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Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff

06.09.2009 | 20:05 Uhr
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff

Kundus/Potsdam. Nach dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff in Afghanistan hat am Wochenende weiter Unklarheit über die Zahl der Toten und mögliche zivile Opfer geherrscht. Einen Bericht der „Washington Post“, in dem von 125 Toten die Rede war, wies die Bundewehr zurück.

Nach dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff in Afghanistan hat am Wochenende weiter Unklarheit über die Zahl der Toten und mögliche zivile Opfer geherrscht. Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf ein Nato-Erkundungsteam von 125 Toten, mindestens zwei Dutzend davon seien keine Aufständischen. Die Bundeswehr wies den Bericht zurück und sprach weiter von mehr als 50 getöteten Aufständischen.

Karte des Landes mit dem Einsatzgebiet der Bundeswehr und dem Ort Kundus.

Wie die US-Zeitung berichtete, befahl der deutsche Oberst den Nato-Angriff auf die zwei von Taliban gekaperten Tanklastwagen zudem auf der Grundlage von nur einer Quelle. Demnach sah er in der Nacht zum Freitag ein Live-Video aus einem US-Kampfjet F-15E, auf dem mehrere Menschen als schwarze Punkte um die Lastwagen herum zu sehen waren. Ob sie Waffen getragen hätten, sei nicht zu erkennen gewesen. Dann habe ein afghanischer Informant bei einem Geheimdienstmitarbeiter angerufen und gesagt, es handele sich um Aufständische. Daraufhin habe der deutsche Oberst befohlen, die Lkw anzugreifen. Nach der neuen Nato-Strategie zur Vermeidung ziviler Opfer muss einer solchen Entscheidung immer mehr als eine Quelle zugrunde liegen.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam wies den Zeitungsbericht zurück. Die Zahl der Toten erschließe sich ihm nicht, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Zu den genauen Abläufen müsse der Untersuchungsbericht abgewartet werden. Einer Entscheidung über einen Angriff läge indes stets eine «sorgfältige Prüfung» zugrunde. Die Bundeswehr beziffert die Zahl der Toten auf «mehr als 50» und schließt zivile Opfer aus. Nach Angaben der ISAF-Truppe sollten die Ermittlungen am Sonntag beginnen.

Angeblich sechs Zivilisten getötet

Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen in Afghanistan sind nach Angaben der Provinzregierung sechs Zivilisten getötet worden, darunter ein Kind. Wie der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP sagte, kamen bei dem Vorfall am Freitag insgesamt 54 Menschen ums Leben. Davon seien 48 bewaffnet gewesen. Laut Omar wurden 15 Menschen verletzt, darunter zwei Taliban.

Zu der Zahl der Opfer des Nato-Angriffs gibt es unterschiedliche Angaben. Während der afghanische Präsident Hamid Karsai von rund 90 Toten und Verletzten ausgeht, spricht das Innenministerium in Kabul von 56 getöteten Taliban und zehn Verletzten, darunter ein Kind. Nach Bundeswehr-Angaben wurden mehr als 50 Aufständische getötet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bekräftigte in der «Bild am Sonntag», dass «ausschließlich terroristische Taliban» getötet worden seien.

Jung weist Kritik an Angriff auf Taliban zurück

Jung hat internationale Kritik an der Bundeswehr wegen des Luftangriffs auf die Taliban in der Nähe von Kundus zurückgewiesen. Der CDU-Politiker sagte der «Bild am Sonntag», er habe «überhaupt kein Verständnis« für jene Stimmen, die ohne Kenntnis der Sachlage und der Hintergründe bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Kritik an dem militärischen Vorgehen üben. Dies werde nicht den schwierigen Situationen gerecht, in denen die Bundeswehrsoldaten im Einsatz für die Stabilität in Afghanistan und damit im Interesse der Sicherheit in Deutschland Leib und Leben riskierten.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). (Foto: ddp)

Jung stellte sich erneut hinter den Kommandeur in Kundus. «Durch sehr detaillierte Aufklärung über mehrere Stunden durch unsere Kräfte hatten wir klare Hinweise darauf, dass die Taliban beide Tanklastzüge circa sechs Kilometer von unserem Lager entfernt in ihre Gewalt gebracht haben, um einen Anschlag auf den Stützpunkt unserer Soldaten in Kundus zu verüben», erläuterte der Minister. Wäre ihnen das gelungen, hätte es einen Anschlag mit entsetzlichen Folgen für die Soldaten gegeben. «Deshalb halte ich die Entscheidung des deutschen Kommandeurs vor Ort für richtig», betonte Jung.

Der Minister begrüßte es zugleich, «dass die Nato eine Untersuchung zu den Vorgängen in der Nacht zu Freitag» angeordnet habe. Dies sei «in solchen Fällen üblich», um der Bevölkerung beweisen zu können, «dass Isaf solche Angriffe nur dann vornimmt, wenn dies geboten und verhältnismäßig ist.» Jung sagte: «In diesem konkreten Fall war der Schlag dringend geboten.» Er wies auf die gefährliche Situation für die Bundeswehr in der Region hin. «Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir in einem Radius von etwa 50 Kilometern um Kundus eine besonders gefährliche Situation haben.»

Möglicherweise Kommunikationsproblem

Nach dem tödlichen Luftangriff in der Nähe der afghanischen Stadt Kundus soll untersucht werden, inwieweit Kommunikationsprobleme zwischen Bundeswehrsoldaten und den US-Streitkräften eine Rolle gespielt haben. Die geplante Untersuchung der Militäraktion vom Freitag müsse auch der Frage möglicher Sprachbarrieren zwischen den deutschen Kommandeuren in Kundus und den amerikanischen Piloten der eingesetzten Flugzeuge nachgehen, sagte US-Konteradmiral Gregory Smith, der Sprecher von Nato-Kommandeur Stanley McChrystal.

Es sei noch nicht entschieden, welche Nation die Untersuchung leiten solle. Geplant sei auch die Mitwirkung afghanischer Behördenvertreter.

Nach der Anforderung von Luftunterstützung durch die Bundeswehr traf nach Angaben der Nato zuerst ein amerikanischer B-1-Bomber ein, dessen Besatzung die beiden entführten Tanklastwagen und Dutzende Personen in deren Umgebung sah. Die B-1 musste wegen Treibstoffmangels zu ihrem Stützpunkt zurückkehren. Etwa 20 Minuten später trafen zwei US-Kampfflugzeuge des Typs F-15E ein, deren Besatzung Videoaufnahmen zum deutschen Stützpunkt funkte. Etwa eine halbe Stunde nach der Ankunft der beiden F-15-Maschinen wurden dann Bomben auf die Tanklastzüge geworfen. Die Nachtaufnahmen seien von geringer Qualität gewesen, sagte Smith. «Man kann nur Schatten sehen.» (ap/ddp/afp)

DerWesten

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Kommentare
07.09.2009
15:55
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von f.densborn | #31

Dabei hätte Bordkanonenfeuer gegen 2 weiche Ziele den gleichen Effekt gehabt nur weniger Tote zur Folge. Verhältnismäßigkeit der Mittel. Oder ein Einsatz von Kampffahrzeugen die diese vermeintliche Bedrohung aus der Distanz bekämpfen konnten.

07.09.2009
12:42
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von f.densborn | #30

So eine Heuchelei der Truppenführung Sparachbarrieren diese Einsätze werden von Einsatzleitgruppen (ELG) angefordert und gesteuert und da spricht jeder Englisch. Wir befinden uns in einem nicht legimierten Krieg den die Regierung verleugnet. Dieser Waffeneinsatz ist eine Kriegshandlung für die alle verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden müssen .

07.09.2009
12:15
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von schluffundlehm | #29

So tragisch die Opfer sind:
Was haben Zivilisten und Kinder nachts um 2:32 Uhr Ortszeit an gekaperten Tanklastzügen außerhalb geschlossener Ortschaften inmitten dutzender bis an die Zähne bewaffneter Taliban-Kämpfer mitten auf einer Flussinsel zu suchen?

07.09.2009
00:26
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von p3c | #28

Wo ist das Problem ? Wir haben eine ordentliche Anzahl an Taliban mit dieser Aktion erledigt.

Und da sage noch einer die Bundeswehr würde nicht effizient und präzise arbeiten.

Laut Auskunft der afghanischen Polizei keine einziges ziviles Opfer... besser gehts doch kaum noch...

06.09.2009
21:54
Blockierter Kommentar.
von Schadenfreude | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.09.2009
21:35
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von dummberger | #26

@23 von Aw,
Die westliche Welt kann sich ein derartig großes Land in der Hand von Islamisten nicht leisten.
Dann fragt sich nur, warum der Westen (USA) dann den Islamisten geholfen hat, die Macht in Afghanistan zu übernehmen. War Afghanistan nicht eine Republik (wenn auch kommunistisch und von der UdSSR abhängig)? Haben die USA nicht jeden unterstützt, der irgendwo gegen Kommunisten gekämpft hat, egal ob das islamistische Fundamentalisten (Afghanistan) oder rechtsradikale Terrororganistaionen (Nicaragua) waren?
Das macht es verdammt schwierig, den jetzigen Kampf des Westens gegen die Taliban unter moralischen Gesichtspunkten zu beurteilen.

Zum Artikel selbst:
- Wenn die bisher durchgesickerten Informationen stimmen, war der Einsatz nach den Regeln der NATO nicht gerechtfertigt, da er sich lediglich auf die Aussage eines einzigen Informanten stützte.
- Dass ein deutscher Oberst, dessen Truppen offiziell nicht in Kampfhandlungen stecken, einen solchen Einsatz anfordern kann, zeigt die ganze merkwürdige Stellung unserer Truppen in Afghanistan.
- Wer den Tod von Zivilisten hier axelzuckend als Normalität hinstellt oder aufgrund von Verbrechen anderer Moslems sogar begrüßt, verdient jedwede Verachtung unserer Gesellschaft.

06.09.2009
20:52
Blockierter Kommentar.
von James.Brunt | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.09.2009
20:13
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von imaz | #24

# 23 Aw
Zum Krieg der Amerikaner und ihrer Söldner in
Afghanistan habe ich in mehreren Kommentaren
meine Meinung geschrieben und das ganz deut-
lich.
Jetzt ging es mir darum zu erfahren, was hat sich da wirklich zugetragen und was wird der Bevöl-
kerung von Herrn Jung erzählt.
Warum wurden die Tanklaster, die angeblich für
Attentate genutzt werden sollten, nicht besser bewacht? Handelt man so, wenn man bedroht wird?
Warum hagelt es selbst von Verbündeten, die an-
scheinend wissen, was passiert ist, scharfe Kritik?
Da ist doch etwas faul. Da hat doch irgendjemand
etwas getan, was nicht erlaubt ist und das ver-
tuscht werden soll.
Dann habe ich gefragt, wo die zerstörten, west-
lichen Städte sind? Vom WESTEN zerstörte
könnte ich ihnen reichlich nennen. da brauchte ich stundenlang zu.

06.09.2009
19:27
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von Aw | #23

@imaz: Wie naiv sind sie eigentlich?
In welcher Region besuchen denn bildungshungrige Nachwuchsterroristen seit Jahren Ausbidlungscamps?
Sie glauben scheinbar tatsächlich, dass sich die Taliban nach Abzug der Nato sich lediglich auf die Einhaltung des Schariaunrechts und ihre blühenden Mohnkulturen kümmern.
Vor dem Einmarsch war es ein Terrorregime der Taliban und ohne vorheriger Festigung der moderaten Kräfte wird es das wieder sein.

Die westliche Welt kann sich ein derartig großes Land in der Hand von Islamisten nicht leisten. Zudem wären all jene Menschen, die der Nato zusammen gearbeitet & das Joch der Taliban abgelegt haben in hohem Maße gefährdet.
Wer den Abzug der Nato zum jetzigen Zeitpunkt fordert liefert diese Menschen direkt ans Messer (der Taliban) und macht sich mitschuldig.

Wer Nasen & Ohren für einen Wahlgang abschneidet dem weine ich keine Träne nach. Die Islamisten wurden nicht solche aufgrund der Besatzung durch die Nato. Hier nicht die Ursache & Wirkung verwechseln. Die Terrorherrschaft bestand vorher. Und es ist mir lieber diese Islamisten sind gehetzte in ihrem eigenen Land als Schläfer & Bombenleger in unserem.

06.09.2009
18:44
Weiter Unklarheit über Opfer nach Nato-Luftangriff
von hacifisfis | #22

wann fielen denn die bomben?.. um 4.45 oder 5.45 ??

wird jetzt wieder zurückgeschossen?

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