Warum Minister Remmel beim Trinkwasser-Schutz zögert
03.02.2012 | 17:52 Uhr 2012-02-03T17:52:00+0100
Essen. Seit Jahren warten Millionen Menschen an der Ruhr auf bessere Reinigungstechnik für ihr Trinkwasser. Aber nichts tut sich – dabei hatte das Johannes Remmel immer gefordert, bevor er Umweltminister wurde. Zögert er wegen der Wasserpreise?
Wie rein ist die Ruhr? Seit Freitag liegt dem NRW-Landtag ein Expertenbericht des Umweltministeriums über die Trinkwasserqualität vor. Fazit: Im Fluss, der fünf Millionen Menschen mit Wasser versorgt, schwimmt ein Cocktail aus Spurenstoffen – Chemikalien, Arzneimittel, Hormone, Pestizidrückstände. Das Thema wird nun politisch brisant.
Ausgerechnet Umweltminister Johannes Remmel, (Grüne) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, nicht genug für die Sicherheit des Trinkwassers in NRW zu tun. Nach Recherchen der WAZ-Mediengruppe zögert Remmel seit über einem Jahr, die Wasserwerke an der Ruhr zur technischen Nachrüstung zu zwingen . Mit dieser Forderung hatte Remmel während des Skandals um die Chemikalie PFT in der Ruhr den damaligen Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) getrieben. Nun hätte Remmel die Möglichkeit, Investitionen von 150 Millionen Euro per Anordnung zu durchzusetzen – ein einmaliger Vorgang in Deutschland. Doch Remmel handelt nicht.
Der öffentliche Druck zeigte Wirkung
Dabei hatte der massive Druck der Öffentlichkeit während des PFT-Skandals bei den Versorgern Wirkung gezeigt. Der WAZ-Mediengruppe liegt der Schriftverkehr zwischen der Bezirksregierung Arnsberg und dem Umweltministerium aus den vergangenen Jahren vor. Er zeigt, wie die Betreiber der Wasserwerke zwar hartnäckig um Art und Höhe der Investitionen rangen und eine Verlängerung von Fristen zur Umsetzung erreichten – letztlich aber nachgaben. Immer wieder trafen sich Mitarbeiter der Arnsberger Behörde und des Ministeriums mit Abgesandten der Wasserversorger. Ziel der Verhandlungen: Die Wasserwerksbetreiber sollten sich auch schriftlich erklären, auf eine Klage gegen die Ertüchtigungsanordnung zu verzichten. Remmel wollte Rechtssicherheit.
Tatsächlich leisteten zwei Versorger noch Widerstand. Die Stadtwerke Hamm zweifelten an der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit der für das Wasserwerk Fröndenberg-Warmen geforderten Maßnahmen. Das ließen sie sich auch in einem Rechtsgutachten attestieren. Trotzdem erklärte sich das Unternehmen Mitte Juli 2011 bereit, die Anordnung und den Rechtsmittelverzicht zu akzeptieren.
Witten gab nach – will aber nicht unterzeichnen
Auch das Verbundwasserwerk Witten wollte die Investitionen zunächst nicht hinnehmen, gab dann aber nach. Den Klageverzicht wollte das Unternehmen dennoch nicht unterzeichnen, „aus rein formalen Gründen“, wie Geschäftsführer Hansjörg Sander der WAZ-Mediengruppe bestätigte. „Wir werden nicht klagen“, sagte er.
Die Millionen-Investitionen in der Ruhr liegen immer noch auf Eis, die Anordnungen in der Schublade. „Wir brauchen die Ertüchtigung schriftlich, als rechtliche Absicherung“, sagt Helmut Sommer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Ruhr-Wasserwerke. Würden die Investitionen auf den Wasserpreis umgelegt, müssten sich Versorger möglicherweise vor dem Kartellamt für den Aufschlag rechtfertigen.
Sorge um die Wasserpreise
Der Umweltminister aber bleibt hart, hält den Verweis auf kartellrechtliche Probleme für vorgeschoben. Remmel kritisierte im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe, dass ihm die Fristen für die Umsetzung der Nachrüstung zu weit gingen, zum Teil erst 2017 griffen. Auch sorgt sich Remmel um einen Anstieg des Wasserpreises, wenn die Unternehmen ihre Investitionskosten umlegen. „Das muss offen und transparent dargestellt werden.“
Ob wirklich alle Versorger an der Ruhr den Wasserpreis erhöhen würden, ist unklar. Die Preise in NRW liegen im Ländervergleich an der Spitze, viel Spielraum zu Erhöhung gebe es da nicht, heißt es in der Branche. Klar aber ist: Seit Freitag ist der politische Streit um sauberes Trinkwasser neu entbrannt.

09:07
Glaubt Ihr mal schön, dass es sich bei der Angelegenheit um sauberes Trinkwasser handelt...und am 6.Dezember kommt der Nikolaus.
Die Bosse des Trinkwassersyndikates sitzen schon mit vor Geifer zitternden Händen hinter ihren Schreibtischen und beobachten, wie Mineralölkonzerne die Regierungen am Nasenring durch die politische Arena führen.
PRIVATISIERUNG ist das Zauberwort, die Liberalen sammeln schon Parteispenden für ihr Mitwirken!
Vom Öl lernen heißt siegen lernen!
20:50
Mit den irrsinnigen Kanalprüfungen hat man bereits viele Bürger über den Tisch gezogen. Für sauberes Trinkwasser fehlen die Entscheidungen. Einfach Irrsinn! Rot-Grün gehört in die Tonne.
16:52
Weil er noch so beschäftigt mit den Abwasserkanälen und deren Überprüfung.
Es ist wichtiger die Kanallobby zufriedenzustellen, als den Trinkwasserkunden mit unbedenklichem Trinkwasser.
Stimme Ihnen ein Stück weit zu. Die Knaldichtheitsprüfung der Vorgängerregierung steht allerdings schon lange und ist rechtlich eindeutig. Die Kanalwirtschaft hat insofern Vertrauensschutz und konnte investieren. Wenn denen jetzt Millionenschäden entstehen oder diese Unternehmen gleich insolvent werden, nimmt das kein Unternehmen oder Insolvenzverwalter klaglos hin.
Beim Trinkwasserschutz balanciert Remmel zwischen Trinkwasserschutz bis 2017 (was eindeutig zu lange ist!!!!) und einen Anstieg des Wasserpreises, wenn die Unternehmen ihre Investitionskosten umlegen, ohne das offen und transparent darstellen zu müssen.
Nichts genaues weiß man nicht: Ob die Versorger an der Ruhr den Wasserpreis erhöhen würden? Ob die Preise in NRW im Ländervergleich schon jetzt an der Spitze liegen ist hingegen klar!
16:46
Remmel wäre ein schlechter Umweltminister, bliebe er nicht hart. Es ist seine Pflicht, darauf zu drängen, dass die Fristen für die Umsetzung der Nachrüstung nicht erst 2017 greifen. Es ist auch seine verdammte Pflicht, einem Anstieg des Wasserpreises entgegen zu wirken, wenn die Unternehmen ihre Investitionskosten nämlich umlegen. Da scheinen Unternehmen auf die Unbedarftheit von Politik zu spekulieren.
Ich möchte die heutigen Remmel-Kritiker sehen, wenn Remmel nur um heute eine gute Presse zu haben, morgen wegen Dilettantismus und der üblichen "typisch Grüne" - Kritik am Pranger steht... sagt einer, der weder den Grünen angehört noch Remmel kennt, aber im Umweltschutz ehrenamtlich tätig ist.
16:06
Da hat wohl jemand Angst vor seiner eigenen Courage. Hr. Remmel ist mittlerweile wohl klar geworden, dass es schon einen Unterschied macht, ob man auf der Oppositions- oder auf der Regierungsbank sitzt. Auf ersterer kann man die tollsten Forderungen stellen, die schönsten Ideen verbreiten, auf letzterer hat einen die Realität ganz schnell eingeholt. Hr Westerwelle z.B. weiß ein Lied davon zu singen.
Wenn die geplanten Umrüstungen realisiert werden, dann dürften auch die Wasserpreise steigen, keine Frage. Aber das ist unabhängig davon, wer in Düsseldorf gerade das Sagen hat.
Allerdings wird der Wähler einen höheren Wasserpreis den Regierenden, bzw. Hr. Remmel anlasten, was sich wiederum bei einer Neuwahl in NRW negativ für die Grünen auswirken könnte. Andere Erklärungsversuche seitens des Umwelt-usw. Ministeriums halte ich für weniger glaubhaft.
15:55
Herr Remmel möchte später vielleicht ebenfalls einen lukrativen Posten bei Gelsenwasser bekommen, so wie seine Parteifreundin Gunda Röstel…Eine Hand wäscht eben die andere - mit dem nicht ganz so schadstofffreien Wasser ;)
14:59
Angst vor höheren Preisen? Was soll das? Es ist doch klar, dass sauberes Trinkwasser in einer durch menschliches Handeln verseuchten Umwelt mehr Geld kostet. Wir müssen auch bei diesem Thema für die Folgen unseres umweltfeindlichen Handels bezahlen.
14:46
Anwälte oder der Gesetzgeber ?
Weder noch.
GG Art 20(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. ...
Weiß zwar niemand mehr, aber es war mal so gedacht. Heute vertrauen alle drauf, daß Mutti weiß, was gut für uns ist. Ist ja auch viel bequemer.