geschäfte sind mit Stoffen und Schmuck verziert.

Armee beschoss erneut mehrere Stadtteile von Aleppo

Die Regierungsgegner hatten am Donnerstag eine Offensive gestartet, um Aleppo unter ihre Kontrolle zu bringen. In der Nacht zum Sonntag lieferten sich Rebellen und Soldaten in der gesamten Provinz heftige Kämpfe, hauptsächlich am Militärflughafen al-Nairab. Die Gefechte hielten am Sonntag weiter an. Die Armee beschoss der Beobachtungsstelle zufolge erneut mehrere Stadtteile von Aleppo.

Video
Aleppo, 30.09.12: Bei den anhaltenden Kämpfen zwischen Aufständischen und Soldaten ist nach Angaben der Rebellen ein Feuer im historischen Markt ausgebrochen. Im Basar von Suk al-Madina sollen bis zu 1000 Geschäfte durch Flammen zerstört worden sein.

In der Hauptstadt Damaskus startete die Armee derweil eine Offensive im östlichen Sektor Ghuta. "Die Armee will sich rächen, und vor allem die Zivilisten zahlen den Preis dafür", sagte der in Damaskus lebende Journalist Matar Ismail. Die Regierungstruppen exekutierten demnach zahlreiche Menschen. Ghuta und Umgebung gelten als eine Hochburg der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA).

Bombardements gab es laut der Beobachtungsstelle auch in den Provinzen Daraa im Süden, Homs und Hama im Zentrum sowie in Idlib im Nordwesten Syriens. In der östlichen Provinz Deir Essor seien bei einem Luftangriff vier Menschen getötet worden. In dem seit 18 Monaten andauernden Konflikt starben nach Angaben der Opposition bereits mehr als 30.000 Menschen.

Erdogan forderte Russland, China und den Iran auf, "ihre derzeitige Haltung zu überdenken"

In der Stadt Kamischli im Kurdengebiet im Norden Syriens wurde am Sonntag ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem laut Staatsfernsehen mindestens vier Menschen getötet und mehrere weitere verletzt wurden. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte AFP, es handele sich um das erste derartige Attentat in dieser Stadt. Der Anschlag habe sich gegen eine Kaserne der Regierungstruppen gerichtet.

Syrien
Luftangriff auf Zivilisten - Tote und Verletzte in Syrien

Bei einer Explosion nach einem Luftangriff im Norden Syriens sind zahlreiche Zivilisten getötet und verletzt worden. Die Rede ist von mindestens 54 Opfern. Die Explosion habe sich an einer Tankstelle ereignet. In der Nähe der Hauptstadt Damaskus ist zudem ein Kampfhubschrauber abgestürzt.

Erdogan forderte auf dem Parteitag seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) Russland, China und den Iran auf, "ihre derzeitige Haltung zu überdenken". "Die Geschichte wird denjenigen nicht verzeihen, die sich an die Seite dieser brutalen Führungen gestellt haben", sagte er in Ankara. Die drei Staaten gelten als Verbündete von Präsident Baschar al-Assad. Moskau und Peking blockierten bereits mehrfach scharfe Resolutionen gegen ihn.

Unterdessen traf der Vertreter des Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in Damaskus, Mochtar Lamani, in der Provinz Homs einen Rebellenführer und weitere Mitglieder der Freien Syrischen Armee. Ein Verantwortlicher der UNO sagte AFP, Lamani sei auch mit dem Provinzgouverneur sowie Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und des Syrischen Roten Halbmondes zusammengetroffen. (afp/dapd)


Kommentare
Aus dem Ressort
Lammert sagt wegen Schavan-Affäre Rede an Uni Düsseldorf ab
Fall Schavan
Die Universität Düsseldorf hat zwei Professoren geehrt, die in der Affäre um Annette Schavan eine zentrale Rolle gespielt haben. Mit einer bemerkenswerten Begründung. Bundestagspräsident Lammert zieht Konsequenzen.
Wohl 20 Tote bei israelischem Angriff auf UN-Schule in Gaza
Gazakonflikt
Kompromisse will bisher keine Seite machen. Israel bombardiert weiter den Gazastreifen und die Hamas feuert Raketen auf Israel. Die Zivilbevölkerung leidet. Beim Beschuss einer Schule der UN-Hilfsorganisation UNRWA wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen 20 Menschen getötet.
Erstmals Wirtschaftssanktionen - Russland droht Rezession
Ukraine-Krise
Im Ukraine-Konflikt zieht die EU die Daumenschrauben fester: Erstmals wurden Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Befürchtet wird aber, dass diese beide Seiten empfindlich treffen könnten.
SPD-Abgeordneter Yüksel wettert auf Facebook gegen USA
Eklat
Die USA als "größte Bedrohung des Weltfriedens": Mit einem umstrittenen Posting hat der sozialdemokratische NRW-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel einen Eklat ausgelöst und seine Partei in Verlegenheit gebracht. Denn in der Ukraine-Krise kämpft die SPD ohnehin schon um einen erkennbaren Kurs.
Warum sich die Grünen für organisierte Sterbehilfe einsetzen
Sterbehilfe
Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) und weitere Unionspolitiker wollen ein strafrechtliches Verbot der Sterbehilfe - das aber geht SPD-Politikern in der Koalition zu weit. Und die ehemalige grüne Frontfrau Renate Künast will auch gemeinnützige Vereine zulassen, die den Freitod ordanisieren.
Umfrage
Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?