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Zuwanderung – Was Flüchtlinge für Deutschland bedeuten

03.01.2016 | 08:44 Uhr
Mehr als eine Million Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland, meist über Bayern wie hier bei Mittenwald.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Essen.   Die wichtigsten Fragen und Antworten zur größten Einwanderungswelle nach Deutschland seit 70 Jahren. Zahlen, Daten und Fakten im Überblick.

Die Zahl der Schutzsuchenden hat bereits die magische Millionen-Grenze überschritten. Allein im November kamen mehr als 200 000 Menschen nach Deutschland. Während die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung weiterhin groß ist, fühlen sich viele Städte bei der Versorgung und Unterbringung der Asylbewerber überfordert. Wo leben die Flüchtlinge, wer übernimmt die Kosten, welche Leistungen erhalten die Hilfesuchenden, wie viele werden abgeschoben, wer darf bleiben und wird es eine Obergrenze beim Zuzug geben? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie läuft ein Asylverfahren ab?

Ein Ausländer, der hier Schutz vor Verfolgung sucht, muss sich als Asylsuchender melden . Er muss sich persönlich an eine Erstaufnahmeeinrichtung wenden. Im nächsten Schritt kann er dann einen Asylantrag stellen. Dies geschieht in einer Außenstelle des Bundesamtes, die der Erstaufnahmeeinrichtung zugeordnet ist. Auch in der Außenstelle muss der Antragsteller persönlich erscheinen.

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Wie viele Asylanträge gab es bisher?

Bis November hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in diesem Jahr insgesamt 425 035 Anträge (Asylerst- und Folgeanträge) registriert. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres waren es 181 453.

Wie viele Anträge auf Asyl meldet NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern?

Die Verteilung der Asylbegehren erfolgt nach dem sogenannten „Königssteiner Schlüssel“. In NRW wurden demnach in diesem Jahr bisher fast 70 000 Asylanträge gestellt, das ist die höchste Zahl aller Bundesländer. Damit nimmt NRW 21,3% aller Flüchtlinge auf.

Wie viele Ausreisepflichtige leben in NRW, wie viele davon sind Geduldete?

52 000Menschen sind in NRW offiziell ausreisepflichtig, davon haben 40 636 Menschen den Status „Geduldete“. Darunter sind Menschen, die keine Reisedokumente besitzen, krank oder reiseunfähig sind. Eine Duldung stellt keinen Aufenthaltstitel dar und begründet keinen rechtmäßigen Aufenthalt. Nach Angaben des Bamf leben gut 100 000 Geduldete in Deutschland. In den anderen Bundesländern ist die Zahl der Ausreisepflichtigen weitaus niedriger als in NRW. Auf Platz zwei liegt Niedersachsen mit 19 166 ausreisepflichtigen Personen, gefolgt von Berlin (9332).

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?

Die Mehrheit der abgelehnten Asylbewerber reist freiwillig aus. 2015 wurden bis November bundesweit knapp 17 000 Menschen aus Deutschland abgeschoben, dagegen verließen 35 000 freiwillig das Land. Mit jeweils rund 3000 Abschiebungen liegen NRW und Bayern an der Spitze der Tabelle, gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen mit je rund 1800. Freiwillig verließen rund 5500 Menschen NRW in Richtung Heimat, in Bayern waren es gut 10 000.

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Aus welchen Ländern kommen die meisten Asylbewerber?

Im November kam über die Hälfte der Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien, gefolgt von Flüchtlingen aus Afghanistan, dem Irak, Pakistan und Eritrea. Nur noch fast jeder zehnte (9,5 Prozent, 5330 Personen) kam aus einem der sechs Balkanländer.

Wie viele Asylbewerber bekommen eine positive Entscheidung, wie viele werden abgelehnt?

In diesem Jahr wurde bisher über 240 058 Asylanträge entschieden. Mit knapp 95 Prozent wurde die übergroße Mehrheit der syrischen Antragsteller als Flüchtlinge anerkannt, gefolgt von Eritrea (90,2 %), Irak (88 %), Iran (59 %) und Afghanistan (26,7 %). Praktisch keine Anerkennung erhielten Menschen aus Albanien, Kosovo, Serbien und Pakistan.

Wie hoch ist der Antragsstau?

Über 355 914 Personen wurde vom Bundesamt noch nicht entschieden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der anhängigen Verfahren um 118 Prozent.

Welches Land nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Deutschland nimmt in absoluten Zahlen die meisten Flüchtlinge auf. Nach aktuellsten Vergleichsdaten von Eurostat wurden 2014 in der Europäischen Union insgesamt 662 000 Anträge gestellt. Mit knapp 203 000 entfiel auf Deutschland knapp ein Drittel. Den zweiten Platz in Europa belegt Schweden mit 81 000. Setzt man die Zahl der Asylsuchenden in Relation zur Größe der Bevölkerung, sieht es anders aus. Den höchsten Flüchtlingsanteil hat demnach Schweden mit 8,4 Asylanträgen pro tausend Einwohnern, gefolgt von Ungarn (4,3 Anträge), Österreich (3,3), Malta (3,2) und der Schweiz (2,9). Deutschland liegt in der EU auf Platz acht.

Kommentare
03.01.2016
13:36
Zuwanderung – Was Flüchtlinge für Deutschland bedeuten
von Moderation | #42

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http://www.derwesten.de/politik/was-die-fluechtlinge-fuer-deutschland-bedeuten-id11421532.html
2016-01-03 08:44
Politik, NRW, Flüchtlinge
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