Was die EZB-Entscheidung im Alltag bedeutet

An Rhein und Ruhr..  Die Bazooka ist eine Erfindung des amerikanischen Militärs – ein Panzerknacker mit Raketenantrieb. In der Finanzsprache gilt sie als schärfste Waffe einer Notenbank im Kampf gegen Deflation und Wirtschaftskrisen. Wie enorm die Wirkung des Billionen-Anleihekaufprogramms der EZB sein wird, muss sich zeigen. Einige Auswirkungen zeigten sich aber schon am Tag nach der Verkündung des Programms: der Euro sackte weiter ab, der Dax feierte neue Rekorde. Die möglichen Folgen auch für die Verbraucher in Deutschland:

Wenn die Geldmenge einer Währung erhöht wird, entwertet das im Normalfall diese Währung. Im Vergleich zur wichtigsten Währung der Weltwirtschaft, dem US-Dollar, gab die Gemeinschaftswährung der Europäer bereits gestern stark nach – ein Euro war zwischenzeitlich nur noch 1,12 Dollar wert, so wenig wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Für Unternehmen werden dadurch Importe von Teilen für die eigene Produktion teurer. Gleichzeitig werden die eigenen Exportwaren billiger. In Ländern mit einem Exportüberschuss in den Nicht-Euro-Raum profitiert die Wirtschaft also unterm Strich von der Euro-Abwertung.

Für die Verbraucher werden Waren aus und Reisen in Länder mit anderen Währungen teurer, etwa der Skiurlaub in der Schweiz oder die USA-Reise im Sommer. Höhere Preise drohen auch für Importprodukte wie Bananen, andere Südfrüchte oder Schweizer Schokolade. Auch chinesische Importe von Spielwaren über Computer bis hin zu Handys dürften teurer werden. Doch nicht nur der Wechselkurs beeinflusst die Preise, das EZB-Programm soll ja die allgemeine Inflation anheben. Ökonomen rechnen aber nur mit einem Teuerungseffekt von wenigen Zehntel Prozentpunkten.

Die Sparzinsen dürften weiter sinken, auch wenn das kaum noch möglich ist. Etwas Luft nach unten ist noch beim Tagesgeld, das derzeit im Schnitt mit gut 0,4 Prozent verzinst wird. Für Spareinlagen größerer Summen könnten mehr Banken als bisher sogar einen Strafzins erheben. Die Minizinsen belasten vor allem auch die Altersvorsorge, denn Renten- und Lebensversicherer müssen den größten Teil der Beiträge in besonders sichere Anlagen wie Staatsanleihen stecken – und deren Renditen sinken nun weiter.

Kredite an Verbraucher und Firmen dürften noch günstiger werden. Zehnjähriges Baugeld gibt es derzeit für 1,5 Prozent und weniger. Bei den Firmenkrediten ist aus volkswirtschaftlicher Sicht aber nicht die Verzinsung selbst entscheidend, sondern ob die Banken auch mehr Kredite vergeben, sprich ob ihnen das frische, billige Geld wirklich lockerer sitzt.

Ein Gewinner der Geldflutung ist der Bund, auch wenn die Regierung das EZB-Programm kritisch sieht. Denn auch die Zinsen für deutsche Staatsanleihen sinken, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird kaum noch Zinsen zahlen müssen für Geld, das er sich leiht. Das hat schon 2014 maßgeblich zum ersten ausgeglichenen Bundeshaushalt seit 1969 geführt. Erst in dieser Woche platzierte der Bund erstmals eine fünfjährige Bundesanleihe, für die er keinen Cent Zinsen zahlen muss.

Die Börsianer jubeln, weil Draghi noch mehr Geld ins Bankensystem pumpt, als sie in ihren kühnsten Träumen gehofft hatten. Der Dax hüpfte gestern von Rekord zu Rekord, zwischenzeitlich auf über 10 700 Punkte. Weil normales Sparen kaum noch Zinsen bringt, dürften Aktien weiter an Wert gewinnen, das erwarten Finanzexperten auch für Immobilien. Skeptiker warnen deshalb bereits vor neuen Spekulationsblasen sowohl an den Börsen als auch auf dem Immobilienmarkt.

Und es gibt noch einen unschönen Nebeneffekt, vor dem ausgerechnet Multimilliardär und Investorenlegende George Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnte: Die Kluft zwischen Arm und Reich werde in Europa durch das Anleiheprogramm weiter wachsen. Wer Aktien oder Immobilien besitze, werde reicher, das Geld einfacher Sparer dagegen verliert an Wert, vor allem, wenn die EZB ihr Ziel einer steigenden Inflation erreicht. „Das dürfte ernsthafte politische Folgen haben“, sagte Soros.