Vereins-Vorstände dringend gesucht

An Rhein und Ruhr..  Sportvereine haben offenbar zunehmend Probleme, Vorstandsposten zu besetzen. Die Anzahl der ehrenamtlichen Positionen auf der Vorstandsebene, also etwa Vorsitzender, ehrenamtlicher Geschäftsführer oder Schatzmeister, nimmt kontinuierlich ab. Das geht aus einer Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln hervor. Demnach sank die Zahl der Ehrenamtlichen auf Vorstandsebene zwischen 2009 und 2013 um 6,1 Prozent. Der Sportökonom Christoph Breuer, einer der Autoren der Studie, spricht von einem längerfristigen und anhaltenden Trend.

Das von Ute Schäfer (SPD) geleitete Landessportministerium bestätigt den Trend. Zwar sei die Bereitschaft, sich freiwillig und ehrenamtlich zu engagieren, nicht grundsätzlich rückläufig, teilte Ministeriumssprecherin Stephanie Paeleke-Kuhlmann auf NRZ-Anfrage mit. Aber „der kontinuierliche Einsatz in einer Funktion über einen langen Zeitraum für einen Sportverein entspricht häufig nicht mehr dem Lebensmodell junger (und auch älterer) Menschen“.

Laut der Studie der Sporthochschule bekleiden Vorsitzende von Sportvereinen ihr Amt im Durchschnitt neun Jahre, ehrenamtliche Geschäftsführer sogar 9,5 Jahre. Dass insbesondere jüngere Menschen von der Vorstellung abgeschreckt werden, sich über einen so langen Zeitraum zu binden, zeigt sich auch daran, dass das Durchschnittsalter der Vereinsvorsitzenden mittlerweile bei rund 54 Jahren liegt.

Christoph Breuer sieht die Entwicklung vor allem als ein Problem für Sportvereine mittlerer Größe, mit einer Mitgliederzahl von 800 bis 1500. Sie würden wohl perspektivisch nicht umhin kommen zu fusionieren, um eine Größe zu erreichen, die eine Teil- oder Vollzeitbeschäftigung von Geschäftsführern ermöglicht.

Abschreckend wirken laut Breuer neben der längeren Bindung auch die Haftungsrisiken, die für Vorstandsmitglieder greifen, beispieslweise bei finanziellen Dingen. Diese Erfahrung hat auch Niels Ebeling, Sprecher des Kreissportbundes Wesel, gemacht: „Die Finanzämter schauen immer genauer hin, da muss man als Kassenwart sehr fit sein.“ Generell, so Ebeling, sei in den Vereinen nicht mehr nur der „einfache Sportbetrieb“ zu finden. „Die Herausforderungen für die Vorstände wachsen.“ So nehme etwa der Wettbewerb mit anderen Vereinen oder kommerziellen Anbietern wie Fitnessstudios deutlich zu.