Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Prozess

Verurteilung Beckers wegen Beihilfe zum Buback-Mord gefordert

14.06.2012 | 11:58 Uhr
Verurteilung Beckers wegen Beihilfe zum Buback-Mord gefordert
Ein Urteil gegen das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wird voraussichtlich am 6. Juli fallen. Sie soll wegen Beihilfe an dem Mord an Siegfried Buback verurteilt werden. Foto: reuters

Stuttgart.  Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker soll nach dem Willen der Bundesanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback verurteilt werden. Die Anklage forderte eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Der Vorwurf der Mittäterschaft wurde fallengelassen.

Die Bundesanwaltschaft hat im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wegen des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 eine Haftstrafe von insgesamt zweieinhalb Jahren für die Angeklagte gefordert. Becker sei schuldig, Beihilfe zum Mordanschlag auf Buback und seine beiden Begleiter geleistet zu haben, sagte Bundesanwältin Silke Ritzert am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Becker habe keinen ausschlaggebenden Einfluss bei der Ausführung der Tat gehabt und ihr Tatbeitrag sei in Relation zu anderen Ex-RAF-Mitgliedern eher untergeordnet gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Ritzert.

Damit rückte die Behörde vom ursprünglichen Anklagevorwurf der Mittäterschaft ab. Becker hatte eine Beteiligung an dem Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 sowie an seiner Vorbereitung bestritten.

Verhasster Rechtsstaat

Der Bundesanwaltschaft zufolge war Becker nicht unmittelbar an dem Anschlag der linksextremen Roten Armee Fraktion (RAF) beteiligt. Sie habe sich aber im Vorfeld innerhalb der Gruppe für die Umsetzung der Mordpläne stark gemacht, sagte Ritzert. Der Bundesanwältin zufolge kam es „Becker darauf an, dass Buback, der Repräsentant des verhassten Rechtsstaats, aus dem Weg geschafft wird“. Sie habe „Rache an der Person üben“ wollen, „die sich der RAF entgegengesetzt hatte“.

Die Anklage wertete dies als Beihilfe zu dreifachem Mord. Dies müsse mit einer Haft von viereinhalb Jahren geahndet werden. Weil Becker aber bereits ein lebenslange Haft verbüßt habe und wegen ihrer Lösung von der RAF begnadigt worden sei, müssten als Härteausgleich zwei der viereinhalb Jahre als verbüßt gelten.

Nach dem Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft wollte Nebenkläger Michael Buback, der Sohn des Ermordeten, plädieren. Ein Urteil wird voraussichtlich am 6. Juli gesprochen. (afp/dapd)


Kommentare
Aus dem Ressort
Innenministerium verteidigt Überwachung sozialer Netzwerke
Überwachung
Der Bundesnachrichtendienst und die Bundeswehr wollen künftig auch soziale Medien wie Facebook und Twitter beobachten, um internationale Trends frühzeitig zu entdecken. Diese Art der Überwachung würde sich im Rahmen des Grundrechts bewegen, rechtfertigt das Bundesinnenministerium.
Gesundheitskarte - Pannenprojekt oder digitale Revolution?
eGK
Teuer, kompliziert, nutzlos? Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) macht bisher viel Ärger. Doch auf die Versicherten und Ärzte rollt eine Welle neuer Möglichkeiten zu. Ab Ende 2015 sollen etwa Adresse und Versichertenstatus auf der Karte online überprüft werden können.
Obama scheut die große Konfrontation mit Widersacher Putin
Analyse
Ukraine, Gaza, Irak, Syrien, Afghanistan, Iran - es gab außenpolitisch einfachere Zeiten für einen amerikanischen Präsidenten. In keiner der genannten Regionen kann Barack Obama Erfolge verbuchen. Passivität ist jedoch das Gegenteil von fahrlässiger Destabilisierung, die Obama oft unterstellt wird.
Jugendämter nehmen so viele Kinder in Obhut wie nie zuvor
Behörden
Wenn Eltern mit der Betreuung ihres Nachwuchses völlig überfordert sind - oder Kindern und Jugendlichen aus anderen Gründen Gefahr droht, greifen die Behörden ein. Offenbar wird dies immer öfter notwendig. Denn noch nie haben die Jugendämter so viele Kinder in Obhut genommen wie im vergangenen Jahr.
Israels Sicherheitskabinett berät über Waffenruhe
Nahostkonflikt
Israel hält bislang am Gaza-Einsatz fest. Es gibt immer mehr zivile Opfer. Inzwischen starben 788 Menschen seit Kriegsbeginn. In mehreren deutschen Städten sind am Freitag Demonstrationen geplant. Im Westjordanland gab es in der Nacht erneut Gefechte mit Toten. Bringt ein US-Friedensplan die Wende?
Umfrage
S-Bahnen in NRW sollen bald wieder mit Außenwerbung auf den Zügen herumfahren. Was halten Sie davon?