Verschwieg die Polizei Herkunft der Verdächtigen in Köln?

Polizisten bei der Kontrolle eines Verdächtigen in der Silvesternacht.
Polizisten bei der Kontrolle eines Verdächtigen in der Silvesternacht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Offenbar wusste die Kölner Polizei mehr über die Verdächtigen aus der Silvesternacht, als sie zugibt. Das legen Medienberichte nahe.

Köln.. Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht gerät die Kölner Polizeiführung (SPD) noch stärker unter Druck.

Asylrecht Nach einem Bericht des „Kölner Stadtanzeigers“ haben Verantwortliche der Polizei die Herkunft der Tatverdächtigen absichtlich verheimlicht. Der Polizeiführung war danach offenbar schon in der Silvesternacht klar, dass es sich bei vielen der rund 100 verdächtigen und kontrollierten Männer um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan handelte, die erst seit kurzem in Deutschland leben. In der ersten polizeiinternen Abschlussmeldung des Einsatzes soll der verantwortliche Dienstgruppenleiter die Herkunft aber bewusst nicht genannt haben – obwohl der Einsatzleiter dazu gedrängt haben soll, hieß es in Polizeikreisen.

Polizeipräsident Albers unter Druck

Mit der sinngemäßen Begründung, dies sei „politisch heikel“, soll der Verfasser der Meldung darauf verzichtet haben. Bei den „Personalienfeststellungen“ konnte sich der „überwiegende Teil der Personen lediglich mit einem Registrierungsbeleg als Asylsuchender“ ausweisen, heißt es in einem internen Bericht vom 2. Januar. Auf Anfrage wollte die Polizei die Vorgänge weder bestätigen noch dementieren.

Übergriffe Auch durch neue Zeugenaussagen gerät der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers weiter unter Druck. Er muss sich neuer Vorwürfe erwehren, dass die Verantwortlichen die Dramatik der Lage in der Silvesternacht frühzeitig gekannt haben müssen. So befürchtete ein Bundespolizist, dass das „Chaos noch zu erheblichen Verletzungen wenn nicht sogar zu Toten führen würde“. Dagegen hatte die Polizei die Stimmung am Neujahrstag zunächst als „friedlich“ bezeichnet und erst am 2. Januar über die Übergriffe informiert.