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Kirche und Verhütung

Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat

23.01.2013 | 17:05 Uhr
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
Rechtzeitig eingenommen, lässt sich mit der „Pille danach“ die Schwangerschaft einigermaßen siche verhüten.

Essen.   Ein katholisches Krankenhaus lehnt die Behandlung eines Vergewaltigungsopfers ab, weil die „Pille danach“ nicht mit dem Glauben vereinbar sei. Doch wenn Frauen das von der katholischen Kirche abgelehnte Mittel nehmen, verhüten sie eine Schwangerschaft. Mit Abtreibung hat das nichts zu tun.

Nach der Weigerung zweier katholischer Kliniken in Köln, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer zu untersuchen, ist die sogenannte „Pille danach“ ins Zentrum der Diskussion um Kirchenrecht und Moral gerückt. So wird sie landläufig mit der Unterbrechung einer bereits bestehenden Schwangerschaft in Verbindung gebracht und somit fälschlicherweise mit der Abtreibungspille verwechselt.

Tatsächlich ist die Pille danach eine reine Verhütungspille, heißt es etwa auf den Aufklärungsseiten von „Pro Familia“: Sie verhindert oder verzögert lediglich den Eisprung. Somit kommt es erst gar nicht zu einer Befruchtung. Erfolgt die Einnahme in den ersten 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr, wird so zu 95 Prozent die Schwangerschaft verhindert. Nach 48 Stunden sind es noch 85 Prozent. Ab 72 Stunden ist die „Pille danach“ wirkungslos.

Mit der katholischen Morallehre vereinbar

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO hat das niedrig dosierte Gestagen-Präparat kaum Nebenwirkungen. Aufgrund der guten Verträglichkeit moderner Präparate hält die WHO eine gynäkologische Untersuchung vor der Einnahme für unnötig und empfiehlt, die „Pille danach“ rezeptfrei zugänglich zu machen. Tatsächlich ist sie – anders als in Deutschland – in den meisten europäischen Ländern ohne vorherigen Arztbesuch zu erwerben.

Nach Ansicht des Medizinethikers Stephan Sahm ist die „Pille danach“ als Verhütung nach einer Vergewaltigung auch mit der katholischen Morallehre vereinbar. Da es erst gar nicht zu einer Befruchtung komme, gebe es auch keine Tötungshandlung, so der Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Offenbach.

Birgitta Stauber-Klein

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Kommentare
25.01.2013
03:14
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
von feierabend | #5

Jede Krankenschwester und Altenpflegerin macht ein Staatsexamen - wer in einer kirchlichen Einrichtung arbeitet hat gleichzeitig einer Religion anzugehören. Schon mal eine zweifache Verantwortung - für alle Mitarbeiter, auch den Ärzten. Dazu kommt die Verantwortung gegenüber Patienten, sämtlichen Aufsichtsbehörden und den Kassen. Muss das sein? Eine dreijährige Ausbildung mit einer mündlichen, schriftlichen und praktischen schwierigen Prüfung bei den Ärzten ein langjähriges Studium mit Doktortitel sollte doch wirklich genügen! Hinzu kommt, dass der STaat also die REgierungsbezirke sich ständig in Ausbildung und praktischen Abläufen als Prüfungskommission einmischt.. Mehr Chaos geht wirklich nicht!

24.01.2013
21:35
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
von feierabend | #4

Erinnert ein wenig an den Fall Galileo - vielleicht lässt die Kirche demnächst einfach die Frauen entscheiden und sie tun was sie wollen. Das die Kirche sich immer noch dogmatisch einmischen darf in einen Schutzraum für Kranke und Menschen die Pflege und Schutz benötigen ist ungeheuerlich. Ein Schlag ins Gesicht für alle die an die Zukunft glauben. Ach ja das wichtigste: was ich eigentlich damit sagen möchte: die Erde war leer, es herrschte Tier und Natur, Menschen hatten Angst vor Seuchen, Epidemien, Angst vor Tieren und alles was kriecht und fleucht, es gab Ratten, Pest, cholera und Syphillis. Politik, Wissenschaft und Kirchen gaben sich den Auftrag, die Erde zu füllen mit ihresgleichen: gehet hin und vermehret euch. Am Besten gelang mit Einführung der sittlichen Moral, in dem nur körperliche Liebe und Sex zum Kinderkriegen erlaubt war. Die ERde ist übervölkert - ich sehe diesen Auftrag der Kirche als bereits erfüllt an.

24.01.2013
20:00
Das Damoklesschwert einer Religion schwebt über immer mehr medizinischen Stätten
von WhatDoesItAllMean | #3

Der Artikel geht auf naive Weise fehl, wenn er nach Übereinstimmung der „Pille danach“ mit der katholischen Morallehre sucht, sie findet und damit impliziert, dann sei ja alles in Ordnung, sowohl die Morallehre als auch die Medizin.

Erstens sieht das der oberste katholische Vertreter im Rheinland explizit anders. Und zweitens bleibt es nicht bei der Theorie, wie die Arbeitsverträge und diversen Direktiven zeigen und noch mehr die Reaktion der Ärzte ahnen läßt. Mitten im aufgeklärten 21. Jahrhundert verweigern sie die andernorts selbstverständliche und gebotene ärztliche Handlung, wenn auch nur der Verdacht des Schattens des Willens des Herrn aufkommt. Ihre Entmündigung zeigt sich nirgendwo deutlicher als in dem Umstand, daß nicht sie selbst oder die Klinikleitung, sondern Meisner zum Fall Erklärungen und Entschuldigungen abgibt.

Das Übel besteht prinzipiell in der Unterwerfung der Medizin unter religiöse Maximen im Sinne von Zwang gegenüber und Bevormundung von Patienten und Ärzten.

3 Antworten
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
von StanislasLefort | #3-1

Schon mal was von Relativismus gehört? Der sagt, dass Aussagen von Glaubenssystemen bedingt sind auf das eigene Glaubenssystem. Die Wissenschaft ist wie die Religion ein Glaubenssystem, somit kann man Aussagen der Religion nicht mit Aussagen der Wissenschaft widerlegen und umgekehrt.
Es gibt auch noch den "intoleranten Relativismus", der in unserer Gesellschaft verbreitet ist. Da werden bestimmte Glaubenssysteme, Kulturen, Sexualitäten toleriert, eben mit der Begrüdung der Bedingtheit eigener Wahrnehnung.
Gewisse Glaubenssysteme, die das nicht so teilen, werden diskriminiert, so auch Katholiken, die dem Zeitgeist nicht folgen.

Was es nicht alles gibt, aber: Ihr Wort in Meisners Ohr
von WhatDoesItAllMean | #3-2

Den Oberbegriff von Religion und Wissenschaft als „Glaubenssystem“ zu bezeichnen, ist aber gerade sehr unglücklich, denn um den Begriff „Glauben“ auf die Wissenschaft anzuwenden, muß man ihm schon eine ziemlich andere Bedeutung als die allgemein übliche beilegen und sich dieser abweichenden Bedeutung immer bewußt sein, was sehr anstrengend ist.

Er fördert auch das Mißverständnis, als wolle die Religion sich auf eine Stufe mit der Wissenschaft stellen. Letztere hat ja sehr wohl eine Anzahl wesentlicher religiöser Aussagen, z.T. gegen einen gewissen Widerstand, widerlegt.

Übrigens sind viele andere Oberbegriffe denkbar, beispielsweise „Übungssystem“ oder „Denksystem“, „Verhaltenssystem“ oder „anthropotechnisches System“. Vorsicht also mit Existenzaussagen wie „es gibt“ oder „XY ist“.

Dafür aber, daß die Religion nach Ihrer Analyse kein Urteil über die Wissenschaft zuläßt, hängt sich Meisner ziemlich stark in die Medizin hinein. Vielleicht sagen Sie es ihm mal, daß das gar nicht geht?

Zum Zeitgeist und zur Toleranz für "Null-Toleranz"
von WhatDoesItAllMean | #3-3

StanislasLefort, schaffen Sie sich das Zeitgeist-Argument vom Leibe, es taugt nichts. Mal wird in Architektur und Gesang, Veranstaltungsform und Sprache mit Stolz die Verbindung zum Zeitgeist gesucht, gerühmt und inszeniert (zuletzt, als Ratzinger erstmals twitterte), im nächsten Moment benutzt man den Zeitgeist wie Sie ohne jedes Bremsgeräusch als unbestimmtes, aber hinreichendes Argument zur Abgrenzung.

Daß Sie aber Intoleranz beklagen ausgerechnet gegenüber der katholischen „Null-Toleranz“, läßt aufhorchen. Ist Ihnen denn das „strikte Verbot der ‚Pille danach‘“, das Herbeiführen von „unerträglichen Entscheidungs(sic!?)situationen“ (Meisner), der Zwang zur Schwangerschaft nach Vergewaltigung tatsächlich so viel wert, daß Sie sich hergeben und dafür Toleranz fordern?

Sagen Sie es klar und deutlich und konkret. Stellen Sie sich vor die Patientin und sprechen Sie. Wohlfeile Phrasen wie "Katholiken, die dem Zeitgeist nicht folgen, werden diskriminiert" helfen da nicht weiter.

24.01.2013
13:53
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
von Dr.Seltsam | #2

Der Artikel ist sehr löblich.
Es wird aber an der Wortwahl nichts ändern.
Es geht schließlich um Politik und nicht um Fakten.
Und da bedient man sich Worten, die auch eine entsprechende Stimmung erzeugen sollen.
Das ist keine Erfindung der Kirchen, das geschieht überall, wo es um Interessen geht.
Die Urheberrechtsverletzung ist so auch zur Raubkopie geworden.
Daher ist es wichtig, solche Schlagworte grundsätzlich kritisch zu betrachten und zu hinterfragen.
Die Kirchen sprechen gerne auch von "Christenverfolgungen" und übersehen dabei (absichtlich?), dass in den genannten Ländern alle andersdenkenden/andersgläubigen verfolgt werden.
Aber man assoziiert natürlich etwas ganz anderes..

24.01.2013
12:57
Warum die „Pille danach“ nichts mit einer Abtreibung zu tun hat
von Auntie | #1

aber es ist halt nicht die Knaus Ogino Methode. Die Methode, die von den Kirchen toleriert wird.
Immerhin ist die Pille ja auch "Teufelswerk" und sollte weg gelassen werden. Der Verkehr zwischen Mann und Frau soll ja einzig der Fortpflanzung dienen.

Der Beweis ist das Kind. Denn durch das Kind zeigt, dass Gott das so will.

...Auch bei einer Vergewaltigung
Ich darf an den Fall aus Brasilien erinnern. Ein neunjährige wurde vergewaltig vom Stiefvater. Da die Schwangerschaft extrem gefährlich für das Kind (36 kg) war und Lebensgefahr für das Kind bestandt haben die Ärzte abgetrieben. Diese wurden exkommuziert genau wie die Mutter des Kindes, weil die - in unverschämter Sorge um das Kind - das erlaubt hatte. Der "Vater " kam in Haft. Hätte er "bereut" hätte ihm die RKK verziehen.

Ich glaube, ich muss nochmal die Definition für "Barmherzigkeit und Nächstenliebe" nachschlagen.

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