Völlig veraltet

Was wir bereits wissen
Ein Kommentar von Nina Grunsky

Wenigstens kein Verbot von Hüft-Operationen für Menschen über 80 Jahre. Damit hatte sich der frühere Vorsitzende der Jungen Union zu profilieren versucht. Mit der Sondersteuer für Kinderlose will sich nun der Iserlohner Paul Ziemiak einen Namen machen. Also mit einer Idee, die keineswegs neugeboren ist. Der Vorschlag ist Jahre alt – und eigentlich auch längst umgesetzt. Einen kleinen Zuschlag zahlen Kinderlose bereits für die Pflegeversicherung. Auf der anderen Seite werden Eltern entlastet – nicht nur durch die Zufriedenheit und die Freude, die sie mit ihren Kinder gewinnen. Sondern auch durch die beitragsfreie Mitversicherung bei den Krankenkassen, durch höhere Kinderfreibeträge bei der Steuer, Kindergeld und ein Ehegattensplitting, falls sie verheiratet sind.

Sehnlicher geworden ist der Kinderwunsch durch all die Leistungen seit Jahrzehnten nicht. Sehnlicher wird er auch nicht, wenn Väter und Mütter, wie von Ziemiak vorgeschlagen, 1000 Euro für eine Erstausstattung bekommen – um in den darauffolgenden 18 Jahren 125 000 Euro zuzuzahlen. Das „Starterpaket“ würde ebenso wirkungslos versickern wie manche andere Familienförderung. Damit Paare sich für Kinder entscheiden, braucht es sichere Arbeitsplätze, stabile Familienverhältnisse, gute Betreuung und eine kinderfreundliche Gesellschaft. Aber keine verknöcherten Vorschläge.