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Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot

05.03.2013 | 23:04 Uhr
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
Hugo Chavez ist tot. Der Präsident Venezuelas erlag einem Krebsleiden.Foto: dpa

Caracas.  Venezuelas Staatschef Hugo Chávez ist tot. Das teilte sein Stellvertreter Nicolás Maduro am Dienstag mit. In der Nacht zum Dienstag hatte die venezolanische Regierung mitgeteilt, dass sich der Zustand des krebskranken Präsidenten drastisch verschlechtert habe. Er hinterlässt ein geteiltes Land.

Es ist bittere Ironie, dass Hugo Chávez nun vor seinem Mentor und Vorbild Fidel Castro gestorben ist. Der Venezolaner verstand sich immer als der legitime Erbe des Kubaners und wollte dessen Projekt, Lateinamerika vom Joch des Kapitalismus zu befreien zu Ende bringen. Chávez, der am Dienstag im Alter von 58 Jahren in Caracas gestorben ist, war erst im Oktober zum dritten Mal als Venezuelas Präsident wiedergewählt worden.

Er wollte bis 2019 regieren und eigentlich sogar in seinem Amt unsterblich werden. Chávez war am 18. Februar überraschend aus Kuba nach Venezuela zurückgekehrt. Um daheim sterben zu können, wie man jetzt weiß. In Havanna war er Mitte Dezember zum vierten Mal an Krebs operiert worden. Von dem Eingriff hatte er sich nicht mehr erholt.

Chávez’ Projekt eines „Sozialismus des 21. Jahrhundert“ war grenzenlos angelegt. Zeitlich, inhaltlich und geografisch. Was für die Einen ein Horrorszenario war, war für Andere das Beste, was Venezuela und Lateinamerika passieren konnte. Mit Ausnahme von Kubas Alt-Revolutionär Fidel Castro zog kein Politiker derart gegensätzliche Emotionen auf sich. Für die einen war der Narziss von Caracas Hassfigur, für die anderen Heldenfigur. Neutral verhielt sich dem charismatischen Linksnationalisten gegenüber niemand.

Schon mit 17 soll Chavez die Vision gehabt haben, das Land zu verändern

Chávez wurde am 28. Juli 1954 als Sohn eines Dorfschullehrerpaares in dem kleinen Ort Sabaneta in der Provinz Barinas, 420 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Caracas geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Mit 17 Jahren trat er den Streitkräften bei, und es heißt, schon damals habe er von seiner „Vision“ gesprochen, das Land verändern zu wollen.

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Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist erneut an Krebs erkrankt. Chávez hatte sich schon mehrfach in Cuba wegen Krebs behandeln lassen. Vor seiner Neuwahl am siebten Oktober hatte er versichert, gesund zu sein. Jetzt bestimmte Vizepräsident Nicolas Madura als einen möglichen Nachfolger.

Als junger Offizier gründete er 1982 die Revolutionäre Bewegung Bolívar 200, aus der später seine frühere Regierungspartei Bewegung der Fünften Republik (MVR) hervorging. 1992 führte Chávez als Fallschirmjäger-Offizier einen gescheiteren Putsch gegen den sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andrés Perez an, was ihm zwei Jahre Haft, aber auch eine große Popularität einbrachte. Nach seiner Entlassung arbeitete er daran, die Macht auf demokratische Weise zu erobern.

Bei den Wahlen im Dezember 1998 siegte Chávez mit 56 Prozent. Er bot ein neues, frisches Projekt, jenseits der korrupten Eliten und der beiden christ- und sozialdemokratischen Parteien, die sich über Jahrzehnte an der Macht abgewechselt und vor allem sich selbst bereichert hatten.

1999 wurde Chávez Präsident

Seit seinem Amtsantritt im Februar 1999 hat kein Machthaber die politische Landkarte Lateinamerikas so stark verändert wie der ebenso charismatische wie ruppige Ex-Militär. Sein historisches Verdienst ist es, nach den neoliberalen neunziger Jahren die Themen Armut, ungerechte Verteilung des Reichtums und Ausbeutung nationaler Ressourcen durch multinationale Unternehmen auf die politische Tagesordnung Venezuelas und der ganzen Region gesetzt zu haben.

„Ohne Chávez wäre Lateinamerika heute nicht das, was es ist“, sagt der Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich, Erfinder des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und lange Jahre Berater des verstorbenen venezolanischen Staatschefs.

Auf dem Weg dahin hat Chávez sein Land umgekrempelt. Er hat die Verfassung neu geschrieben, das alte Parlament aufgelöst, ein neues geschaffen, sich wiederwählen lassen und im Stile eines Caudillos die Macht auf sich konzentriert und zentrale Machtposten mit Getreuen besetzt. Dabei hat er die Demokratie gebeugt, bis es knirschte und Jahr für Jahr autoritärere Züge angenommen. Der venezolanische Präsident hat zudem eine moderne Art des Personenkults entwickelt und sich als melodramatischen, autoritären und kitschigen Caudillo alter Prägung neu erfunden. Eins Staatschef der singt, weint, betet und doziert – stundelang live auf allen Fernsehkanälen.

Venezuela ist heute ein geteiltes und polarisiertes Land

Venezuela ist heute ein geteiltes und polarisiertes Land. Das haben auch die Wahlen vom 7. Oktober wieder gezeigt, die Chávez überraschend deutlich mit 54 Prozent gegen seinen bürgerlichen Herausforderer Henrique Capriles gewann. Seine Anhänger hatte Chávez zum Schluss fast nur noch unter den Habenichtsen, die er als erster Präsident Venezuelas überhaupt wahrnahm und mit staatlichen Sozialprogrammen bedachte. Laut offiziellen Zahlen konnte die Zahl der in Armut lebenden Venezolaner in den Chávez-Jahren von der Hälfte der Bevölkerung auf ein Drittel reduziert werden. 300 Milliarden Dollar hat der Präsident in den 14 Jahren an der Macht in Sozialprogramme gepumpt, finanziert aus den Erdöl-Einkünften.

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Feuerwerk in der venezuelanischen Hauptstadt: Linkspopulist Chávez hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Die Wahlbeteiligung war so groß, dass die Wahllokale später schlossen als geplant, damit alle ihre Stimmen abgeben konnten. Chávez propagiert den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts".

Zuletzt aber sind Chávez’ viele Dinge aus den Händen geglitten. Caracas, die venezolanische Hauptstadt, ist zur gefährlichsten Metropole Lateinamerikas mit den weltweit höchsten Mordraten geworden. Jahrelang piesackte Chávez die multinationalen Unternehmen, bis sie Venezuela freiwillig verließen oder er sie aus dem Land schmiss. Kurz bevor er starb, produzierte Venezuela praktisch nur noch Öl. Manche Lebensmittel gibt es in dem Land gar nicht mehr oder nur noch rationiert wie im großen Vorbild-Staat Kuba.

Diktator oder Befreier?

Seine Kritiker im In- und Ausland hielten Chávez entweder für einen Diktator oder schlicht für krank. Andere sahen in dem Egomanen und Narzissten einen kalten Machtpolitiker, der ein klares politisches Programm verfolgte: Seine bolivarianische Revolution nicht nur in Venezuela durchzusetzen, sondern sie nach ganz Lateinamerika zu tragen.

Sicher ist, dass sich Chávez berufen fühlte, das Werk des Befreiungshelden Simon Bolívar zu beenden, der 1813 erst die Spanier besiegte und dann die heutigen Venezuela, Kolumbien, Bolivien und Ecuador von der Kolonialherrschaft befreite. In Chávez’ Lesart sind heute die Opposition im eigenen Land und die USA die modernen Kolonialherren, die es zu schlagen gilt. Dabei verhielt sich Chávez in seinem ideologisch aufgenordeten und unumschränkten Herrschaftsanspruch gerade so, als hätte Max Weber genau ihn vor Augen gehabt, als er seinen Aufsatz über die charismatische Herrschaft schrieb.

Einen Nachfolger für den Venezolaner als Bannerträger eines linken, anti-amerikanischen Projekts in Lateinamerika gibt es auch schon: Rafael Correa, kürzlich wiedergewählter Präsident Ecuadors, teilt die Ideologie von Chávez. Und er hat das Charisma und die Ruppigkeit seines Vorbilds.

Klaus Ehringfeld



Kommentare
07.03.2013
15:07
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von Futabakai | #21

Vielleicht denkt man doch einmal leise darüber nach, ob nicht doch ein wenig nachgeholfen wurde? Gut geeignet, von "Schlapphüten" evtl. gern verwendet, sind Nitrosamine!
Allein nicht gefährlich, erst bei Metabolisierung durch Zugabe von Cytochrom.
Nach kurzer Zeit schwer bis gar nicht nachweisbar, man diagnostiziert nur Krebs + Metastasen!!!

07.03.2013
09:38
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von bloss-keine-Katsche | #20

Immer wenn ein Land durch den Westen, insbesondere USA, bokoytiert wird,
kann man die Hoffnung haben, dass er für die Ärmsten der Armen, die Mehrheit und echte Demokratie aufwärts geht,
Hugo Chaavez konnte seine Arbeit nicht vollenden.

06.03.2013
21:49
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von bengor | #19

Wie Chavez in einem Interview im Jahr 2004 ausführte, steht die Existenz einer reichen Minderheit und einer verarmten Mehrheit den Grundprinzipien der Demokratie entgegen, wobei es zur Lösung des Problems zwei Möglichkeiten gibt: »entweder man reduziert die reiche Minderheit oder die Demokratie.

Beides ist Chávez gelungen.

1 Antwort
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von Ani-Metaber | #19-1

Deswegen hatte sich die jetzige Opposition bei den erst wenige Monate zurückliegenden Wahlen auch erhofft, siegen zu können.
Sie muss wohl übersehen haben, dass die Demokratie abgeschafft worden ist und freie Wahlen somit gar nicht stattgefunden haben können.
Geradezu schizophren mutet es dabei an, dass sie dann auch noch ihre Niederlage bei dieser eigentlich gar nicht möglichen Wahl anerkannt hatte.

Nicht gelungen hingegen war vor Jahren der versuchte Militärputsch gegen die freigewählte Regierung Venezuelas und das, obwohl die USA die neu ausgerufenen Regierung flugs anerkannte.
Sie musste aufgrund der Proteste im Land alsbald das Feld räumen.

06.03.2013
18:25
Endlich eine reale Chance für Venezuela
von movienrz | #18

Egal ob Rio de Janeiro, Buenos Aires oder Bogota:praktisch alle lateinamerikanischen Metropolen – egal ob links oder rechts regiert – boomen seit langem um die Wette. Caracas im Gegensatz dazu stagniert wie ganz Venezuela. Ein großer Teil der Ölmilliarden versickert im venezolanischen Korruptionssumpf. Ein Großteil der Wirtschaft ist verstaatlicht. Private Investitionen bleiben aus Angst vor weiteren Verstaatlichungen fern.

Die Armut ist dagegen geblieben, Profiteure des Systems sind linientreue Funktionäre; wie immer und überall in allen "sozialistischen" Systemen. Gewalt und Kriminalität haben dagegen unter dem Sozialismus in Venezuela die absolute Spitze erreicht.

Nur realitätsferne linke Spinner können diesem Land "ein weiter so" wünschen. Der Tod von Chávez ist das Beste, was Venezuela seit langem passiert ist.

2 Antworten
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von GregoryHouse | #18-1

Ja, genau...gähn! Wer sind denn die "Profiteure" in den USA? Das gemeine Volk? LOL!

Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von Ani-Metaber | #18-2

Von einem Wirtschaftsboom dürfen die Einwohner Argentiniens, aber auch viele in Kolumbien eher träumen, als dass dieser Realität wäre.

Man darf aber gerne mal die Frage stellen, was eigentlich vor der Regierungszeit von Chaves in Venezuela auf dem Hintergrund jahrzehntelanger Erdölexporte in die USA aufgebaut worden ist.

Wie konnte es da vor der Wahl von Chavez zu Hungerdemonstrationen in Venezuela kommen?

06.03.2013
17:29
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot...
von Humankapital | #17

...aber es ist schon eigenartig, welch kurze Lebenserwartung so manch missliebige Person hat.
Es kann natürlich Zufall sein, dass Arafat eines ungeklärten Todes starb, dass Milosevic plötzlich während der Haft ablebte und der böse Chavez verschied.
Leider werden Grosskriminelle und Obermafiosi wie Kissinger dagegen steinalt...

06.03.2013
12:30
Anhänger hatte Chávez zum Schluss fast nur noch unter den Habenichtsen
von gudelia | #16

54% haben ihn gewählt, also sind ca. 54% der Venezolaner Habenichtse.
Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen. Da weiß man wessen Lied hier gesungen wird.

1 Antwort
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von Ondramon | #16-1

Guter Zirkelschluß! Damit hast Du Dich für den diesjährigen Bundeswettbewerb Philosophie in der Unterstufenklasse qualifiziert.

Fein gemacht!

06.03.2013
12:19
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von aberlouer | #15

"Da kann man Venezuelas Bevölkerung nur Mut wünschen!"

Genau! Und vor allem die Kraft, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.


06.03.2013
11:53
Er wollte ein Held für das Volk sein,
von Ani-Metaber | #14

indem er für das Wohl der vielen und einfachen Leute eintrat.
Mann mag sich streiten, ob ihm das besser hätte gelingen können, aber mich interessiert mehr, ob man ihm von Berlin aus darin in den vergangenen 14 Jahren jemals geholfen hat?

Über Länder, wo weite Teile der Bevölkerung an Hunger leiden, während die Oberschicht mit Luxus prasst, ist seltener zu lesen, es handele sich um ein gespaltenes Land – und dennoch ist es nicht gelungen, Chavez als Bösewicht darzustellen.

Und er hat auch keine Diktatur geschaffen – davon aber hat Lateinamerika schon viele erleben müssen, deren Führer – eben weil sie reaktionär und konservativ waren - im Westen darüber hinaus weit mehr gelitten waren.

Mögen die Worte aus Washington und Ottawa nicht als böses Omen verstanden werden für das, was man dort nun gegenüber Venezuela vorhat.

Und was glaubt man, wird nun das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium in Berlin im Schilde führen?

Da kann man Venezuelas Bevölkerung nur Mut wünschen!

06.03.2013
11:38
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot
von aberlouer | #13

Es ist immer wieder interessant, wie von einigen Schreiberlingen hier, ein in freien und demokratischen Wahlen mit großer Mehrheit mehrfach wiedergewählter Präsident, als "übler Diktator" beschimpft wird.

06.03.2013
09:11
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Name von Moderation entfernt | #12

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