Von der Leyen will im Alleingang zur Frauenquote
30.01.2011 | 19:52 Uhr 2011-01-30T19:52:00+0100
Berlin. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat mit ihrem Vorstoß, eine Frauenquote von 30 Prozent in Führungsetagen von Unternehmen und Aufsichtsräten gesetzlich festzulegen, ihre Kabinettskollegen düpiert.
Ursula von der Leyen wird wirklich ungeduldig. Seit zehn Jahren gebe es nun eine freiwillige Vereinbarung mit der Privatwirtschaft, den Anteil von Frauen in Führungspositionen nennenswert zu steigern, sagt die Bundesarbeitsministerin. Und zieht am Wochenende ein ernüchterndes Fazit. „Diese Vereinbarung ist krachend gescheitert, für die Frauen hat sich kaum etwas bewegt.“
Daraus leitet die CDU-Frau eine Konsequenz ab, die in den nächsten Wochen und Monaten in der Regierungskoalition und darüber hinaus noch für heftigen Zwist sorgen wird. Binnen fünf Jahren sollen 30 Prozent weibliche Führungskräfte in Vorständen und Aufsichtsräten vor allem börsennotierter Unternehmen sitzen, ließ von der Leyen den „Spiegel“ wissen. Eine gesetzliche Initiative dazu komme noch in diesem Jahr. Oha.
Mit ihrer Offensive, seit Tagen vorbereitet, tritt die forsche Niedersächsin reihenweise wichtigen Mitspielern und Mitspielerinnen vor das Schienbein. Neben Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die juristisch formal dazu zu hören wäre, sind das vor allem Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), ein leidenschaftlicher Frauen-Quoten-Gegner, der Wirtschaftsflügel von CDU und CSU sowie weite Teile der Wirtschaft.
Wirtschaft gegen staatliche Einmischung
Stellvertretend lehnte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, am Wochenende staatliche Eingriffe in die Beschäftigungspolitik ab. Unternehmen müssten wie bisher auch ihre Positionen mit der jeweils am besten geeigneten Person besetzen können; unabhängig von deren Geschlecht.
Düpiert ist aber auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die das Thema seit geraumer Zeit fährt, und von einer „staatlichen Einheitsquote“ gar nichts hält. Ihr Alternativ-Vorschlag geht so: Den Unternehmen soll keine Frauenquote vom Staat vorgegeben werden. Jedes große Unternehmen würde aber gesetzlich verpflichtet, sich selbst eine Zielmarke für den Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat zu setzen, die binnen zwei Jahren erreicht werden muss. Sozusagen eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung. Die Opposition lacht. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig wie auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast halten Schröder 1.) selbst für eine Quotenfrau und 2.) ihren Ansatz für „naiv“.
Wer bietet mehr?
Ursula von der Leyen denkt insgeheim offenbar ähnlich. Ihr Modell sieht sogar vor, dass eine gesetzliche Quote an Sanktionen gekoppelt sein müsste, „sonst ist es weiße Salbe“. In der Praxis kann sie sich vorstellen, dass Mitglieder von Aufsichtsräten, die die Quote nicht erfüllten, kein Sitzungsgeld erhalten…
Auslöser für die kompromisslos anmutende Gangart von der Leyens dürfte auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gewesen sein. Sie belegt, dass die Chefetagen der deutschen Top-Unternehmen weiter fest in Männerhand sind, während sich andernorts in Europa bereits einiges getan hat (siehe Infobox). Ausnahme: Als erstes Dax-Unternehmen hatte die Deutsche Telekom im vergangenen März eine Frauenquote eingeführt. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein.
Weibliche Vorstände sind selten
Dem DIW zufolge hat sich der Anteil der Männer in den Vorständen 2010 im Vergleich zu 2006 „nur in homöopathischen Dosen“ verringert – um zwei Prozentpunkte auf 96,8 Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen legte gegenüber 2009 nur um 0,7 Prozentpunkte zu. Noch seltener sind weibliche Vorstandschefs: In den 100 größten Unternehmen gibt es laut DIW gar keine, innerhalb der „Top 200“ stellen Isabell Remus, Vorstandsvorsitzende bei Sandoz International, und Petra Hesser, Chefin bei Ikea Deutschland, die Ausnahmen. Unterm Strich, so das DIW, bleibt ein eindrucksvolles Missverhältnis: 877 von 906 Vorstandsposten in den großen 200 Unternehmen dieses Landes sind von Männern besetzt.
Im politischen Überbietungswettbewerb wollen sich die Sozialdemokraten von der CDU-Ministerin jedoch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprachen sich gestern für eine verbindliche Frauen-Quote von 40 Prozent aus. Von der Leyen wollte sich bei 30 einpendeln. Wer bietet mehr?

17:48
Geschlechterquoten sind natürlich Quatsch und das wissen auch alle. Es soll nur abgelenkt werden von den wichtigen Themen!
Wie wäre es denn mit einer Quote für Armut in Deutschland? Sie darf nicht über NULL Prozent steigen.
Ach nein, dass geht ja nicht, dann müssten die reichen Müßiggänger mal etwas abgeben und die schöne soziale Marktwirtschaft wäre dahin....
12:25
Die beiden Kampfhennen sollten erst einmal ihre eigenen Hähne um sich scharren bevor sie losrennen !
08:48
#10 Herby
Einfach mal die einschlägigen Fachzeitschriften lesen, da steht alles drin.
#16 xxyz
Wahrscheinlich unbeabsichtigt haben Sie einen der wichtigsten Gründe genannt, warum Frauen der Aufstieg nach ganz oben unmöglich gemacht wird. Es geht weniger um Kompetenz, denn die ist vorhanden, teilweise besser als bei Männern, als um Zeit, und zwar nicht produktive Zeit, sondern Anwesenheitszeit. Männer können es sich leisten, ihre Arbeit nicht zeiteffektiv zu organisieren, da sie zu Hause eine Frau haben, die ihnen den Rücken freihält. Frauen sind gezwungen, sich und ihre Zeit zu organisieren, weil eben kein Mann zum Rückenfreihalten vorhanden ist. Die Wichtigkeit eines Mannes wird häufig damit demonstriert, dass er ach so lange arbeiten muss. Ich kenne Männer, die abends an ihrem Schreibtisch Zeitschriften lesen, um hinterher sagen zu können, dass der Arbeitstag wieder sooooo lang und anstrengend war. Mann geht nicht pünktlich nach Hause!
Just vor 3 Tagen habe ich mit einigen äusserst erfolgreichen Mittelständlern dieses Thema diskutiert, die begeistert sind von den Erfolgen der Frauen, die in deren Unternehmen Führungspositionen innehaben. Erhöhte Produktivität und bessere Sozialkompetenz wurden dort besonders hervorgehoben.
# kikimurks
Verallgemeinern hilft nur wenig in dieser diskussion. Weder sind Frauen generell besser, noch Männer. Fakt ist, dass es überproportional viele Frauen mit hoher Kompetenz gibt, denen dennoch der Weg nach oben versperrt bleibt, weil sie Frauen sind. Es ist allgemein bekannt, dass Frauen bessere akademische Abschlüsse vorweisen können als Männer, doch das zählt nicht. Ausserdem nehme ich an, dass jeder berichten kann, schlechte Chefs gehabt zu haben, warum nicht auch schlechte Chefinnen?
Wenn in der Politik keine kompetenten Frauen zu findenn sind, hat auch das damit zu tun, dass die Männer sich geschlossen aufstellen, wenn eine Frau kommt, die ihnen irgendetwas streitig machen könnte. Deshalb kommen nur die durch, die auch schön lieb sind und unverdächtig erscheinen. Das Resultat sehen wir. Dass sich das ostdeutsche Kanzlermädchen zu einer machtbesessenen Null entwickelte, hätte warscheinlich noch nicht einmal der Bimbeskanzler sich vorstellen können.
08:19
@@taosnm
Meine Erfahrungen mit Frauen in Führungspositionen sind, dass sie sich meist nicht vernetzen, sich nicht in die Strukturen einfügen. Außerdem sehe ich immer wieder, dass auf 10 Männer mit Karierewillen max. 1 Frau kommt. Wen wundert es also, dass sich so wenig Frauen in Spitzenpositionen wieder finden. Im übrigen habe ich inzwischen zwei Cheffinen erlitten und kann nur sagen, dass von der vielbeschworenen sozialen Kompetenz keine Spur war. Sie waren weder souverän, noch fachlich besondert kompetent, noch durchsetzungsstark. Ich kann auf solche Cheffinen gut verzichten. Wären sie Männer gewesen, wären sie niemals so weit gekommen.
07:49
Dass in diesem Lande definitiv zu wenige Frauen in Führungspositionen sitzen, da gebe ich Frau VDL durchaus recht. Bevor man jedoch die Quotendiskussion führt, gibt es jedoch noch eine Menge zu tun: Immer noch ist es so, dass es oftmals wenig Akzeptanz dafür gibt, dass Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Dass Kindererziehung z .B. auch ein harter Job ist, das wird nicht anerkannt, zusätzlich noch erwerbstätig zu sein ist auch nicht einfach, insbesondere für Alleinerziehende, die sowieso meist dafür eher bestraft werden, irgendwann einmal ein Kind bekommen zu haben. Generell wird allzu oft in Politik und Wirtschaft von Familienstrukturen ausgegegangen, die es so immer seltener gibt und da mischt auch die konservative Partei der Frau VDL kräftig mit.
Beides muss möglich sein, Job und Kinder, und nicht nur für wohlhabende Leute wie Frau VDL. Abgesehen davon brauchen wir in Führungspositionen alles, nur keine karrieregeilen Ellbogenbenutzer, die sich einzig und allein auf ihr berufliches Weiterkommen konzentrieren und bei denen soziale Kompetenz sowieso zu kurz kommt. Davon gibt es schon zu viele, ob Männlein oder Weiblein, eine Frauenquote nutzt da auch nichts, vielleicht ist es auch eine weibliche Stärke, sich aus dem Hauen und Stechen in den Führungsetagen rauszuhalten?
07:46
Artikel 3 Grundgesetz
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Niemand darf wegen seines Geschlechts bevorzugt werden. Eine Frauenquote würde das aber machen.
Die Chefetage ergibt sich meist aus jenen, die mit Uniabschluss in eine Firma kommen. Jetzt eine feste Quote festzusetzen wäre absurd.
Man stelle sich eine Ingenieursfirma vor, wo die Frauenquote höchstens in der Wirtschaftsabteilung höher sein dürfte. Da jetzt auf 50% Frauen im Vorstand zu bestehen ist mehr als Benachteiligung.
Auch das es als Gleichberechtigungsbeauftragte nur Frauen gibt benachteiligt die Männer.
http://www.ag-maenner.de/index.php?option=com_content&view=article&id=79&Itemid=83
07:26
Wie soll das eigentlich praktisch funktionieren? Werden jetzt reihenweise Aufsichtsratsmitglieder nach Zahlung einer dicken Prämie gefeuert, um die notwendigen Plätze frei zu machen? Oder werden die Aufsichtsräte einfach erweitert? Beides dürfte nicht billig werden...
07:26
Es muss Leistung zählen und nicht das geschachere um irgend welche Posten.
Aber die Politiker machen es schließlich vor und verschachern schließlich auch die Posten.
Man sieht es doch jetzt an Schröders Ehefrau.
Die super schlauen Politiker sollen sich mal um wichtige Probleme im Land kümmern und nicht ob es eine Frauenquote geben soll oder nicht.
Wahrscheinlich haben sie Langeweile und vor den wirklichen Problemen kneifen sie und sind nicht in der Lage diese zu lösen. Also befasst man sich mit Pippifax.
01:46
Wie wäre es mal mit der Einführung der Leistungsquote? Also nur derjenige der Leistung zeigt und qualifiziert ist bekommt den Posten? Ups, dann gehen aber in Berlin recht schnell die Lichter aus... Denn leider ist es im Moment in vielen Bereichen so: Der Klügere gibt nach, dann regieren eben die Dummen.
00:28
Sorgen haben die in Berlin...