Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Entführung

Verschleppter Deutscher in Nigeria wurde offenbar getötet

31.05.2012 | 12:24 Uhr
Verschleppter Deutscher in Nigeria wurde offenbar getötet
Schwerbewaffneter Polizist in Kano, Nigeria. Dort war ein Deutscher im Januar verschleppt worden. Foto: ap

Kano.   Ein von Al-Kaida-Terroristen verschleppter Deutscher ist in Nigeria vermutlich umgebracht worden. Das berichten Sicherheitskreise. Offenbar wurde der Ingenieur getötet, als Soldaten das Haus der Entführer stürmten. Gerüchte über einen misslungenen Befreiungsversuch wurden aber dementiert.

Ein vor rund fünf Monaten im Norden Nigerias verschleppter Deutscher ist am Donnerstag offenbar von seinen Entführern getötet worden. Die Männer erstachen den Angestellten des deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger, als nigerianische Soldaten am Morgen das Haus stürmten, ohne zu wissen, dass der Mann darin festgehalten wurde, wie aus Militärkreisen verlautete. Weder Bilfinger Berger noch das Auswärtige Amt konnten die Identität des Opfers zunächst bestätigen.

Die nigerianischen Streitkräfte erklärten, es habe sich bei dem Einsatz nicht - wie ursprünglich berichtet - um eine Befreiungsaktion für den Deutschen gehandelt. Sie seien in das Haus eingedrungen, nachdem sie Informationen über ein dort stattfindendes Treffen von ranghohen Mitgliedern einer Terrorgruppe erhalten hatten. Erst nach dem Einsatz fanden die Soldaten demnach die an den Händen gefesselte Leiche der Geisel neben den Körpern von fünf mutmaßlichen Terroristen.

Die Streitkräfte teilten mit, dass sich die mutmaßlichen Terroristen und die Truppen ein rund 30-minütiges Feuergefecht geliefert hätten. Die Entführer hätten den Deutschen schließlich erstochen und versucht zu entkommen, hieß es aus Militärkreisen.

Auswärtiges Amt will Tod des Deutschen noch nicht bestätigen

Bei dem Einsatz wurden demnach auch zwei bis fünf Geiselnehmer getötet. Anwohner berichteten, das Haus, in dem sich die Geiselnehmer mit ihrem Opfer verschanzten, sei nach dem Einsatz zerstört worden.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, sie könne die Angaben zum Tod des Deutschen "zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen". Der eingerichtete Krisenstab und die Botschaft in Nigeria seien aber "mit Hochdruck um Aufklärung bemüht".

Der Deutsche war Ende Januar in einem Vorort von Kano verschleppt worden. Der deutsche Baukonzern Bilfinger Berger bestätigte am Donnerstag lediglich, dass ein an ein nigerianisches Bauunternehmen ausgeliehener Mitarbeiter im Januar entführt worden sei. Ob der Mann getötet worden sei oder ob es sich um denselben Mitarbeiter handele, sei noch unklar. "Wir haben keinerlei Bestätigung, ob das der Fall ist", sagte ein Konzernsprecher. Der Polizei in Kano zufolge war das Opfer an die nigerianische Baufirma Dantata and Sawoe angebunden.

Terroristen forderten Freilassung von Ehefrau eines Sauerland-Gruppen-Mitglieds

Im März bekannte sich das Terrornetzwerk Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) zu der Entführung. Im Gegenzug für eine Freilassung des Ingenieurs forderte die Gruppe, eine zu dem Zeitpunkt in Deutschland inhaftierte, zum Islam konvertierte Frau freizulassen. Zugleich drohte AQMI mit der Ermordung des Ingenieurs. Bei der Frau handelt es sich um Filiz G., die vor gut einem Jahr zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilte Ehefrau des Islamisten Fritz G. Dieser war als Mitglied der sogenannten Sauerland-Gruppe 2010 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Filiz G. befindet sich jedoch seit rund einem Monat auf freiem Fuß, nachdem ihre Reststrafe Ende April zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Kano wird immer wieder von Anschlägen der Islamistengruppe Boko Haram erschüttert, die jedoch bislang nicht für Entführungen bekannt ist. Nigerias Sicherheitskräfte waren bereits im März in die Kritik geraten, nachdem bei einer versuchten Geiselbefreiung ein Italiener und ein Brite getötet worden waren.

Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass am Montag ein italienischer Ingenieur im nigerianischen Bundesstaat Kwara verschleppt wurde. Laut italienischem Außenministerium sind die Hintergründe der Tat noch unklar. (afp/dapd)


Kommentare
31.05.2012
14:00
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Kriegsleid statt Freude - Bitteres Zuckerfest in Gaza
Nahost-Konflikt
Eid al-Fitr, das dreitägige Fest des Fastenbrechens, gehört zu den wichtigsten Feierlichkeiten im Islam. Doch mitten im Krieg können die Muslime in Gaza das Ende des Fastenmonats Ramadan nicht so feiern, wie sie es sonst tun. Trauer liegt wie ein bleierner Mantel über dem Gaza-Streifen.
Kleine Parteien in NRW legen zu - nur die Piraten schrumpfen
Parteien
Seit der Bundestagswahl geht es bei den beiden Volksparteien in Nordrhein-Westfalen wieder abwärts mit den Mitgliederzahlen. Dafür verbuchen viele "kleine" Parteien seit einem Jahr Zuwachs. Nur eine von ihnen bricht zwei Jahre nach ihrem Boom regelrecht ein: die Piraten.
Tote bei Explosionen in Gaza - Israel bestreitet Beteiligung
Gaza-Konflikt
Nachdem eine zwischenzeitliche Waffenruhe für leichte Entspannung im Gaza-Konflikt gesorgt hat, kamen am Montag im Gaza-Streifen zehn Menschen bei Explosionen ums Leben. Das israelische Militär wies jede Verantwortung für die Zwischenfälle zurück. Es macht militante Palästinenser verantwortlich.
"Den Krieg im Osten der Ukraine gäbe es nicht ohne Russland"
Schriftstellerin
Traumatische Kriegserlebnisse von Kindern hält Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch "Die letzten Zeugen" fest. im Interview spricht die weißrussische Schriftstellerin über Krieg und Frieden - und die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt.
Libyen stürzt ins Chaos - Deutschland zieht Diplomaten ab
Lybien
Die Situation in Libyen gerät außer Kontrolle. Die Flughäfen der Hauptstadt Tripolis können nicht mehr genutzt werden. Trotzdem reisen wegen heftiger Kämpfe immer mehr Ausländer ab. Der Einschlag einer Rakete in ein Benzindepot in Tripolis löste einen Großbrand auf. Es droht eine Katastrophe.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?