Vereint, aber noch nicht eins

Berlin..  Auf den ersten Blick scheint es wie eine anhaltende Kluft zwischen Ost und West: 25 Jahre nach der Einheit sehen nur knapp die Hälfte der Bürger in Ostdeutschland die Bundesrepublik als ihre politische Heimat an – dagegen sagen fast drei Viertel der Westdeutschen, sie fühlten sich hierzulande „politisch zu Hause“. Das ist ein Ergebnis einer Studie über die Einstellungen der Deutschen in Ost und West im Auftrag der Bundesregierung. Doch das Heimatgefühl ist offenkundig eine Generationsfrage, bei jungen Leuten ist das Meinungsbild bereits identisch: Unter den 14- bis 29-Jährigen fühlen sich 65 Prozent der Ostdeutschen in der Bundesrepublik politisch daheim – und nur noch 64 Prozent der Westdeutschen.

Beim Blick zurück auf die Wiedervereinigung erkennen 77 Prozent in den neuen Ländern für sich persönlich überwiegend Vorteile. Bei den Westdeutschen sind es 62 Prozent. Die Studie zeigt unter Rückgriff auf frühere Untersuchungen auch, dass nur eine Minderheit der DDR-Bürger – weniger als 30 Prozent – seinerzeit die Lebensbedingungen im Sozialismus als gut empfunden hatte. Im Rückblick bewerten 70 Prozent der Ostdeutschen die DDR als Diktatur. Von „Unrechtsstaat“ wollen aber nur 46 Prozent sprechen.