Was nun, Herr Tsipras?

Als gewiefter Populist dürfte der griechische Premier Tsipras ein gutes Gespür für die Volksseele haben. Er wusste: Sie kocht. Deshalb rief er zu einer Volksabstimmung. Dass dann aber mehr als 61 Prozent mit Nein stimmten, dürfte selbst ihn überrascht haben.

Was macht Tsipras mit diesem Ergebnis? Tatsächlich ist Griechenland jetzt in einer sehr viel schwierigeren Lage als noch vor zehn Tagen, vor der Ankündigung des Referendums, oder gar im Februar, als die Verhandlungen begannen. Damals wäre eine rasche Einigung mit den Gläubigern zu relativ günstigen Konditionen möglich gewesen. Hätte sich Tsipras zu einem Abkommen durchgerungen, wäre Athen viel erspart geblieben.

Je länger sich die Verhandlungen hinschleppten, desto tiefer rutschte das Land zurück in die Rezession. Dass dennoch mehr als sechs von zehn Wähler mit Nein stimmten, zeigt, wie tief der Frust nach fünf Jahren immer neuer Entbehrungen sitzt. Kein Wunder: Der Sparkurs, den die Athener Regierungen auf Geheiß der Gläubiger steuern mussten, hat ein Viertel der Wirtschaftskraft ausradiert, über eine Million Jobs vernichtet und Hunderttausende Menschen in Armut gestürzt.

Viele haben mit Nein gestimmt, weil sie glauben, dass sie nichts zu verlieren haben. Andere setzen wohl auf das Versprechen ihres Premiers, jetzt schnell ein Abkommen mit den Geldgebern aushandeln zu wollen. Tsipras steht damit im Wort. Er muss jetzt rasch, besonnen und realistisch handeln. Auch Europa ist gefordert. Die Partner sollten einen letzten Versuch machen, ein Hilfs- und Reformpaket für Griechenland zu schnüren. Es muss schnell gehen. Der drohende Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft ist eine Frage weniger Wochen.