Viele Islamisten kommen aus Belgien

Verviers..  Wieder Tote, wieder Verletzte, wieder ein Großeinsatz der Polizei, Angst und Ratlosigkeit. Diesmal traf es die belgische Kleinstadt Verviers, nur wenige Dutzend Kilometer von der deutschen Grenze bei Aachen entfernt. Nach Angaben der Polizei wurde „ein zweites Paris“ durch den Einsatz der Spezialkräfte im letzten Moment verhindert. Die Anti-Terroraktion richtete sich gegen mutmaßliche Islamisten, die erst kürzlich aus Syrien heimgekehrt waren und seither von den Sicherheitsbehörden überwacht wurden. In der Stadt gebe es mindestens zehn Personen, die in Syrien gewesen und gekämpft haben.

Am Mittwoch hatten belgische Medien gemeldet, dass ein Teil der Waffen der Pariser Attentäter in Belgien gekauft worden seien. Brüssel gilt als Drehscheibe für den internationalen Waffenhandel, wo sogar großkalibrige Sturmgewehre über die Theke gehen.

Den Verdacht bestätigte später die Polizei. Einer der Attentäter von Paris hatte Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus dem südbelgischen Charleroi hatte in den vergangenen Monaten mit Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Die Polizei habe entsprechende Dokumente bei dem Verdächtigen gefunden, so belgische Medien. Coulibaly hatte am vergangenen Freitag in einem koscheren Supermarkt in Paris vier Menschen erschossen. Er selbst wurde anschließend von der Polizei getötet.

Aus keinem EU-Land sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung so viele Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen wie aus Belgien. Das berichtete das britische Magazin „The Economist“ im Vorjahr. Nach einer aktuellen Auflistung des Thinktanks Brookings reisten bislang bis zu 650 Kämpfer aus Belgien in das Konfliktland. Die belgischen Behörden warnen seit langem vor islamistischer Gewalt im eigenen Land. Bereits im Mai 2014 erschoss der Islamist Mehdi Nemmouche bei einem Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel vier Menschen. Der Täter ist Franzose. Später wird er in der südfranzösischen Stadt Marseille verhaftet und nach Belgien ausgeliefert. Nemmouche ist bislang nicht verurteilt.

Auch in Deutschland geht die Fahndung nach möglichen Attentätern mit Hochdruck weiter. Am Abend haben Beamte des Landeskriminalamts Niedersachsen einen 26 Jahre alten Terrorverdächtigen in Wolfsburg festgenommen. Der Deutsch-Tunesier soll sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen haben, wie der Generalbundesanwalt am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Es gebe aber derzeit noch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Verdächtige konkret Anschläge in Deutschland geplant oder vorbereitet habe.

Wolfsburg im Visier der Fahnder

Während eines knapp dreimonatigen Aufenthalts in Syrien zwischen Ende Mai und Mitte August 2014 soll er eine Kampfausbildung durchlaufen haben. Die Wohnung des Mannes wurde durchsucht.

Als ein Zentrum radikaler Salafisten haben die Behörden seit langem Wolfsburg im Visier, wo im November bereits ein Syrien-Heimkehrer und mutmaßlicher Kämpfer der Terrormiliz verhaftet wurde. Insgesamt wird von bis zu 40 Islamisten aus Niedersachsen ausgegangen, die in Richtung Syrien aufgebrochen sind.