Viele suchen Gott
17.12.2007 | 21:45 Uhr 2007-12-17T21:45:06+0100Bertelsmann-Studie: 70 Prozent der Deutschen sind religiös.Jüngere sind weniger kirchenkonform als Ältere
DIE DEUTSCHEN UND DIE RELIGIONEssen. Religiöse Massenveranstaltungen wie der Weltjugendtag in Köln 2005, die extrem starke Anteilnahme der Menschen am Tod von Papst Johannes Paul II. oder auch Ereignisse wie die Wahl eines Deutschen zum Papst haben ein Schlagwort geprägt: Diese Massenphänome wurden als Indizien für eine "Wiederkehr der Religionen" oder "Wiederkehr des Heiligen" gewertet. Aber auch Wissenschaftler sprachen zuweilen davon, die säkulare Welt entdecke die Religion wieder.
Die Studie der Bertelsmann-Stiftung "Religionsmonitor" kommt jedoch zu einer für die Kirchen ernüchternden Antwort: "Bestätigt werden kann aber auch nicht die viel beschworene Renaissance der Religion unter den Jüngeren, die gelegentlich hoffnungsvoll beschworen wird." Doch die Studie birgt noch eine weitere Überraschung: Gleichzeitig zeigt sie nämlich auch, dass insgesamt 70 Prozent der Deutschen von sich selbst sagen, sie seien religiös.
"Ein beachtlicher Prozentsatz", sagt Martin Rieger, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung. Ist das nicht doch ein Indiz für die Wiederkehr der Religionen? "Wir haben die jetzige Situation erfasst. Ob vorher mehr Menschen religiös waren, können wir hingegen gar nicht sagen, wir haben es nicht untersucht. Wir können aber sagen, dass die Religion eine relativ stabile Bedeutung hat", erklärt Rieger.
Ein paar Zahlen aus der Studie, für die 21 000 Personen in 21 Ländern aller Kontinente befragt wurden: Rund 70 Prozent der Deutschen gehören einer Kirche an: Jeweils 30 Prozent sind entweder katholisch oder evangelisch. Etwa drei Prozent gehören kleineren christlichen Gemeinschaften an, vier Prozent sind muslimisch. Rund 29 Prozent der Deutschen gehören gar keiner Religion an. 52 Prozent sind "durchschnittlich" religiös, 18 Prozent "hochreligiös".
Um heraus zu finden, was "tiefreligiös" bedeutet, haben die Autoren der Studie fünf "Kern-Dimensionen " erfragt: "Das Interesse am Glauben, das Interesse an Gott; öffentliche Religions-Praxis, also Fragen nach dem Gottesdienst-Besuch, die private Praxis (das persönliche Gebet) und schließlich, wann der Eindruck bestand, dass Gott ins Leben eingreift." Wer bei den Antworten die erreichbaren fünf Punkte erhielt, der gelte als tiefreligiös, so Rieger.
Überraschend sind auch einige Ergebnisse zur Bedeutung der Religion für die Generation der 18- bis 29-Jährigen. Ihr Interesse an religiösen Fragen sei "im Vergleich zu ihren Eltern erkennbar schwächer ausgeprägt", heißt es in der Studie. Dennoch finde sich in dieser Gruppe "das größte Maß an Zustimmung bei der Frage, ob sie an Gott, ein Leben nach dem Tod, die Unsterblichkeit der Seele oder eine Wiedergeburt glauben. Die hohen Zustimmungswerte werden in keiner anderen Altersgruppe festgestellt." 14 Prozent dieser Jüngeren finden den Gottesdienst-Besuch wichtig, "sie sind damit sogar häufiger vertreten als ihre Eltern", so die Studie. Die jungen Leute seien jedoch weniger "kirchenkonform" als ihre Eltern. Immer mehr Jüngere neigten dazu, sich aus mehreren Glaubensangeboten eine "Patch-Work-Religion" zusammenzustellen. Und: der Glaube hat bei allen nur geringen Einfluss auf die Sexualität.
Deutlich zeigt die Befragung eine West-Ost-Trennung. "Während in den alten Bundesländern 78 Prozent der Befragten religiös sind, sind es in den neuen Bundesländern gerade einmal 36 Prozent. 63 Prozent erklären sich hier nicht religiös, während es im Westen lediglich 19 Prozent sind." International gesehen gibt es in Russland mit 50 Prozent die wenigsten Religiösen, in den USA sind es 89 Prozent.
Überrascht hat Rieger ein anderes Ergebnis: Antworten auf das Gottesbild der Deutschen. Es sei fast durchweg positiv. "Gefühle gegenüber Gott wie Freude, Hoffnung, Dankbarkeit, Liebe, Kraft, überwiegen. Angst kam kaum vor." Dies gelte für Jung wie Alt.

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Viele Suchen Gott, keiner hat ihn gefunden.