Woche der Trauer - erste Opfer des Amoklaufs beigesetzt
18.12.2012 | 07:39 Uhr 2012-12-18T07:39:00+0100
Washington. Nach dem Amoklauf von Newtown ist Barack Obama der Trostspender der Nation. In der Aula der Highschool von Newtown sprach der US-Präsident das Wort „Waffengesetze“ nicht aus. Aber jeder wusste, was gemeint war, als er sagte, tausende Opfer von Waffengewalt „dürfen nicht der Preis unserer Freiheit“ sein.
Die Sonne vom Wochenende hat sich verzogen. Wie aus Scham. Kalter Nieselregen liegt über Newtown. Der Himmel ist so grau wie eine Tiefgaragendecke, als Rabbi Shaul Praver am Mittag vor seiner bisher schwersten Prüfung steht. Noah Pozner. Sechs Jahre alt. Geworden vor drei Wochen, gestorben am Freitag.
Das erste Kind aus der Sandy-Hook-Grundschule, das nach dem Massenmord von Adam Lanza beerdigt wird . Jack Pinto, ebenfalls sechs, ist eine Stunde später an der Reihe. 18 weitere folgen. Achtzehn. Ein quälender Trauermarathon, der nicht enden wird, bevor die Christenheit die Geburt des Heilands feiert.
Rabbi Praver will den Eltern geben, was er „spirituelles Morphium“ nennt. Mehr gehe nicht. Und selbst die Höchstdosis kann den Schmerz nur für den Augenblick lindern. Aber der Augenblick ist wichtig in dieser verwirrten und aufgewühlten Kleinstadt im beschaulichen Connecticut, die auch am Tag drei nach der Tragödie weiter fragte: Warum?
Präsident Obama findet sich wieder in der Rolle des Trostspenders
Barack Obama hat es am Vorabend erst gar nicht versucht mit einer Antwort . Welchen Sinn kann der zigfache Tod auch haben in einem Haus, in dem die Jüngsten für das Leben lernen? Zum vierten Mal in vier Jahren übernahm Amerikas Präsident nach nationalen Gewaltorgien eine Rolle, die ihm selbst seine Feinde nicht wünschen. „Comforter in Chief“, oberster Trostspender der Nation. Erst als Vater und Ehemann im Privaten für jene, denen alles genommen wurde. Dann, vor knapp 1000 Einwohnern in der Aula der Highschool von Newtown, als Präsident und Lotse in schwerster Stunde.
„Wir haben mit euch geweint“
Obama beließ es diesmal nicht beim Erwartbaren in der Tonlage „Ihr seid nicht allein, auch unsere Herzen sind gebrochen, wir haben mit euch geweint.“ Der Tod der Kinder von Newtown hat den Präsidenten im Inneren radikalisiert , entschlossen gemacht, zu ändern, was viele für unabänderlich halten. Das Wort „Waffengesetze“ fiel nicht ein einziges Mal. Aber jeder im Saal wusste, was gemeint war, als Obama sagte: „Wir können das nicht länger tolerieren, diese Tragödien müssen ein Ende haben.“ Tausende Opfer von Waffengewalt „dürfen nicht der Preis unserer Freiheit“ sein. „Alles“ in seiner Macht stehende werde er tun, um Katastrophen wie Newtown in Zukunft zu verhindern. „Unsere erste Aufgabe ist es, die Unversehrtheit unserer Kinder zu gewährleisten. Wenn wir das nicht schaffen, schaffen wir gar nichts.“
In seiner bewegenden Rede sorgte Obama mit einer Anekdote für Zuversicht: Ein Erstklässler, sagt er, hat auf dem Siedepunkt des Massakers seine Klasse mit den Worten beruhigt – „Ich kann Karate, ich führe uns hier heraus“.
Der kaum verschleierten Kampfansage des Präsidenten an die mächtige, seit Tagen schweigende Waffen-Lobby folgten Applaus, Tränen und praktische Ankündigungspolitik. Diane Feinstein, Kaliforniens ehrbare Senatorin der Demokraten, wird beiden Kammern des Parlaments im neuen Jahr ein Gesetz vorlegen, das den Verkauf militärischer Schnellfeuerwaffen verbieten würde, wie sie Adam Lanza benutzt hat. Machen die Republikaner mit? Fraglich.
Lanza bleibt einstweilen ein Rätsel . Paul Vance, der Polizeisprecher, sagt am späten Morgen, nach wie vor seien weder Tathergang noch Motiv verlässlich geklärt. Die Fahnder sprächen mit jedem, der die Vergangenheit des 20-jährigen Massenmörders ausleuchten könne. Manches gerät bereits an die Medien. So erfährt die Welt, dass der dürre Mann mit den eingefallenen Wangen einen hohen Intelligenzquotienten gehabt haben muss. Mit 16 schrieb er sich an der Western Connecticut State-Universität ein. Amerikanische Geschichte, Makro-Ökonomie, Computer-Wissenschaften – und Deutsch.
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Wie sieht es mit folgender Meldung aus:
"Am Donnerstag verübten nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur SANA Terroristen in Katana, einem Vorort von Damaskus, einen Autobombenanschlag in der Nähe einer christlichen Schule, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen und weitere 23 schwer verletzt wurden. Unter den Toten befinden sich auch sechs Kinder."
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Mit achtzehntausend toten Kindern, die täglich weltweit an Hunger oder im Kreig sterben, lebt man eigentlich besser als mit zwanzig Kindern, die an einen Tag aus der Mitte unserer westlichen Wohlfühlgesellschaft gerissen werden.