Schwarzeneggers Biographie - Totale Erinnerung? Eitles Geschwafel!
02.10.2012 | 09:17 Uhr 2012-10-02T09:17:23+0200Washington. Er war "Terminator", er war Gouverneur von Kalifornien und er war sich für eine Affäre nie zu schade. In seiner am Donnerstag erscheinenden Biographie tut Arnold Schwarzenegger alles, nur: sich "total erinnern“, wie es der Titel verspricht, das nun gerade überhaupt nicht.
Wer sich bis Seite 624 durchgehantelt hat, dem schwillt statt Trapezius die Zornesader. Dieses Buch saugt einem das letzte Protein aus dem Leib. „Totale Erinnerung: Meine unglaublich wahre Lebensgeschichte“ hat Arnold Schwarzenegger nach einem seiner Hollywood-Kassenschlager seine seit Tagen scheibchenweise vermarktete Biographie überschreiben lassen. Was da am Donnerstag auch in deutschen Buchläden in die Regale gewuchtet wird, grenzt schon im Titel an dreiste Irreführung.
„Selektive Wahrnehmung“ wäre auch noch gestrunzt. Was der weltweit populärste Österreicher seit Wolfgang Amadeus Mozart dem Publikum vorsetzt, ist so weit von jedem ehrbaren Versuch der kritischen Selbstbefragung entfernt, dass man feststellen muss: Anabolika mögen gewiss viele Zellen tüchtig aufpumpen, die grauen "da oben" nicht.
Schwarzeneggers Buch ist eine ermüdend zu lesende Litanei
Anstatt mit sich ins Gericht zu gehen, die Sucht nach fremden Röcken und permanenter Eroberung einzuräumen und so vielleicht Sympathie durch ehrliche Reue einzusammeln, meißelt sich der Ganzkörpermuskel von einst geschmacklos seinen eigenen Mount Rushmore. Rausgekommen ist nur ein Waschbrettkopf. Die ermüdend zu lesende Litanei, die sich von einem Mr. Olympia-Titel zum folgenden, von einer Promi-Begegnung zur nächsten krampft, ist an keiner Stelle gut definiert.
Wenn Arnie gegen alle Versprechungen eines nicht tut, nicht tun will oder kann, dann sich öffentlich an alles lückenlos erinnern. Schon gar nicht an die unterleibsbezogenen Episoden, die er selbst seit Tagen durch den Mediendurchlauferhitzer jagt. Und denen sich der Hauptdarsteller in der US-Fernsehreihe „60 Minuten“ mit dem lapidar-notgeilen Satz „Ich bin nicht perfekt“ zu entwinden suchte.
Schwarzeneggers Affäre Mildred Beana war einfach nur „da“
Wer gehofft hat, dass der Polizistensohn aus der Steiermark den Seitensprung mit seiner Haushälterin, aus dem ein inzwischen 15-jähriger unehelicher Sohn, Joseph, und eine Scheidung erwachsen ist, in Kapitel 29 nachvollziehbar erklären würde, der wird enttäuscht. Schwarzenegger war 1996 während der Dreharbeiten zu „Batman & Robin“ daheim in Los Angeles, Maria Shriver, Gattin und Mutter seiner vier Kinder, nicht. Und Mildred Beana war einfach nur „da“. Tja. Boris Beckers Londoner Besenkammer-Kapriole klingt dagegen fast verwegen.
Das zusammen mit dem Journalisten Peter Petre geschriebene Buch leidet im Original stilistisch an der zwischen hastigem Daumenkino und Altmänner-Poesiealbum pendelnden Referenten-Sprache, die mutmaßlich auch kein deutscher Übersetzer wirklich veredeln kann. Inhaltlich wiegt die Enttäuschung umso schwerer, weil die unbestritten Respekt abnötigende Karriere der Hauptperson – Bauerntrampel aus Graz wird Mr. Universum, erobert Amerika, erst als Muskelprotz, dann als Immobilienhai und später als Actionkino-Held, heiratet zwischendurch eine Power-Frau aus dem mächtigen Kennedy-Clan, lernt dort das politische Handwerk und wird Gouverneur von Kalifornien – von Autoren wie Lawrence Leamer und Marc Hujer längst weit akkurater und detaillierter ausgeleuchtet worden ist.
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14:24
Na, da schiebt aber irgendwer kräftig Frust, dass so ein "unterbelichteter" Grazer dermaßen erfolgreicher auf allen Ebenen ist, gelle?!??!? Und übrigens, Erfolg zeichnet sich auch hierbei allein durch die späteren Verkaufszahlen ab, die sicherlich besser ausfallen dürften, als irgendwelche "Feuchtgebiete" oder "Schoßgebete"!!!
12:32
Schwarzenegger ist Ihrer Meinung nach also der berühmteste Österreicher seit Mozart?
Mal abgesehen davon, dass Mozart nie Österreicher war (Salzburg gehörte damals zu Bayern), haben Sie da nicht Jemanden vergessen: Hitler, Adolf?
Den Bekanntheitsgrad von Johann Hölzel sollte man dabei auch nicht unterschätzen, obwohl er auch schon 14 Jahre tot ist.
Also, was die Beliebtheit und das musikalische Vermögen angeht, haben Sie natürlich völlig recht!
Aber was den internationalen(!) Bekanntheitsgrad angeht, liegt "Ar...ie" wg. der Filme wohl doch noch hauchdünn vor Falco.
09:59
Was haben die Medien von diesem mittelmäßigen Schauspieler, der einen schlechten Gouverneur sehr gut spielte, denn Besonderes erwartet ? Solche Flachtypen haben doch nicht die geringste Selbsterkenntnis geschweige denn einen Tropfen Selbstkritik. Der Mann würde sich auch unter den Gorillas im Duisburger Zoo als "Der Größte" gebärden.
09:53
Was soll denn diese Aufregung? Sogenannte Lebenserinnerungen sind immer geschönt...