Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Analyse

Wer kann Trump stoppen? Die Lehren aus den US-Vorwahlen

21.02.2016 | 07:49 Uhr
Wer kann Trump stoppen? Die Lehren aus den US-Vorwahlen
Der New Yorker Bau-Unternehmer Donald Trump ist fürs erste der heißeste Kandidat im konservativen Lager um die Nachfolge von US-Präsident Obama. Foto: REUTERS

Washington.  Die Wähler in den USA sind zerrissen und gespalten wie selten zuvor. Würde morgen gewählt, träte Hillary Clinton gegen Donald Trump an.

Hillary Clinton atmet auf. Donald Trump trumpft auf. Jeb Bush steigt aus. Bernie Sanders tritt auf der Stelle. Die wichtigsten Wasserstandsmeldungen nach den Vorwahlen von Republikanern und Demokraten in Süd-Carolina und Nevada um das Präsidentschaftsticket sind schon heute Makulatur. Die Karawane zieht weiter – die Super-Wahltage am 1. und 15. März fest im Blick, wenn rund 20 Bundesstaaten auf einen Schlag ihre Delegierten für die entscheidenden Nominierungs-Parteitage im Sommer vergeben. So sieht im Moment die Lage aus:

Trump, Bush und das Elend der Republikaner

Für die republikanischen Partei-Granden ist der Alptraum wahr geworden. Zehn Prozent Vorsprung auf seine Verfolger Cruz und Rubio belegen: Donald Trump kann zurzeit niemand das Wasser reichen. Einmal Silber (Iowa), zweimal Gold (New Hampshire und South Carolina) – die ersten drei Vorwahlen haben auch den letzten Spöttern gezeigt: Der Mann mit dem losesten Mundwerk im Wettbewerb, der sich ungestraft mit dem Papst anlegen und den früheren Präsidenten George W. Bush unbehelligt einen Lügner nennen darf, hat die besten Chancen auf das Kandidatenticket.

Trump hat in Süd-Carolina quer durch alle Wählerschichten gewildert. Auch die Evangelikalen, eigentlich auf Cruz-Kurs vermutet, fanden ihn attraktiv. Jede Kritik perlt an ihm ab. Niemand nimmt Trump übel, dass sein Wahlkampf eine Aneinanderreihung von Phrasen („Wir machen Amerika wieder groß, das verspreche ich euch!“) und Beschimpfungen („Was China mit uns macht, ist der größte Diebstahl in der Geschichte der Menschheit!“) darstellt.

Zu spüren bekam das einer, der am Anfang noch Favorit war: Jeb Bush ist das signifikanteste Opfer einer aufgebrachten konservativen Wählerschaft, die Erfahrung für einen Makel hält und unbedingt einen Aufräumer ins Weiße Haus entsenden will. Die Bush-Müdigkeit im Volk war entschieden größer als die Familie-Dynastie des 41. und 43. Präsidenten erwartet hatte. Jeb Bush kam nie wirklich in Tritt. Sein konzilianter, von politischen Konzepten getragener Wahlkampf, in dem über 100 Millionen Dollar buchstäblich verbrannt wurden, wirkte wie aus der Zeit gefallen.

Sein Verzicht verändert die Statik im Bewerberfeld. Entscheidende Frage: Wer schält sich als moderate(re) Alternative zu Trump heraus? Die Herren Kasich und Carson spielen nur Statistenrollen. Ted Cruz, eher Ideologe, und Marco Rubio, eher auch unabhängigen Wählern zu vermitteln, kabbeln sich ab sofort um die Rolle als Königsmörder. Jagen sie sich weiter gegenseitig Stimmen ab, nutzt das nur Trump. Wann wird der Dreikampf zum Duell?

Leichte Vorteile besitzt Schnellsprecher Rubio, der sich als „Kind der Ronald Reagan-Revolution“ empfiehlt. Nach Bushs Abgang werden sich Spenden-Geld und Wähler-Gunst voraussichtlich in seine Richtung bewegen. Hauptgrund: Ihm, nicht dem verbohrten Cruz, werden Chancen eingeräumt, am Ende gegen Hillary Clinton bestehen zu können. Eine Garantie, um Trump zu stoppen, ist das aber beileibe nicht. Der Milliardär hat wirklich Blut geleckt. Sein Ego ist so groß wie sein Hoteltower in Manhattan. Auch wenn er erst knapp 60 der nötigen 1237 Delegiertenstimmen eingesammelt hat – Trump weiß nach Süd-Carolina, dass Siege für ihn keine Eintagsfliegen sind.

Hillary, Bernie und die Demokraten

Das Rennen gegen den sozialdemokratisch angehauchten Sanders ist zwar noch nicht gelaufen. Aber Clinton hat sich freigeschwommen. Sie hat in Nevada geliefert, als sie unbedingt musste. Eine zweite Niederlage gegen den Senator aus Vermont (nach New Hampshire) hätte sie weit zurückgeworfen. Clinton hat gezeigt, worauf es in vielen Südstaaten demnächst ankommen wird: Sie hat bei afro-amerikanischen Wählern offenkundig mehr Schlag als Sanders. Ein gutes Omen für Süd-Carolina, wo die Demokraten erst am kommenden Samstag wählen. Dort ist knapp ein Drittel der Wählerschaft schwarz. Gewinnt sie auch da, ist ein wichtiges Etappenziel erreicht: Sanders‘ Momentum wäre vollends gebrochen. Problem: Clinton zieht nach wie vor nicht bei jungen Wählern. Dort hat „Oldie“ Sanders eindeutig mehr Kredit.

Wer Hillary Clinton in den vergangenen Tagen erlebt hat, erkennt eine Veränderung. Sie kann zulegen im Auftreten, sie kann authentischer, nahbarer wirken. Und Clinton hat ihre stärksten Waffen noch gar nicht wirklich ausgepackt: unbändiger Siegeswille. Steh-auf-Frau-Qualitäten. Sanders dagegen hat seine „Decke“ erreicht.

Clinton wird den 74-Jährigen gnadenlos als Ein-Themen-Kandidat (soziale Ungleichheit) abkanzeln. In ihrer Dankesrede gab es erste Warnhinweise. Gewiss hätten Amerikaner das Recht, verärgert zu sein, erklärte sie mit einem Fingerzeig auf Sanders’ Botschaft von der Notwendigkeit einer politischen Revolution gegen Milliardäre und Wall Street. „Aber wir sind auch hungrig nach wirklichen Lösungen“, fügte sie hinzu. Sprich: Nur mit Maximalforderungen a la Bernie (Bankenzerschlagung, Superreichen-Steuer etc.) kommt man gegen einen republikanisch beherrschten Kongress nicht weit.

Bernie Sanders redet sich die Niederlage in Nevada schön. Der Abstand von knapp fünf Prozent, sagte er, sei aufholbar. Positiv für ihn: Er hat Clinton in der wichtigen Wählergruppe der Latinos geschlagen. Aber er bleibt ein Exot. Clintons größtes Problem bleibt sie selbst. Ihr größtes Defizit - Glaubwürdigkeit - ist durch ein prominentes Fernseh-Interview nicht kleiner geworden. Auf die Frage, ob sie dem amerikanischen Volk immer die Wahrheit gesagt habe, entgegnete Clinton tatsächlich: „Ich habe es immer versucht.“

Dirk Hautkapp

Kommentare
21.02.2016
18:48
Wer kann Trump stoppen? Die Lehren aus den US-Vorwahlen
von broom | #4

Trump als nächster US-Präsident. Warum nicht.

Funktionen
Fotos und Videos
US-Präsident Obama besucht Hiroshima
Bildgalerie
Staatsbesuch
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
article
11583434
Wer kann Trump stoppen? Die Lehren aus den US-Vorwahlen
Wer kann Trump stoppen? Die Lehren aus den US-Vorwahlen
$description$
http://www.derwesten.de/politik/warum-zum-ersten-mal-eine-trump-sensation-moeglich-scheint-id11583434.html
2016-02-21 07:49
Politik