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Drohnen

Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe

03.08.2012 | 18:01 Uhr
Drohnen vom Typ Predator B kostet pro Stück etwa 30 Millionen Euro. Das Verteidigungsministerium interessiert sich für diese Waffensysteme. Foto: Getty

Berlin.   Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) befürwortet Anschaffung und Einsatz bewaffneter Drohnen bei der Bundeswehr ab 2014/2015. Für den Einsatz in Afghanistan kämen sie zu spät. Bleibt die Frage: Wofür braucht Deutschland sie dann? Ein Exemplar kostet schließlich rund 30 Millionen Euro.

Etwa einmal in der Woche gerät eine Bundeswehrpatrouille in Afghanistan in einen Hinterhalt. Aufklärungsdrohnen helfen den Soldaten bei der Lageeinschätzung, übermitteln ihnen die Stärke und Position der Angreifer. Dann wird entschieden, wie die Reaktion aussehen soll Rückzug, Angriff, Warten auf Verstärkung. Was wäre nun, wenn die unbemannte Drohne selbst den Angriff erledigen könnte, wenn sie bewaffnet wäre?

„Dann würde schneller auf den Knopf gedrückt, Entscheidungsinstanzen würden wegfallen“, sagt Rüstungsexperte Marcel Dickow. Die Bundeswehr prüft derzeit, bewaffnete Drohnen anzuschaffen. Abgeordnete von FDP, CDU und SPD sind dafür – auch weil diese Flugsysteme dazu beitragen könnten, dass weniger deutsche Soldaten im Einsatz sterben würden.

Militärexperten kritisieren Predator B

Im Gespräch ist das Waffensystem Predator B, das die US-Armee derzeit in Afghanistan, Pakistan, Irak und im Jemen einsetzt, um gezielt zu töten. 20 Prozent der Opfer sind übrigens Zivilisten, wie das Institut New America Foundation errechnet hat. Deshalb haben die Verteidigungsexperten der Grünen und Linkspartei auch völkerrechtliche Bedenken geäußert. Eine Entscheidung soll im Herbst fallen.

Kommentar
Die Drohnen kommen - von Harald Ries

In den USA fallen die Todesurteile ohne Prozess. Präsident Obama entscheidet persönlich, welcher Terrorverdächtige in Pakistan, Afghanistan oder Somalia sterben soll; dann schickt die CIA bewaffnete Drohnen los, die oft genug Zivilisten erwischen.

Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ist Ende 2014 vorbei. Bis dahin würden die Drohnen nicht mehr rechtzeitig geliefert. Zudem ist der bestehende Leasingvertrag mit den aktuell verwendeten Aufklärungsdrohnen Heron 1 gerade erst bis 2014 verlängert worden. Warum also braucht eine Parlamentsarmee eine Kampfdrohne, die aus Sicht von Militärexperten eher langsam und vom Radar zu erkennen ist und deshalb nur in Ländern ohne Luftabwehr zum Einsatz kommen kann? Wo soll sie eingesetzt werden? „Dazu müsste der Bundestag endlich einmal darüber diskutieren, was die Bundeswehr in Zukunft leisten soll, welche Einsätze in Frage kommen. Dafür muss man sich vom Afghanistan-Szenario lösen“, sagt Dickow.

In dem Buch „Kriegsmaschinen – Roboter im Einsatz“ schreibt Konfliktforscher Niklas Schöring, dass westliche Staaten in den vergangenen 20 Jahren niemals allein in den Krieg gezogen sind. Irak, Afghanistan, Kosovo, Libyen waren und sind Koalitionsmissionen.

„Bundeswehr muss sich spezialisieren“

Für die Kriegsführung bedeutet das eine Abstimmung der Ausrüstungen und Fähigkeiten, um Reibungsverluste zu vermeiden. „Da ergibt es wenig Sinn, wenn sich die Bundeswehr allein nach einer Drohne umsieht und später jedes Land sein eigenes System besitzt“, sagt Dickow. Eine Predator B kostet etwa 30 Millionen Euro.

Video
Farnborough, 12.07.12: Ein Schwerpunkt der Luftfahrtmesse in der südenglischen Stadt sind in diesem Jahr unbemannte Fluggeräte. Es gibt sogar eine eigene Drohnen-Zone, in der diese und entsprechendes Zubehör vorgeführt und getestet werden können.

Auch wenn der Verteidigungsetat mit 31,7 Milliarden Euro beim Sparprogramm der Bundesregierung noch verschont geblieben ist, glaubt Dickow, dass auch die Bundeswehr sich bald einschränken müsse. Dann werde auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) seine Maxime „Breite vor Tiefe“ überdenken müssen. Noch gilt: die Bundeswehr muss alles können, sowohl Verteidigungs- als auch Einsatzarmee sein. Das Problem, sagt Dickow, sei, dass sie zwar alle Fähigkeiten aufweist, sie nur nicht mehr lange ausführen kann. „Die Bundeswehr muss sich spezialisieren, sonst ist sie für Partner nicht mehr interessant, wenn sie Einsätze nach zwei Monaten abbrechen muss, weil der Nachschub fehlt.“

Gregor Boldt



Kommentare
05.08.2012
16:14
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.08.2012
09:34
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von wkah | #17

Für den Afghanistan - Einsatz kommen sie zu spät.
Kann nur in Ländern ohne Luftabwehr zum Einsatz kommen.


Macht für mich den Eindruck :
Mit dem Geländewagen zu Aldi fahren.

Aber wenn die Bundeswehr die Dinger natürlich braucht...........................

05.08.2012
09:14
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von wohlzufrieden | #16

Jetzt wollen die uns nicht nur mit dummen Sprüchen voll dröhnen...

04.08.2012
20:45
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von Dieselpumpe | #15

Die Politlobby rüstet gegen das verdummte Wahlvolk auf...............

04.08.2012
20:44
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von duckdichundwech | #14

Eine Armee (Bundeswehr) auf deren Fahne steht eine der modernsten der Welt zu sein,darf sich auch vor solchen Anschaffungen wie die US Drohnen nicht verschliessen!
Diese Anschaffungen werden aus dem Etat der BW bezahlt und nicht aus den Kassen der Hartz 4 Empfänger! Das hier in D. irgendwann ebenfalls eigene Drohnen hergestellt werden,dürfte wohl nur ein paar Jährchen dauern. Das die BW auch dazu da ist hier unsere Freiheit zu sichern,auf solch eine Idee kommen manche bis zum Tellerrand-Gucker nicht und da es hier in diesem Land vielen halt zu gut geht,muss natürlich auch auf ganz hohem Niveau gejammert oder glässtert werden!
Im übrigen!
Ab 2013 werden nach und nach 400! neue Panzer vom Typ Puma 1 an die BW ausgeliefert! Ist der Nachkomme vom alten Schützenpanzer "Marder" den die BW seit über 30 Jahren hat!
Also! Jetzt aber volles Rohr jammern und schnell rechnen wieviel Kitaplätze und anderes dafür geschaffen werden könnte! Jammer und Meckervolk hier!

04.08.2012
13:58
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von siddartha | #13

Für welchen Zweck?

Aus Afghanistan will Deutschland sich zurückziehen, Angriffskriege sind laut Grundgestz gegen die Verfassung, und ein Land, welches uns direkt angreifen könnte, kann ich auch nicht finden.

Wo will er sie denn einsetzen?

Zudem haben die amerikanischen Einsätze gezeigt, das auch regelmäßig unschuldige Frauen und Kinder damit getötet werden.

04.08.2012
12:49
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von unwitz | #12

Eine Armee, die auf der Höhe der Zeit sein möchte, muss selbstverständlich in diesem Bereich aktiv werden. Deshalb sind die geplanten Investitionen zu begrüßen. Und ein Land, welches Milliarden für die "Rettung" einer jämmerlichen Gemeinschaftswährung übrig hat, sollte auch Geld für die eigenen Streitkräfte haben.

Etwas ärgerlich ist nur, dass man auf amerikanische Drohnen setzt, statt auf die Entwicklung eines eigenen Systems zu setzen.

04.08.2012
12:29
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von meinemeinungdazu | #11

Die erste Drohne sollte über Berlin stationiert werden! Sind die Militärs eigentlich verrückt geworden? Was geht in deren Köpfe vor? Haben wir immer noch nicht genug Schulden? Wann hört der deutsche Größenwahn endlich auf?

04.08.2012
10:27
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von wilbec | #10

So lange es eine Bundeswehr, die auch von Rot/grün gewollt ist, gibt ist es legitim, daß sich der verantwortliche Minister Gedanken macht wie die ihm unterstellten Soldaten so gering wie möglich einer Gefahr ausgesetzt werden.
Man kann natürlich auch alles ins Lächerliche und Büttenreden produzieren. Allerdings wird man damit nicht dem Thema nicht gerecht.

04.08.2012
09:52
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von westfaliano | #9

Haben die in Berlin Angst das der Deutsche Michel irgendwann mal aufwacht.

1 Antwort
Verteidigungsminister will Drohnen für die Luftwaffe
von wohlzufrieden | #9-1

Ich fürchte, die Angst ist unbegründet, es gibt doch Blödball und Drogen-Olympiade...

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