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Rente

Warten auf den Ruhestand

09.08.2010 | 19:09 Uhr
Warten auf den Ruhestand

Essen.Für Versicherungsmathematiker ist sie eine Rechengröße, für Politiker ein Schlagwort – die Rente mit 67. Die immer wiederkehrende Kernfrage lautet: Wie sollen die Menschen bis 67 arbeiten, wenn schon heute die wenigsten bis 65 durchhalten oder vorher aussortiert werden? Dazu ein paar Fakten, die in der emotionalen Debatte nicht immer durchdringen: Hier ein paar Fakten, die in der Debatte nicht immer durchdringen:

Schon die Kernfrage ist verkürzt, korrekt müsste sie lauten: Warum sollen die Menschen ab dem Jahr 2029 bis 67 arbeiten? Das Rentenalter wird nicht über Nacht, sondern in kleinen Schritten über einen langen Zeitraum angehoben: Ab 2012 steigt mit jedem Jahr das Rentenalter um einen Monat. Wer 1947 geboren wurde, muss bis 65 plus einen Monat arbeiten, der Jahrgang 1958 genau bis 66, also bis 2024. Danach geht es in Zwei-Monats-Schritten weiter, erst wer 1964 oder später geboren wurde, muss bis 67 arbeiten. An diesem Zeitplan müsste sich auch die Frage orientieren, ob genug Arbeit für Ältere vorhanden ist.

Günstige Prognosen

Langfristig sind die Prognosen eindeutig: Die Alterung der Gesellschaft wird in den kommenden Jahrzehnten dazu führen, dass weniger Berufstätige mehr Rentner mit ihren Beiträgen finanzieren müssen. Was die Rentenkasse belastet, entlastet gleichzeitig den Arbeitsmarkt. Die Fachkräfte werden in manchen Branchen schon heute knapp. Die Ökonomen sind sich einig, dass die Arbeitslosigkeit zwangsläufig sinken wird.

Rechnerisch ist die Frage, ob es von 2012 bis 2024 gelingt, dass die Menschen auch tatsächlich ein Jahr länger arbeiten. Dass dies möglich ist, hat sich im vergangenen Jahrzehnt gezeigt: Das tatsächliche Renteneintrittsalter ist zwischen 2000 und 2009 von 62,3 auf 63,2 Jahre gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Beschäftigungsquote der Älteren verbessert. Standen im Jahr 2000 nur 38 Prozent der Über-55-Jährigen noch im Beruf, waren es 2009 mit 56,2 Prozent ein gutes Drittel mehr.

Nur jeder vierte Arbeitnehmer schafft es bis 65

Allerdings wird es nach wie vor mit jedem Lebensjahr schwieriger, im Beruf zu bleiben oder als Arbeitsloser noch eine Stelle zu finden. So arbeiten zwar noch drei von vier 55-Jährigen, aber nur jeder zehnte schafft es bis 65. In diese Kerbe schlägt die Forderung, körperlich besonders belastende Berufe auszunehmen. Doch wer soll abgrenzen zwischen Dachdeckern und Stahlkochern? Das würde der Politik Schlachten mit sämtlichen Branchen einhandeln. Gezielter können die Tarifpartner dieses Thema behandeln, und das tun sie längst. So haben die Stahlindustrie und die Chemie bereits eigene Altersteilzeit-Modelle entwickelt.

Die Rentenversicherung schlägt grundsätzlich vor, dass Tarifpartner für sehr schwere Tätigkeiten höhere Rentenbeiträge der Arbeitgeber vereinbaren können, die Frühverrentungs-Abschläge auffangen.

Kürzungsprogramm

Gabriels Argument, wenn es keine Jobs für Ältere gebe, sei die Rente mit 67 ja nur ein Kürzungsprogramm, ist ein rein politisches. Mathematisch ist sie so oder so ein Kürzungsprogramm, um die Renten bezahlbar zu halten. Wer um 2030 in Rente geht, also der heutige Mittvierziger, erhält 7,2 Prozent weniger Rente allein dadurch, dass er zwei Jahre länger arbeitet. Allerdings lebt er auch durchschnittlich drei Jahre länger – so die Prognose.

Kurt Becks Vorschlag, Ältere sollten nur noch Teilzeit arbeiten und den Rest von der Rentenkasse erhalten, ist eine Umschreibung der Teilrente, die es längst gibt. Arbeitnehmer können ab 63 beruflich kürzer treten und bereits einen Teil ihrer Rente beziehen. Darauf werden jedoch Frührenten-Abschläge fällig. Als Lösung für die Masse taugt dieses Modell offenbar nicht: Derzeit gibt es rund 4000 Teilrentner in ganz Deutschland.

Stefan Schulte

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Kommentare
12.08.2010
08:54
Warten auf den Ruhestand
von emmabunker | #43

Nach über 100 Berwerbungen Bundesweit in den letzten 2 Jahren als Schwerbehinderter mit 55 Jahren sehe ich meine Zukunft in Hartz 4 gesichert.

11.08.2010
17:22
Warten auf den Ruhestand
von hajori | #42

#5 michael06:
Das ist nicht ganz richtig. Wenn Sie mit 65 Jahren 45 Versicherungsjahre voll haben, können Sie ohne Kürzung in Rente gehen. Die ist dann allerdings nicht so hoch, als wenn Sie noch 1Jahr und 2 Monate länger arbeiten, denn diese Beitragsjahre fehlen Ihnen dann. Aber direkt gekürzt wird nicht!

10.08.2010
14:51
Warten auf den Ruhestand
von RitterKokosnuss | #41

Und noch eines: Die Rente mit 67 kommt frühestens 2029. Das kleine Aufregerchen soll der SPD in die Schlagzeilen helfen, mehr nicht.
Also alle heute hart körperlich arbeitenden Menschen, Eure Klagen werden erhört werden. Wir bauen schon an den Robotern, die dem demographischen Wandel folgend, die schwere Arbeit dann ganz übernehmen können. Die Japaner arbeiten an einem Außenskelett für Alte, damit die sich voll kräftig bewegen können.
Und die Hausarbeit, liebe Muttis, geht auch ohne Euch. Es gibt heute schon Roboter, die den Teppich super sauber machen und den Boden wischen. Ja, Ja, Eure Klagen wurden bereits erhört.
Ich höre noch die Leute klagen, dass die Arbeit am Fließband so stupide und schwer sei. Die Klagen wurden erhört, jetzt schweisst der Roboter die Autos eben zusammen.
Und da bis 2029 alle im Büro arbeiten werden, um die Roboter zu überwachen, ist die schwere Arbeit kein Argument mehr. Bauwirtschaft: Es gibt in Japan schon Roboter, die Hochhäuser hochziehen, ganz ohne die schwer arbeitenden Dachdecker. Und die paar Fertighäuser, die wir auf Grund des demographischen Wandels noch brauchen, werden von Robotern in Fabriken gebaut und dann per Tieflader vollautomatisch in die Siedlung gebracht, nachts, wenn alle wegen der Ausgangssperre im Haus bleiben müssen.
Ok, es wird in der Dritten Welt ein paar Leute geben, die uns die Rohstoffe in unmenschlichen Bergwerken rausbringen, aber die sind weit weg. So wie jetzt auch schon. Und unsere Rentenporobleme sind gelöst, denn wir können bis 100 locker im Büro arbeiten und Geld verdienen und dann noch 50 Jahre erfüllt leben. Welch eine wunderbare Vision.

10.08.2010
12:20
Warten auf den Ruhestand
von Gustav Gans | #40

@Kritiker 12

Ich war an der veranrwortungslosen Plünderung der Rentenkassen für sachfremde Leistungen durch Polikiker jeder Couleur nicht beteiligt. Meine Frau und ich haben zwei Kinder erzogen und haben auch immer fleissig unser Beiträge in die Kasse der Sozialsysteme eingezahlt. Für die Verschwendungssucht oder die Sucht der verantwortlichen Politiker sich einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern sind wir nicht verantwortlich. Nein, wir tragen keine Mitschuld und ja , wir zeigen mit den Fingern auf die wirklich verantwortlichen.

10.08.2010
12:10
Warten auf den Ruhestand
von aufruhrdirr | #39

#29:
Helmut Schmidt hat in den 70ern bereits gesagt: Wenn Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen, was ja auch Sinn macht, müssen diese Maschinen Steuern abwerfen, damit die Menschen menschengerecht leben können. Genau das ist es, was die Politik bis heute nicht umgesetzt hat. Das Jammern von Herrn Hundt und Co. würde noch lauter, aber an der Tatsache ändert es nichts. Die Maschinensteuer muss her. Es geht um zusätzliche Milliarden.

10.08.2010
12:07
Warten auf den Ruhestand
von artie | #38

@28: Volle Zustimmung. Komischerweise besteht gerade bei solchen Diskussionen die arbeitende Bevölkerung nur noch aus Dachdeckern, Stahlarbeitern, etc.
Ansonsten gilt der Kommentar von 29: Wer die Rente ab 67 nicht will, soll Vorschläge zur Finanzierung machen.

10.08.2010
12:04
Warten auf den Ruhestand
von aufruhrdirr | #37

Griechenland mit 58 Jahren in Rente. Frankreich mit 60 Jahren in Rente. Und die blöden Deutschen bezahlen das mit 67 Jahren in Rente. Wo ist da die Solidarität? Es liegt an der deutschen Politik, die eher den Anderen schenkt als für die deutschen Bürger und deren Mehrheitswillen zu stehen. Das ist das Grundübel. Alles, was über 65 Jahre hinaus geht, ist größter Quatsch. Es sind nur massive Rentenkürzungen. Hätte man die deutschen Rentenkassen nach der Wende nicht bestohlen, hätten wir heute keine Finanzierungsprobleme. Man hätte die Industrie und den Handel in die Pflicht nehmen müssen und sie nicht noch obendrein mit Sonderabschreibungen zu belohnen. Jetzt wollen Industrie und Reiche am liebsten noch ihre Sozialbeiträge ganz abschaffen. Lobbyisten sitzen in allen Gremien. Doch die Bürger haben sie nicht gewählt. Ich hätte nie gedacht, dass sich Deutschland so abwirtschaften würde, indem die große Masse des Volkes brüskiert wird. Angefangen mit einseitigen Soziallasten bis hin zum steuerverschwendenden Ausbeutungskrieg in Afghanistan. Somit wird die Nichtwählerpartei immer größer, oder man wählt die Extremen. Leider.

10.08.2010
11:46
Warten auf den Ruhestand
von aufruhrdirr | #36

Und für die junge Generation gilt: Jede heutige Rentenkürzung ist bereits eine Vorabkürzung der eigenen späteren Rente. Warum gehen die Jungen nicht auf die Straße? Warum wählen sie noch die verlogenen Altparteien? Rentenprivatisierung wird den Bach hinunter gehen, weil private Absicherungen insolvent werden können. Es ist nicht sicher. Siehe Amerika. Milliarden privater Vorsorgen sind bereits kaputt gegangen.

10.08.2010
11:38
Warten auf den Ruhestand
von wer weiß was | #35

Wenn ich 61 bin, habe ich 45 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt. Ich hoffe, dass ich das 67. Lebensjahr noch weit überschreite/überlebe, damit ich überhaupt Rente bekomme. Oder ist das der Plan? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Werden denn die Arbeitsplätze, sofern man noch einen hat, auch altengerecht eingerichtet (z. B. Rollator)?

10.08.2010
10:43
Warten auf den Ruhestand
von Pit01 | #34

#12 Kritiker

Vergessen Sie nicht, dass die Politiker aller Regierungen und besonders unter ******-Kohl, sich an den Rentenkassen vergriffen haben. Seit der deutschen Einheit alimentieren unsere Rentenkasse auch die Rentner und Beamten der ehemaligen DDR.
Hier haben die Rentner bis zu 50 Jahren in die Kassen eingezahlt um letztlich eine schmale Rente zu bekommen. Es geht bei der ganzen Diskussion auch und besonders um Gerechtigkeit.

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