Was geschah vor dem Unglück an der Tür zum Cockpit?

An Rhein und Ruhr..  Die Auswertung des Stimmenrekorders bringt Licht in die letzten Minuten vor dem Absturz der Maschine. Demnach saß der Copilot allein im Cockpit, er hatte den Kapitän ausgesperrt und den Sinkflug eingeleitet.

Wieso konnte der Pilot nicht wieder zurück an seinen Platz?

Bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 ließen sich die Türen zwischen Kabine und Cockpit relativ leicht von außen öffnen. Anschließend wurden die Sicherheitsbestimmungen erheblich verschärft, um Terroristen daran zu hindern, zu den Piloten vordringen zu können. Die Türen müssen gepanzert und in einem verstärkten Rahmen eingebaut sein. Sie halten sogar Schüssen und Explosionen stand und sind elektronisch mehrfach gesichert. Einen Schlüssel gibt es nicht, da Terroristen sich diesen gewaltsam aneignen könnten.

Wie funktioniert eine Cockpit-Tür?

Sie wird über drei Riegel gesichert, Kameras überwachen den Bereich davor. Die Piloten regeln über einen Schalter, ob die Tür verriegelt oder offen ist. Von außen kann das Kabinenpersonal über eine Gegensprechanlage mit den Piloten Kontakt aufnehmen. Wer das Flugdeck betreten will, muss eine Zahlenkombination auf einer Tastatur eingeben. Im Cockpit ertönt ein Signal und der Pilot öffnet über einen Kippschalter die Verriegelung.

Was passiert in einem Notfall?

Vermutet das Kabinenpersonal einen Notfall im Cockpit – etwa wenn die Piloten bewusstlos sind – kann die Crew die Tür über einen Notfall-Code selbst öffnen. 60 Sekunden bleibt die Tür verschlossen und im Cockpit erklingt ein Warnton. Reagieren die Piloten in dieser Frist nicht, öffnet sich die Tür für fünf Sekunden.

Allerdings ist es möglich, diesen Mechanismus von innen gezielt auszuschalten. Dazu verriegelt der Pilot die Tür mit einem Kippschalter, den er auf die Position „Lock“ (verriegelt) schiebt. Das soll die Crew schützen, falls ein Passagier ins Cockpit eindringen will. Die Nummerntastatur ist dann für fünf bis 20 Minuten außer Betrieb gesetzt – auch mit dem Notfallcode kommt dann niemand herein. Die Verriegelung kann der Pilot stets um weitere fünf bis 20 Minuten verlängern. Auf diesem Weg muss der Copilot den A320-Kapitän bis zum Aufprall ausgesperrt haben.

Kann es vorkommen, dass ein Pilot den Notfallcode nicht kennt?

Dies wäre höchst riskant. Im Falle eines Druckabfalls in der Kabine hätte ein ausgesperrter Pilot keine Chance, zurück ins Cockpit zu gelangen.

Auch das Kabinenpersonal könnte in diesem Fall nicht helfen, da es sich um die Sauerstoffversorgung der Passagiere kümmern muss. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält es aber für äußerst unwahrscheinlich, dass der Pilot den Code nicht wusste: „Alle Piloten kennen die Ziffernfolge in- und auswendig“, versicherte er gestern.

Darf eine Person allein im Cockpit sein?

Ein Pilot darf das Cockpit nur verlassen, um körperliche Bedürfnisse zu erledigen: Essen, Trinken, zur ­Toilette gehen. In amerikanischen Fluggesellschaften ist die „Two-Person-Rule“ – die Zwei-Personen-Regel – Vorschrift: Wenn ein Pilot seinen Platz verlässt, muss ein Mitglied des Kabinenpersonals ins Cockpit kommen. In den USA ist das seit Langem Standard, in anderen Ländern nicht.

Muss das Türsystem nach dem Absturz geändert werden?

In extremen Fällen können die verschärften Sicherheitsmaßnahmen selbst zum Risiko werden. Die Cockpit-Tür bleibt auch in medizinischen Notfällen zunächst verschlossen. Zudem können sich Piloten so verbarrikadieren, dass niemand mehr ins Cockpit gelangen kann.
Wie 2013, als sich der Pilot auf einem Flug im Norden Namibias im Cockpit seiner Embrear E-190 einschloss, während sein Copilot nach hinten ging. Auch diesmal zeichnete der Voice-Recorder Klopfgeräusche und verzweifelte Rufe des Copiloten auf. Nach sieben Minuten zerschellte die Maschine am Boden. Der Pilot hatte das Flugzeug mit voller Absicht in den Boden gerammt. 34 Menschen starben.