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Bildung

Von Haselhuhnexperten und Theaterspielen im Wald

03.01.2016 | 15:48 Uhr
Von Haselhuhnexperten und Theaterspielen im Wald
Für Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ist Wildsnispädagogik auch ein Beitrag der ganzheitlichen Bildung.Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   FDP kritisiert das neue Bildungsprogramm von NRW-Umweltminister Remmel (Grüne) als Steuergeldverschwendung.

Im neuen Bildungsprogramm 2016 des NRW-Umweltministeriums ist für jeden etwas dabei: Da treffen sich Haselhuhnexperten zum Workshop, es gibt das Heuschrecken-Jahrestreffen und den Bienenschmaus. Ein Höhepunkt der 200 Veranstaltungen wird der Sensenkurs: „Neben dem fachkundigen Führen der Sense vermittelt der Kurs das notwendige Know-How im Dengeln, Wetzen und Schärfen.“

Auf 120 Programm-Seiten zielt Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) auf eine „lebensbegleitende und ganzheitliche Bildung“. Der FDP-Abgeordnete Ralf Witzel will kein Miesmacher sein, wenn es um mehr Bildung im Lande geht. Der Liberale fragt sich aber, welche Zukunftsvision die Regierung eigentlich für den Industriestandort hat, wenn die Bürger „vom Staat in Wildnis und Survival, mystischer Selbsterfahrung, dem fledermausfreundlichen Hausumbau oder dem Ersatz des Rasenmähers durch eine Sense geschult werden sollen“.

Fährten lesen und Vogelsprachen erkennen

Die Liste ist lang: In einem Praxisworkshop können Teilnehmer für den Betrag von 30 Euro das Knüpfen einfacher Knoten lernen, um tragfähige „Niedrigseilelemente im Gelände“ für Brücken und Schaukeln zu bauen. In der Weiterbildung Wildnispädagogik erlernen Naturliebhaber in 230 Unterrichtsstunden für 1390 Euro Seminarkosten „Fertigkeiten und Fähigkeiten, in der Wildnis zu überleben“. Das reicht vom Fährtenlesen über Vogelsprachen bis zur Verarbeitung von Rohmaterialien. Das Ziel: die Rückbesinnung auf die „tief verwurzelte Vertrautheit mit der Schöpfung“.

Teilnehmer können in Seminaren – trotz Verpflegung und Kaffeepausen schon mal kostenfrei – nachts im Wald Theater spielen, Geräusche „beim Kurbeln eines Reifens“ messen und sich auf die Spur von wilden Früchten in Hecken machen. „Sie beherbergte gute Geister und Elfen und hielt so Unheil, böse Geister und Gefahren fern“, lernt der wissenshungrige Seminarist mitten im 21.Jahrhundert.

FDP fordert: Kosten offenlegen

Der nüchterne FDP-Mann Witzel hält das grünliche Bildungsprogramm des Landes „in weiten Teilen für Steuergeldverschwendung“ und fordert vom Finanzminister einen umgehenden Stopp dieser Ausgaben. Angesichts der miserablen Haushaltslage sollte die Subventionierung „dieser überflüssigen Wohlfühlprojekte schnellstens entfallen“, verlangt Witzel. „In Zeiten der Flüchtlingskrise und ernstzunehmender Terrorgefahren gibt es sicherlich wichtigere öffentliche Aufgaben zu erfüllen.“

Witzel beharrt darauf, dass die Landesregierung Kosten und Auflage der Broschüre sowie Zuschüsse zu Fortbildungsangeboten offenlegt. Auch soll Remmel in der Antwort auf eine kleine Anfrage erläutern, warum das nächtliche Theaterspielen im Wald „auch in Zeiten der dramatischen Haushaltsverschuldung sinnvoll erscheint“.

Wilfried Goebels

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