Was wusste der V-Mann „Corelli“ über die NSU-Täter?

Düsseldorf..  Im Streit um die Freigabe von Ermittlungsakten im Fall des 2014 verstorbenen V-Manns „Corelli“ erhöht die Opposition den Druck auf Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur und Buchautor Stefan Aust sprach von einer „geradezu verheerenden Öffentlichkeitswirkung“, wenn Kutschaty die Herausgabe an den Innenausschuss des Bundestags verweigere. „Corelli“ sei im Zusammenhang mit der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) einer der wichtigsten Verfassungsschutz-Spitzel gewesen, sagte Aust nach einer Debatte in der CDU-Landtagsfraktion. „Es geht um die Frage, was wussten die Behörden von der NSU und warum wurden Informationen nicht weitergegeben?“

Kutschaty wies gegenüber dieser Zeitung die Vorwürfe entschieden zurück. „Ich darf die Akten der Staatsanwaltschaft Paderborn nicht an den Innenausschuss des Bundestages überstellen. Die notwendige Rechtsgrundlage ist nicht gegeben.“ Kutschaty erklärte aber, dass er dem Sachverständigen des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) im Bundestag die vollständige Akte des Todesermittlungsverfahrens bereits im Dezember 2014 zugeleitet habe. Zudem kündigte der Minister an, den Rechtsausschuss des Landtags zu informieren.

Der 39-jährige V-Mann Thomas Richter („Corelli“) hatte fast 15 Jahre für den Bundesverfassungsschutz gearbeitet. Nach seiner Enttarnung kam er in ein Zeugenschutzprogramm; im März 2014 war Richter in seiner Paderborner Wohnung tot aufgefunden worden. Die Obduktion ergab als Todesursache eine nicht entdeckte Diabetes-Krankheit.

Bereits 2005 hatte „Corelli“ dem Verfassungsschutz eine Daten-CD übergeben, die mit dem Kürzel „NSU/NSDAP“ gekennzeichnet war. Aus Sicht von Experten spricht einiges dafür, dass „Corelli“ zum Umfeld der NSU-Täter gehörte. Deshalb will der Innenausschuss des Bundestages Einsicht in die Ermittlungsakten und klären, ob der V-Mann tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist.