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Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben

21.02.2013 | 17:30 Uhr
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Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
Eva Hieber lebt in einer Singlewohnung.Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool

Essen.   Mehr als drei Millionen Menschen in NRW wohnen solo. Vor allem junge Leute wählen dieses Lebensmodell.Aber auch die beruflich geforderte Flexibilität ist eine Ursache für die wachsende Zahl an Einpersonen-Haushalten. Der Wohnungsamarkt aber in Großstädten ist darauf kaum eingestellt. Hohe Mieten für kleine Wohnungen sind die Folge.

Eva Hieber liebt Gemüse. Es gibt Kartoffeln zum Abendessen, drei, vier Knollen landen im Topf. Dazu eine Möhre, gewürfelt – eine Portion für eine Person. Die 23-Jährige kocht heute nur für sich, sie wohnt allein: 36 Quadratmeter, kleine Küchenzeile, Wohn- und Schlafzimmer im Dachgeschoss eines alten Zechenhauses in Bochum-Mitte. Als Studentin ist sie vor drei Jahren aus der elterlichen Wohnung hierhin gezogen, jetzt arbeitet sie im Medienbereich.

Die Wohnsituation der jungen Frau entspricht ganz einem Trend: 3,348 Millionen Menschen in NRW waren nach Angaben des Statistischen Landesamts 2011 alleinlebend, so das Ergebnis des letzten Mikrozensus. Die Gemeinschaft der Solisten wächst: 2005 noch lebten nur 2,936 Millionen in NRW ohne Mitbewohner.

„Ich mach halt gern mein eigenes Ding“

In Großstädten ist die Quote der Single-Haushalte besonders hoch, vor allem immer mehr junge Menschen wohnen allein. Auch die Wohngemeinschaft, früher Studenten-Domäne, hat offenbar ausgedient. Beispiel Bochum: 26.000 Revierstädter zwischen 18 und 35 Jahren waren im Erhebungsjahr alleinlebend – 2005 waren es noch 21 000. Einen der neuen 5000 Single-Haushalte führt Eva Hieber. Und auch für sie sei eine WG nie in Frage gekommen, erzählt sie. Sie treffe sich zwar oft und gern mit Freunden, aber: „Ich mach halt gern mein eigenes Ding.“ Die meisten in ihrem Bekanntenkreis hielten es ebenso.

Lieber das eigene Ding machen – das neue Lebensgefühl einer Gesellschaft? Soziologe Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung spricht von einer „Pluralisierung der Lebensformen“. Allein zu leben sei nicht gleichbedeutend mit Einsamkeit, stellt er klar: „Klassische Wohnformen verlieren nur an Bedeutung.“ Ein Grund dafür sei steigender Wohlstand. „Die ökonomische Funktion der Ehe, die früher vor allem für Frauen galt, verschwindet“, erklärt der Experte. Und: Nicht alle Alleinlebenden sind ohne Partner, sondern wohnen nur getrennt von ihm.

„Living apart together“

„Living apart together“, kurz LAT, nennen Soziologen diese Form des Zusammenlebens, bei der man nicht zusammen lebt. So ist es bei Kathrin und Holger, die ihre echten Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen. Die 30-Jährige ist vor einigen Wochen aus beruflichen Gründen nach Dortmund gezogen, ihr Freund ist samt Hund in Siegen geblieben, wo die beiden neun Jahre zusammen gewohnt haben. „Anders ging es nicht“, sagt sie.

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182 000 Verheiratete wohnen in NRW getrennt vom Ehepartner. Natürlich leben viele von ihnen nicht mehr zusammen, weil die Ehe vor der Scheidung steht, genaue Zahlen gibt es darüber nicht. Doch die Menge an Paaren, die durch beruflich geforderte Flexibilität voneinander getrennt leben, steige, sagt Kröhnert.

Die Mietpreise steigen

Ein Trend, der auch die Mietpreise in die Höhe schießen lässt. Denn die Nachfrage nach Apartments und kleinen bis mittelgroßen Zweizimmerwohnungen ist vor allem in den Städten riesig, das Angebot indes klein. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund sieht darin auch ein Versäumnis der Wohnungspolitik: „Man ist jahrelang immer von den absoluten Einwohnerzahlen ausgegangen, wenn es um die Frage nach nötigem Wohnraum ging. Doch man hätte die einzelnen Haushalte betrachten müssen.“ Deren Zahl steige durch die „Versingelung“, wie Ropertz sagt.

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Indes: Ein Solo-Wohnen für immer, das sei eher die Ausnahme, sagt Soziologe Kröhnert. „Die Phasen zwischen einzelnen Beziehungen werden einfach länger.“ Eva Hieber genießt ihre Single-Portion Gemüse, mag die Freiheit des Alleinwohnens, wie sie sagt. Und doch: „Das muss nicht ewig so sein. Vielleicht ziehe ich ja auch doch mal in eine Wohngemeinschaft oder so.“

Peter Sieben

Kommentare
27.02.2013
12:36
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von ExWalsumer | #16

Ich verstehe nur nicht genau, warum das Single-Leben teurer sein soll, wie im BEricht beschrieben. Würde ja bedeuten, das Verheiratete Paare mit einem Verdiener prima zurecht kommen.
Praktisch müssen aber beide Arbeiten um ein wenig mehr Geld zu haben als für das Überleben nötig.
Da kann man theoretisch auch Singel bleiben. Teurer ist das nicht.

Dazu kommt noch, das einem der Staat direkt nach dem man zusammen gezogen ist einen dazu verpflichtet für den Unterhalt des Mitbewohners zu sorgen und das ohne die Privilegien wie günstigere Steuerklasse usw. Das gibt es erst nach der Hochzeit.

22.02.2013
16:16
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von Dr.Seltsam | #15

Es gibt sicher ebenso viele Gründe für das Singleleben, wie es Singles gibt.
Ich bin aus einer 10 jährigen Katastrophenbeziehung befreit worden.
Und nach 3 Jahren habe ich immer noch ein Lächeln im Gesicht, wenn ich abends alleine auf meiner Couch sitze..

Meiner Meinung nach ist es sehr gesund, wenn man auch mit sich selber klar kommt.
In meinem Bekanntenkreis beobachte ich, wie sich Leute von einer ungesunden Beziehung in die nächste stürzen. Bloß nicht alleine sein.

Ich will bei der Partnerwahl auch keine Kompromisse mehr eingehen. Ich will eine Partnerin, die ich respektieren kann. Die mir intellektuell ebenbürtig ist. Die das Wort Partnerschaft versteht und Beziehung nicht als Kampf betrachtet..

Solange ich so eine Frau nicht gefunden habe, ziehe ich es vor, alleine zu bleiben.
Und Einsam bin ich nur dann, wenn ich es will. Ich habe einen gesunden Freundeskreis und gehe viel raus..

22.02.2013
13:18
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von jessiesrevenge | #14

ein Grund wird sicherlich auch sein, das man als alleinstehender Hartz4 Empfänger mehr Geld bekommt, als wenn man zusammen wohnen würde. Auch die Wohnsituation kann man so maximieren. Kenne viele die zusammen sind, in einen Haus 2 Wohnungen nebeneinander gemietet habe, so nun 80qm Wohnfläche haben und mehr bekommen als wenn sie zusammen würden. Und für die arbeitende Bevölkerung fehlt auch oft die Zeit für ein Partner, so das man eine Beziehung nicht so plfegen kann, wie es sein müßte.
Und durch das gesellschaftliche Problem, das einige auch nur wenige soziale Kompetenzen haben, ist es auch nicht zu verhindern. Hab es damals ja auch genossen in meiner Asusbildung eine eigene Wohnung zu haben, da ich beruflich viel mit Menschen arbeite, bin ich froh nach Dienstende kein Mensch mehr zu sehen. Und bei der Wohnungslage in NRw ist es auch gut, das nicht alle zusammen ziehen, dann gäbs ja hier noch mehr Leerstände...

22.02.2013
11:23
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von Senator23 | #13

Ich bin jetzt 52 Jahre alt/jung geworden und zeitlebens Single. Bis auf einen Versuch, der schief gegangen ist, lebe ich allein und es geht mir (sau)gut dabei.
Familie habe ich nicht mehr, zum Glück ( hast du Familie, brauchst du keine Feinde mehr, so ein Spruch meiner schon lange verstorbenen Großmutter). Bin Vollzeit berufstätig, habe zwei Ausbildungen, ein abgeschlossenes Studium und werde gut entlohnt. Was will ich mehr.
Keiner der mich volltextet , wenn ich abends die Tür aufschließe, keiner der mir den Kühlschrank leer futtert , denn das schaffe ich selbst.
Urlaub wann und wohin ich möchte.
Und was zwischenmenschliches angeht ( ich meine damit Sexuelles) , das war für mich immer die unwichtigste Sache der Welt.
Für mich persönlich, damit meine ich meine eigene Meinung und streue diese nicht, ist das die perfekte Lebensform.
Was nach mir kommt, egal.

1 Antwort
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von alias-king | #13-1

Bin auch ü50 und sehe das genauso.My home is my castle.

22.02.2013
11:12
Der Mensch ist ein Herdentier
von rheinruhrlaender | #12

Es ist doch egal ob man alleine wohnt oder mit anderen zusammen. Vor 10 Jahren wurde es noch als seltsam angesehen, nicht in einer WG zu leben, davor war die WG komisch, Heute ist man nur alleinwohnend Hipp, bei den U30.
Wie man wohnt, sagt nicht viel drüber aus wie man lebt. Hauptsache man hat genügend Freunde, Bekannte und Verwandte. Aber jeder muss auch mal allein sein, sich selbst "verwirklichen". Hobbys, Interessen, etc... Einfach abschalten. Ob man das in der großen Wohnung oder im Haus in einem seperaten Raum macht oder einfach allein in einer kleinen Wohnung lebt, spielt da doch keine Rolle.
Außerdem würde ich mir bei U30 keine großen Gedanken machen. Früher wurde einem das alles aufgedrückt, man musste mit 20 heiraten und durfte nicht alleine leben.

22.02.2013
11:09
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von Wahl-Wuppertaler | #11

Wäre ich nicht schon seit langer Zeit glücklich liiertm würde ich wahrscheinlich auch Single bleiben. Weder aus Überzeugung, noch auch Eigenutz, sondern einfach, weil die "aktuelle" Damen- und Herrenwelt mit Ihren verqueren Vorstellungen völlig an meinem Geschmack von Sozialverhalten und Zusammensein vorbei geht.

Ein erfülltes Leben besteht in meinen Augen kaum daraus sich jeder Rechtfertigung entziehen zu müssen oder seine Freizeit in Saus und Braus auf Möchtegern-Partys verbringen zu müssen.
Was tut der "moderne Single" denn anderes als Ich, der in einer Beziehung lebt?
Feiern? Tue ich auch.
Freunde treffen? Ebenfalls.
Spät nach Hause kommen? Kann ich auch und es wartet dort sogar schon jemand freudig auf mich.
Freiheit geniessen? Na,um Gottes Willen. Das kann ich doch erst recht und zwar ohne den geselschaftlichen Druck mich benehmen zu müssen, weil eine potentiell interessierte Frau mich beobachten könnte.

Mir erschliesst sich der Vorteil des Singlelebens irgendwie nicht.

22.02.2013
11:07
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von meinemeinung47 | #10

Solange man einigermaßen jung und fit ist, einen Beruf hat usw. mag das alles gehen.
Aber was ist wenn man alt wird, in Rente geht - die ja auch immer niedriger wird -, die Gesundheit und der Körper nicht mehr so mitmachen wie man es gewohnt war?
Kein Freund oder Freundin, auch noch so gute, können im Alter ein Familienmitglied - sei es Ehepartner oder Kind - ersetzen! Blut ist nun mal dicker als Wasser!
Gerade junge Singles, wohlmöglich noch Einzelkinder werden noch einem Partner hinterherjagen wenn mal die eigenen Eltern nicht mehr sind. Das Elternhaus ist und bleibt (im Normalfall) der "sichere Hafen" den man anlaufen kann wenn es im Leben einmal stürmisch oder auch einsam wird.



22.02.2013
10:48
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von Kalutti | #9

Meines Erachtens ist das einerseits ein gewisser Egoismus von den Leuten, den ich hier nicht negativ darstellen möchte. Aber viele sagen sich: Ich kann machen was ich will und muss keine Rücksicht nehmen. Andererseits ist da anscheinend auch eine gewisse Phobie der Abschottung im Spiel. Wer depressiv ist, der scheut auch soziale Bindungen. Diese Sache finde ich sehr viel schlimmer, aber sie kommt immer häufiger vor.

2 Antworten
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von kasimir28 | #9-1

Depressiv bin ich nicht und bin auch oft in der Öfentlichkeit unterwegs,habe somit auch viele soziale Kontakte,lebe aber gerne alleine.

Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von meinemeinung47 | #9-2

Hoffentlich können Sie das in 20 Jahren auch noch sagen!?
Allerdings werde ich Sie dann wohl nicht mehr fragen können!

22.02.2013
10:37
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von kasimir28 | #8

Ich bin jetzt 45 Jahre alt,habe mein bisheriges Leben alleine gelebt und werde es auch weiterhin tun.Ich kann machen was ich will,niemand meckert und sollte ich mich mal alleine fühlen (was extrem selten ist),habe ich immer noch Freunde,mit denen ich mich treffen kann.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #8-1

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22.02.2013
10:03
Warum immer mehr Menschen in NRW allein leben
von ekelalfred1 | #7

Ich bin jetzt 52, Kinder aus dem Haus, und hätte ich meiner Frau gegenüber keine Verantwortung, so würde ich auch wieder alleine leben. Vorteile: Ich kann selber entscheiden wann ich wohin gehen will, niemand meckert wenn ich nachts spät heimkomme, oder will wissen wo ich war. OK, so schlimm isses bei mir nicht, ich kenn Freunde, die sind weitaus schlimmer dran. Aber ich sehne mich manchmal schon danach zurück, wie ich mit 20-30 gelebt habe. Obwohl ich auch heute noch rastlos jedes WE auf Partys und im Sommer mit dem Bike unterwegs bin (mit meiner Frau!). Ich kann die jungen Leute in ihrer Meinung da voll verstehen und heutzutage würde ich mir in diesem Land mit diesen asozialen Gesetzen auch keine Familie mehr zulegen. Schade, aber die Wahrheit.

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