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Viele Nordafrikaner in NRW sind als "Syrer" unterwegs

20.01.2016 | 18:39 Uhr
Viele Nordafrikaner in NRW sind als "Syrer" unterwegs
Razzia im Münsterland: Mit einem Großaufgebot kontrollierte die Polizei in dieser Woche zwei Notunterkünfte in Ahlen. Foto:Marcel Kusch/dpa

Ahlen.   Viele Flüchtlinge aus Nordafrika melden sich mit mehreren Namen an. Gerade diese Personengruppe fällt in den Unterkünften häufig unangenehm auf.

Nach einer groß angelegten Razzia in zwei Flüchtlingsunterkünften im westfälischen Ahlen ­verdichten sich die Hinweise, dass zahlreiche Asylsuchende aus Nordafrika den Behörden in NRW falsche oder gleich mehrere Identitäten genannt haben. Von 150 in Ahlen überprüften Marokkanern und Tunesiern führte jeder Zweite gleich mehrere Ausweispapiere als Asylbewerber mit sich.

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Das Problem könnte bisher ­ungeahnte Dimensionen haben. Die Dortmunder Rechtsdezer­nentin Diane Jägers (CDU) sagte dieser Redaktion: „Wir haben die Ver­mutung, dass die Mehrheit derer, die sich seit Sommer in unseren Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtungen als Syrer registrieren ließen, gar keine Syrer sind.“ Viele erhoffen sich so offenbar bessere Chancen im Asylverfahren.

Flüchtlinge „mit vier oder fünf Identitäten“

Stimmt diese Einschätzung, dann halten sich womöglich Zehn­tausende „falsche“ Asylbewerber in NRW auf. Laut Jägers fallen ­zuweilen Flüchtlinge „mit vier oder fünf Identitäten“ und ent­sprechend unterschiedlichen Aus­gängen ihres Asylverfahrens auf.

Die Behörden im Kreis Warendorf prüfen nach der Razzia in Ahlen, ob sich Personen mit mehreren Identitäten gleich in verschiedenen Unterkünften Taschengeld erschlichen haben. Landrat Olaf Gericke fürchtet: Sollte jemand, der meh­rere Identitäten hat, Straftaten ­begehen, könnten Gerichte kaum nachvollziehen, dass es sich um Wiederholungstäter handele.

Fingerabdrücke vermutlich erst ab Sommer 2016

Das Problem ist auch dem ­NRW-Innenministerium bekannt. Manche Flüchtlinge lassen sich mehrfach registrieren und erhalten die entsprechenden vorläufigen Papiere. „Wer verschiedene Identitäten angibt, kann sich polizei­lichen Maßnahmen entziehen und mehrfach Leistungen beanspruchen“, erklärt ein Ministeriumssprecher. Dies müsse als Betrug ­gewertet werden und rechtfertige ein Strafverfahren. Solange aber die Registrierung der Zuwanderer, die oft ohne Pass einreisten, so ­lückenhaft erfolge, sei dem Problem kaum beizukommen.

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Die Bezirksregierung Arnsberg, zuständig für die Erstaufnahmeeinrichtungen, verweist auf die große Zahl der einreisenden Flüchtlinge ­wodurch sich die Registrierung oft viele Wochen verzögere. Diese Zeit werde von einigen Personen aus­genutzt, um sich gleich in mehreren Einrichtungen die sogenannte „Büma“ (Bescheinigung über Meldung als Asylsuchender) ausstellen zu lassen, teilte ein Sprecher mit. „Da steht dann ein Name drauf, mehr aber auch nicht.“ Vermutlich erst ab Sommer 2016 dürfte es in NRW möglich sein, bei allen Asylbewerbern gleich nach der Ankunft Fingerabdrücke zu nehmen und die persönlichen Daten in eine bundesweite Datenbank zu stellen.

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Kommentare
28.04.2016
07:13
Viele Nordafrikaner in NRW sind als "Syrer" unterwegs
von chrisamar | #124

Welches Land hat so unverantwortlich handelnde Staatsdiener, deren Intelligenz geringer zu scheint, als die jedes hier illegal einmarschierten? Für...
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2016-01-20 18:39
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