„Warum hat er uns und sich das nicht erspart?“

Berlin..  Bereits am Morgen des Tages des Rücktritts von Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbandes sah sich die Fifa mit neuen Anschuldigungen und Verdächtigungen konfrontiert. Besonders pikant war diesmal, dass der Name des wichtigsten Blatter-Vertrauten Jérôme Valcke im Zusammenhang mit einer verdächtigen Zehn-Millionen-Dollar-Zahlung genannt wurde.

Auch wenn die Fifa sofort dementierte und ihren Generalsekretär verteidigte, schien nun auch der innerste Machtzirkel um Blatter ins Visier der Korruptions-Ermittler zu rücken. Die „New York Times“ berichtete, die US-Ermittler hielten Valcke für den „hochrangigen Fifa-Offiziellen“, der 2008 zehn Millionen Dollar von einem Fifa-Konto auf ein US-Konto überwiesen habe.

Valcke soll zehn Millionen Dollar auf ein Konto in den USA überwiesen haben

Es sei aber nicht die Rede davon, dass der Offizielle gewusst habe, dass das Geld für Bestechung verwendet worden sei. Valcke sei nicht als Mitbeschuldigter genannt. Weder Valcke noch andere aktuelle Mitglieder der Fifa-Führung seien „an der Initiierung, der Bewilligung und Ausführung“ beteiligt gewesen, teilte die Fifa mit.

Das Geld war damals auf Konten gelandet, die von dem früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner kon­trolliert worden sein sollen. Dem Funktionär aus Trinidad und Tobago wird organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vorgeworfen.

Uefa-Präsident Michel Platini hat die überraschende Rücktrittsankündigung von Joseph Blatter als Chef des Fußball-Weltverbands Fifa begrüßt. „Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung“, sagte Platini in einer Stellungnahme am Dienstag. Der Franzose hatte schon vor der Wiederwahl des Schweizers beim Fifa-Kongress am vergangenen Freitag versucht, Blatter zum Rückzug zu bewegen. Für den Fall einer fünften Amtszeit hatte Platini einen Rückzug europäischer Teams aus Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen.

Mit dem Rücktritt sindnicht alle Probleme gelöst

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die Rücktrittsankündigung von Fifa-Chef Josef Blatter begrüßt. „Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes am Dienstag in Berlin. „Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte.“ Mit dem Rücktritt seien aber nicht „alle Probleme gelöst“.

Ein Nachfolger von Joseph Blatter als Fifa-Präsident soll voraussichtlich auf einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden. Diesen Zeitraum nannte Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission der Fifa, nach der Rücktrittsankündigung Blatters am Dienstag in Zürich. Gemäß Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig.

Der nächste reguläre Fifa-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. „Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten“, sagte Blatter.