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Wahlkampf bequem für Roland Koch

12.01.2009 | 07:45 Uhr
Wahlkampf bequem für Roland Koch

Wiesbaden. Wegen der Wirtschaftskrise und der Fehler der SPD startet der hessische Ministerpräsident als Favorit in die letzte Woche vor der Wahl. Die Wechselstimmung, die noch vor einem Jahr der SPD mit Andrea Ypsilanti an der Spitze in die Hände spielte, ist den Wählern vergangen.

„Wirklich wieder Koch?”, fragt die SPD auf Wahlplakaten. „Ohne Koch geht’s besser!”, assistieren die Grünen auf den ihren. Und da die eigene CDU ihn ebenfalls plakatiert - natürlich schmeichelhafter - ist Roland Koch in diesem Winterwahlkampf auf Hessens Straßen allgegenwärtig.

Nimmt man die Linken hinzu, arbeiten sich jedenfalls gleich drei Parteien mit großer Vehemenz am amtierenden Regierungschef ab, was sicher ungewöhnlich ist. Aber Koch ist eben nicht irgendein CDU-Politiker, kein Rüttgers, Wulff oder Oettinger. Der Hesse hat sich die Stilisierung zum Dämon und das Bild vom harten Hund selbst erarbeitet und ist meist sogar stolz darauf.

Ein weichgespülter Landesvater werde er nie sein, bedeutet er Journalisten, die ihn auf eine „Läuterung” hin abklopfen. Vielmehr wolle er auch weiter die Unterschiede in der Politik klar benennen, statt sie zu verkleistern. Die Kampagne der Hessen-SPD reizt ihn zum Spott: „Ich bin derjenige, der die SPD zusammenhält.”

„Ich bin derjenige, der die SPD zusammenhält”

Tatsächlich können sich die seit dem Ypsilanti-Debakel zerstrittenen Sozialdemokraten auf eine Forderung allemal einigen: „Koch muss weg”. Zum Missfallen der SPD scheinen die Hessen das anders zu sehen. 48 Prozent würden laut Umfragen derzeit Koch direkt zum Regierungschef wählen, nur 36 Prozent seinen SPD-Gegenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Gefragt nach Parteien, ist die Lage noch klarer: CDU und die Koch-treue FDP haben eine solide Mehrheit von 55 Prozent. Koch weiß also, dass er Recht daran tat, sich für diesen Wahlkampf ein gutes Stück neu zu erfinden. Denn so martialisch sich der Regierungschef im kleinen Kreis gibt, so gelassen wirkt er angesichts der Umfragen bei seinen Touren.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise gibt Koch die Gelegenheit, sich als Staatsmann und Kümmerer darzustellen, der die Sorgen der Menschen ernst nimmt. „Der Staat wird nicht tatenlos zusehen, wie zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr geraten”, verspricht er in einer Tapetenfabrik bei Marburg.

Gesunde mittelständische Unternehmen, die wegen der Kreditklemme in Gefahr gerieten, könnten auf staatliche Bürgschaften hoffen, Handwerker auf Sanierungsaufträge, die die Gemeinden jetzt eben vorziehen müssten. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer ist groß, es ist spürbar, dass der Redner einen Nerv trifft, dass die Orientierung, die er anbietet, gefragt ist. Koch kommt dabei seine rhetorische Gabe zupass, wirtschaftliche Zusammenhänge mit einfachen Worten zu erklären, ohne sie unzulässig zu simplifizieren.

Lust am Experiment ist vergangen

Vor einem Jahr, zu Zeiten der Hochkonjunktur, mag das Interesse an politischen Experimenten Marke Andrea Ypsilanti groß gewesen sein, jetzt ist die Wechselstimmung weg. Zur Tragik der SPD gehört, dass sie selbst reichlich Munition lieferte. Gnadenlos schlachtet Koch den Wortbruch aus, die Bereitschaft, mit den Linken zu gehen, obwohl dies vor der Wahl ausgeschlossen wurchen Entwicklungschancen des Landes wertet.

Diese Argumentation ist zwar platt, doch die harten Themen dieser Tage lassen die Aufregung um ein paar Nachtflüge plötzlich als nebensächlich erscheinen. Jedenfalls kann sich die SPD nicht glaubwürdig vondemwenige Monate alten Papier distanzieren, und selbstverständlich bleibt ihr auch nichts anderes übrig, als Rot-Rot-Grün nach dieser Wahl eben nicht mehr auszuschließen. Einem wie Koch fällt es nun leicht, SPD und Grüne rhetorisch in ein linkes Lager einzumauern und eine schwarz-gelbe Koalition als die einzige Alternative zu preisen. Die FDP hilft und sendet so gut wie keine Ampel- Signale aus.

Die Folge: Selten war ein Wahlkampf für die CDU taktisch so bequem. Der Unterschied zur Wahlkampagne 2008, als Koch das Thema Jugend- und Ausländerkriminalität entglitt, könnte größer nicht sein. Den Fehler räumt er heute ein. Allerdings hätte sich damals eben kein Mensch für Wirtschaftsthemen interessiert, die er als eigentliche Domäne betrachtet.

Kompetenter Auftritt auf dem Bauernhof

Wirtschaft ist für Koch nicht nur das Bankenviertel in Frankfurt, sondern durchaus auch der Kuhstall von Bauer Knaus, den sein Wahlkampfbus irgendwo in „hessisch Sibirien” ansteuert. Koch, das ist bekannt, versteht einiges von Landwirtschaft. Nach einem ausgiebigen Rundgang erklärt er den vor Kälte bibbernden Funktionären und Journalisten in druckreifen Worten, was es mit der Milchquote auf sich hat und warum dieses und jenes Detail geändert gehört. So bleibt das Bild eines Mannes, dessen Intelligenz und Kompetenz selbst politische Gegner respektieren, dem sein selbst gewähltes Image-Problem aber wohl ewig im Weg stehen wird. (NRZ)

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Frank Stenglein

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Kommentare
17.01.2009
14:02
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von der klaus | #25

Mein Gott welche Partei ist wählbar ?.
Mir wird schlecht wenn ich an diese Wahl denke , wen wählen , einen Herrn Koch den 70 % der Hessen nicht wollen , einen Herrn Schäfer-Gümbel der sein Kabinett nicht kennt oder doch!!!!!.
( wie blöde hält er eigentlich die wähler)!.
Die Partei ,die vor dem Börsen Crash , gejammert hat das es noch viel zuviel Staat gibt !.( und auf einmal bei disem Thema nicht mehr zu hören ist.).
FDP ? nein !.
Die Generationen Partei Grün ?.( die in Zeiten des regierens nie einen ausgeglichenen Haushalt hatte).
Die Linke ? (welch ein Hühnerhaufen).Ohne Kommentar!. FAZIT ARMES HESSEN!!:

12.01.2009
15:30
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von Isaak Rosenzweig | #24

Die Christen glauben doch, daß Gott der Herr, den seinen im Schlaf gibt wessen sie bedürfen. Vielleicht waren SED und Ypsilanti ja Werkzeuge des Herrn zur Unterstützung seiner C-Partei uns seines Koch ?

12.01.2009
12:15
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von kuba4711 | #23

@ 22 Eure Geschichtsdarstellung ist sehr selektiv.
Es gab zwei riesige Versagensfälle in der sozialdemokratischen Geschichte.
Zum einen die Zustimmung zu den Kriegskrediten ,die den 1.Wltkrieg ökonomisch erst ermöglichten und zum anderen der Schröder´sche Verrat ,d.h. sein
Verbeugen hin zum Neoliberalismus.Hartz4 ,Agenda 2010.

11.01.2009
20:52
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von Ralf und Reiner Bender | #22

Die durch das nationalsozialistische Deutschland zwischen 1933 und 1945 in Europa begangenen Verbrechen bleiben für immer die ungeheuerlichsten und schlimmsten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte.
Während die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) einzig und allein den Massenmord verhindern wollte und den Kampf gegen das nazistische Deutschland zu ihrer Aufgabe machte, müssen wir hier noch einmal unmissverständlich feststellen, dass die sog. bürgerlichen Parteien sich freiwillig der NSDAP anschlossen und damit zum elementaren Bestandteil der auf Vernichtung der Menschheit ausgerichteten nationalsozialischen
Mordpolitik wurden. CDU/CSU und FDP sind Nachfolgeparteien der NSDAP und blenden bis heute diese ihre fürchterlichste Vergangenheit aus, doch werden wir nicht ruhen, der Öffentlichkeit diese Wahrheit mitzuteilen. Dies sind wir gerade auch den Opfern des Nazismus schuldig.
Eine konsequent gegen Nazis gerichtete Politik ist nur mit einer starken SPD zu erreichen. Es gilt daher bei jeder stattfindenden Wahl (auch bei der Landtagswahl in Hessen am 18. Januar) die SPD mit der Stimmabgabe zu unterstützen.

11.01.2009
17:53
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von Manoman | #21

@Nr. 19: Bayern und Baden-Württemberg sind übrigens die einzigen beiden Bundesländer mit einer steigenden Bevölkerugszahl. Das wird wohl nicht nur an der schönen Landschaft, sondern auch etwas mit der Lebensqualität zu tun haben.

11.01.2009
17:13
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von immerNett | #20

Jau, wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt es an der Badehose.

11.01.2009
17:01
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von kuba4711 | #19

Die Hexenjagd gegen Frau Ypsilanti in den durch den Neoliberalismus gesteuerten Massenmedien scheint im Fall Hessen erfolgreich gewesen zu sein. Noch setze ich auf eine gewisse Grundintelligenz bei den hessischen Wählern.Denn Hessen ist eigentlich kein CDU-geprägtes Land ,wie Bayern oder Baden-Württemberg.
Die Hessen wissen hoffentlich ,dass die faktische,politische Vernichtung von Ypsilanti -neben eigener strategischer Fehlleistung- vor allem der Tatsache geschuldet ist ,dass die Strommafia mit allen Mitteln einen Neuansatz von alternativer Energiepolitik in Hessen mit allen Mitteln verhindern wollte.

11.01.2009
12:32
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von Özlem | #18

Endlich geht der Merkel-Aufschwung in Hessen weiter.

11.01.2009
11:16
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von proisrael | #17

Dieser Schäfer-Gümbel ist doch nur ein Bauernopfer der SPD. Der SPD ist halt bewusst dass sie bei der Wahl nix erreichen werden. Deshalb haben sie ein Unbekannten nominiert. Bei der nächsten Wahl 2013 sehen wir den tatsächlich vorgesehenen Kanditaten. Aber bei dieser Wahl will sich von den großen keiner blamieren

11.01.2009
10:58
Wahlkampf bequem für Roland Koch
von JokederOstfriese | #16

Wenn man sich die Finanzkrise betrachtet, stellt sich doch die Frage, wer hier nicht mit Geld umgehen kann

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