Warum selbstfahrende Autos noch längst nicht serienreif sind

Das Fahrzeug mit der Bezeichnung F015 hat eine futuristische langgezogene Form und einen Innenraum mit drehbaren Vordersitzen.
Das Fahrzeug mit der Bezeichnung F015 hat eine futuristische langgezogene Form und einen Innenraum mit drehbaren Vordersitzen.
Foto: dpa
Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes und Nissan forschen seit langem am selbststeuernden Auto. Doch bis zur Serienreife sind es noch viele Kilometer.

Las Vegas.. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, das Lenkrad bewegt sich sanft wie von Geisterhand. Langsam beschleunigt das Auto, um ein paar Minuten später ebenso gefühlvoll abzubremsen. Ein anderes Fahrzeug möchte auf die Autobahn einfädeln. Auf der weltgrößten Elek­tronikmesse CES präsentiert Autobauer Audi ein Fahrzeug, das selbstständig fährt. Ganz ohne Zutun des Fahrers. Und stellt fast schon nebenbei einen neuen Rekord auf.

Der Wagen, ein Auto voller Technik auf Basis eines handelsüblichen A7, soll auf einer fast 900 Kilometer langen Tour beweisen, dass Selbstfahrer bereit sind für den Straßenverkehr. Auch BMW, Nissan und der Internetriese Google arbeiten an ähnlichen Autos. Daimler präsentiert in Las Vegas beispielsweise einen Selbstfahrer, der sich fast nur mit Gesten und Berührungen steuern lässt.

Die Idee vom „autonomen Landfahrzeug“, wie der sperrige Fachbegriff lautet, steht im Fokus der CES 2015. Bis zur Serienreife werden allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Nach Branchenschätzungen werde entsprechende Fahrzeuge 2020 oder „nicht vor 2030“ auf den Straßen fahren.


Wie funktioniert ein Selbstfahrer?
Die Fahrzeuge sind vollgestopft mit sogenannten Assistenzsystemen. Einige davon kommen schon jetzt in Serienautos zum Einsatz oder sind eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Technik. Radar- und lasergestützte Abstandsmesser sorgen für den nötigen Sicherheitsabstand, berechnen im Millisekundentakt die freie Strecke zum vorausfahrenden Fahrzeug.

Sie reduzieren bei Bedarf das Tempo des Autos, beschleunigen, wenn die Straße frei ist. Kameras behalten die Straße im Blick, erfassen nicht nur, was vor dem Auto, sondern auch, was daneben und dahinter passiert; erkennen andere Autos und passen sich deren Fahrweise an. Sie schwimmen im Verkehr mit. Die Kameras erfassen Geschwindigkeitsbegrenzungen, weil sie Straßenschilder lesen können. Daten des Navigationsgerätes werden zur Orientierung des Autos genutzt.


Wo hakt die Technik noch?
Das vorgestellte System von Audi gerät immer dann an Grenzen, wenn die Situation unübersichtlich wird, beispielsweise im Stadtverkehr. Dann bittet das Auto den Fahrer, die Kontrolle wieder zu übernehmen. Denn bislang bereitet den Herstellern der Faktor Mensch Probleme. Die Autos können eben noch nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wie sich beispielsweise Fußgänger verhalten. Audi selber spricht deshalb auch von sogenanntem „pilotierten Fahren“. Die Technik entlaste den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von rund 70 Kilometern pro Stunde, ganz auf ihn verzichten kann das System aber noch nicht.

Dieses Problem wollen die Hersteller mit dem massiven Einsatz von Computertechnik meistern. Die Rechner müssen Situationen im Straßenverkehr blitzschnell erkennen und vorhersagen können. Laut Autobauer Daimler basiert diese Vorhersage „auf der aktuellen Situation sowie dem Rechenergebnis, dass sich die Situation in der nahen Zukunft möglicherweise ändert“. Wahrscheinlichkeitskalkulation inklusive.


Welche Technik kommt schon heute zum Einsatz?
Vor allem Fahrer größerer Limousinen kennen die oft kostspieligen Assistenzsysteme bereits aus den Aufpreislisten der Hersteller. Eine aktive Geschwindkeitsregelanlage – ein Aktivtempomat – betätigt nicht nur das Gaspedal, sondern hält automatisch den vorher eingestellten Abstand zum Vordermann. In Kombination mit einer Automatikschaltung nimmt ein solches System dem Fahrer gerade auf langen Autobahnfahrten viel Arbeit ab. Und kann sogar in brenzligen Situationen eine Notbremsung schneller einleiten, als es dem Fahrer möglich ist. Das System kennt nämlich keine Schrecksekunde.

Spurassistenten passen auf, dass das Auto nicht die vorher gewählte Fahrspur verlässt, warnen mit Vibration des Lenkrades und lenken notfalls leicht gegen. Und der Tote-Winkel-Assistent macht mit Blinklichtern und schrillem Warnton auf nebenan fahrende Autos aufmerksam, wenn der Fahrer beim Spurwechsel den Schulterblick vergisst.


Und was bedeutet „Smart Car“?
Smart Car bedeutet „intelligentes Auto“. Damit ist nicht nur das autonome Fahrzeug gemeint, sondern vielmehr die Verschmelzung moderner Netzwerk- und Mobilfunktechnik mit der In­frastruktur im Auto. Das Entertainment-System der Zukunft kann nicht nur Musik vom MP3-Player wiedergeben und E-Mails vorlesen, sondern kommuniziert mit anderen Autos.

Leistungsstarke Rechner sorgen dafür, dass brenzlige Situationen vermieden werden, weil die Fahrzeuge sich gegenseitig auf dem Laufenden halten. Das hilft nicht nur den Selbstfahrern, sondern auch allen anderen Autos. Solche Systeme soll es dann auch zum Nachrüsten geben. So wird dann auch ein zehn Jahre alter Golf zum „Smart Car“.

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