Versorgung bei den Hausärzten wird knapp
31.03.2009 | 12:00 Uhr 2009-03-31T12:00:00+0200Hagen. Fahrten zu Patienten auch außerhalb der Praxiszeiten, regelmäßige Hausbesuche und Notdienste an Wochenenden: Die Arbeitswoche eines niedergelassenen Allgemeinmediziners grenzt nicht selten an die 70 Stunden.
Für den Hausarzt Walter Jesse aus Soest eine Selbstverständlichkeit. Ob er in einigen Jahren jedoch einen Nachfolger für seine Praxis finden wird, bezweifelt er.
Hausarzt lohnt sich nicht mehr
„Ich bin Hausarzt mit Leib und Seele”, sagt Jesse. Zu seiner zusätzlichen Qualifikationen gehört die hausärztliche Geriatrie, regelmäßig betreut der 50-Jährige Patienten in Altenheimen medizinisch. „Aber irgendwann stößt man an seine Grenzen”, ergänzt Walter Jesse mit Blick auf den fehlenden Nachwuchs. Für viele ist der Beruf des Hausarztes längst unattraktiv: Begrenzte Honorare, eine hohe Arbeitsbelastung dazu ein Leben auf dem Land - immer mehr junge Ärzte entscheiden sich gegen diese Form der Selbstständigkeit.
Drohende Insolvenz für Ärzte
Deshalb fordert Jesse, dass bereits während der klinischen Ausbildung der Mediziner Strukturen zur Vereinbarung von Beruf und Familie geschaffen werden. Zum anderen muss nach Ansicht des Vorsitzenden des Soester Ärztevereins auch das Honorarsystem geändert werden. Seit Januar dieses Jahres bekommen Hausärzte pro Patient und Quartal eine Pauschale von 32,43 Euro - unbeeinflusst davon, wie oft der Patient den Arzt kontaktiert. Im Hinblick darauf verweis Jesse auf Hausarztverträge in Bayern und Baden-Württemberg, die eine Vergütung von über 80 Euro pro Patient vorsehen. Für die heimische Region befürchtet der Mediziner indes, dass nicht nur die bevorstehende Ruhestandswelle, sondern auch drohende Insolvenzen viele Ärzte zur Aufgabe ihrer Praxis zwingen werden.
Aktuell sieht die Versorgung durch Hausärzte in Südwestfalen gut aus. Nach Angaben der Ärztekammer Westfalen-Lippe liegt sie in Hagen bei 128,1 Prozent, im Ennepe-Ruhr-Kreis bei 113,8, im HSK bei 95,4, im Märkischen Kreis bei 109, im Kreis Olpe bei 100, im Kreis Siegen-Wittgenstein bei 102,4 und im Kreis Soest bei 100,1 Prozent. Dem gegenüber stehen allerdings die Prozentzahlen der Ärzte, die bereits jetzt schon 60 Jahre und älter sind: In Hagen sind es 32,5 Prozent, im Ennepe-Ruhr-Kreis 26,5, im HSK 26,9, im Märkischen Kreis 24,8, im Kreis Olpe 19,5, im Kreis Siegen-Wittgenstein 23,1 und im Kreis Soest 24,6 Prozent.
„Da muss dringend etwas getan werden”, heißt es von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Junge Mediziner überlegen sich heute dreimal, wo sie sich niederlassen”, sagt Ina Retkowitz ebenfalls mit dem Verweis auf das Ungleichgewicht bei der Hausarzt-Honorierung der Länder: Schon im benachbarten Niedersachsen bekommt ein Hausarzt 44 Euro pro Patient und Quartal, statt der 32,43 Euro in NRW.
Projekte gegen den Ärztemangel
Verschiedene Projekte sollen der drohenden Lücke in der ärztlichen Versorgung nach der Ruhestandswelle entgegenwirken: Zusätzliche Studiengänge für Allgemeinmedizin, finanzielle Unterstützung während der Fortbildung zum Facharzt oder auch betriebswirtschaftliche Beratungen in den Niederlassungsstellen der Kassenärztlichen Vereinigung gehören dazu.
Ob solche Maßnahmen helfen, wird allerdings erst die Zukunft zeigen. „Insbesondere für ältere Menschen ist jedoch der persönliche Kontakt zu ihrem Hausarzt wichtig”, sagt Walter Jesse. Doch auf die Frage, wie man Jungmediziner für den Beruf des Hausarztes auf dem Land begeistern kann, weiß der 50-Jährige momentan keinen Rat: „Es ist eine schwierige Situation. Ich kenne Kollegen, die händeringend Nachfolger für ihre Praxen suchen und keine finden.”

16:13
was wird jetzt eigentlich knapp? die Versorgung bei den Hausärzten oder die
Versorgung mit Hausärzten ????
13:33
Strukturen zur Vereinbarung von Beruf und Familie geschaffen werden, was soll der blödsinn denn????
Ich war Fernfahrer, da war auch nichts mit Familie, aber da ich mir den Beruf ausgesucht habe, habe ich auch nicht rumgemeckert.
Aber richtig ist das unser Ärzte für Ihre Arbeit ordendlich endlohnt werden sollten.
Ich lag Dez.07 im Krankenhaus und habe mich mal mit der Stadtionärztin unterhalten,und war geschockt als Sie mir gesagt hat was Sie verdiend hat, kurz gesagt ich habe gute 1300€ mehr verdient.