Romney setzte auf dosierte Attacken
2012-10-04T06:59:52+0200
Selbst Experten in den Fernsehsendern, die live übertrugen, hatten Mühe, der Faktenhuberei zu folgen und den Wahrheitsgehalt beizeiten einzuschätzen. Darauf, so die vorherrschende Meinung vieler US-Medien, kam es jedoch bei dem ersten direkten Vergleich im Fernsehen auch nicht so sehr an. Eher sei wichtig, wie etwas gesagt wird und mit welcher Körpersprache.
Romney verfolgte von Beginn an die Strategie der dosierten aber beständigen Attacke. Er redete durchweg schneller, drängender im Ton und packte seine Sätze randvoll mit Pathos und Details. "Ich mache mir Sorgen um die Zukunft Amerikas." Sein Gesichtsausdruck verriet Ungeduld und inneres Kopfschütteln. Obama hielt sich an die Taktik Kommen-lassen-und-ausbremsen. Er sprach oft langsam und kompliziert und verhaspelte sich gelegentlich sogar. Seine Botschaft an das Fernsehvolk: Romneys Plan ist deshalb diffus, weil er mit den Grausamkeiten hinter dem Berg hält. Romney werde den Staat kaputtsparen, die Mittelklasse in noch mehr Bedrängnis bringen und die Reichen begünstigen.
Beharrlich warf Obama seinem Kontrahenten vor, dass dessen Steuer- und Sparpläne den Staat ausbluten und die sozial Schwachen auf sich zurückwerfen würden . Romney, der schlagfertiger wirkte, versuchte Obamas unablässigen Breitseiten mit dem Pauschal-Hinweis zu entgehen: „Alles, was Sie sagen, Mr. President, ist nicht korrekt.“
Keine peinlichen Fehler
Sprachliche Glanzlichter blieben aus dieser ersten Debatte nicht zurück. Zu kleinteilig, zahlenlastig und letztlich undurchführbar geriert der Versuch, etwa die gewaltigen Unterschiede in der Gesundheitspolitik abseits von Schlagworten erschöpfend in zwei Minuten abzuhandeln. Die Rivalen vermieden bei aller sachlichen Härte auf die Person zielende Angriffe und peinliche Fehler, die ihnen am Tag danach auf allen Sendern zigmal vorgeführt worden wären. Die Anrede und der Umgang waren höflich und an keiner Stelle, analog zum politisch vergifteten Klima im Land, ehrabschneidend.
Obama schloss sogar mit eine Prise Ironie auf eigene Kosten: „Vor vier Jahren habe ich gesagt, dass ich kein perfekter Mensch bin und dass ich kein perfekter Präsident sein werde. Das zumindest ist ein Versprechen, von dem Gouverneur Romney meint, dass ich es eingehalten habe.“ Die Kommentatoren der großen Fernseh-Sender von CNN bis Fox News versagten sich in der ersten Reaktion eine inhaltliche Würdigung, erklärten Romney gleichwohl fast einstimmig zum Sieger.
Zweite Debatte am 16. Oktober
Welche Aussagekraft die Wähler der Debatte beimessen, werden erst umfangreichere Umfragen in den nächsten Tagen zeigen. Möglich, dass beide Teilnehmer es übertrieben haben: Romney die Aggressivität, Obama das passive Weglächeln. Am 16. Oktober findet in Hempstead auf Long Island/Bundesstaat New York die zweite Debatte statt ; diesmal als "Townhall-Meeting" mit Bürgerfragen.
Das dritte Aufeinandertreffen zur Außenpolitik ist für den 22. Oktober in Boca Raton in Florida geplant. Wahlforscher warnen davor, die TV-Debatten in ihrer Bedeutung zu hoch zu veranschlagen. In 50 Jahren hätten diese Duelle erst zweimal messbar den Wahlausgang beeinflusst.
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14:00
Wenn man eine Bevölkerung nur lange genug über Jahre und Jahrzehnte politisch - ökonomisch - verdummt und desinformiert ,dann kann auch ein Multimillionär Romney ,der sein Vermögen in großen Teilen auf den Cayman -Islands nicht versteuern läßt ,bei so einer Bevölkerung mit billigsten Vereinfachungen und purer Demagogie punkten.
Die amerikanischen Oligarchen - Klasse wird dies freuen.
12:50
Den Wählern, die sich tatsächlich von einem TV-Duell beeinflussen lassen, gehört das Recht zum Wählen entzogen.
@5
Anscheinend suchen die eher einen Entertainer, wenn ich an so manche Wahlveranstaltung denke, über die hierzulande berichtet wurde.
10:29
Dieser Artikel ist ein weiteres Zeugnis für den Untergang der Demokratie.
Es kommt also nicht darauf an, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird.
Ja, verdammt noch mal, suchen die einen Entertainer oder einen Präsidenten?
Und Diskussionen über Details der Gesundheitsreform wird vom Autor als "Faktenhuberei" verunglimpft. Fakten? Wen interessiert so etwas? Hauptsache, die Fabe der Krawatte stimmt.
Ich weiß ja, dass das "einfache Volk" oft so reagiert. Aber müssen "politische" Journalisten das eigentlich mitmachen?
Übrigens scheint es, dass auch in Deutschland die Kandidaten mittlerweile nach ihrer Verwendungsfähigkeit für das TV-Duell ausgesucht werden.
09:59
Steuerbetrug, Bürgerbeleidigung, Arroganz - alles scheissegal:
Die Amerikaner beweisen, dass weisse Zähne und ein geschliffener Auftritt sogar die gröbsten Verstöße gegen die Ethik nichtig werden lassen.
Aber prinzipiell ist ja auch scheissegal, wer den US-Bürgern die nächsten Rechte entzieht und die Lügen verbreitet, die den kommenden Angriffskrieg rechtfertigen... Vielleicht kriegt der Romney vorab schonmal den Friedensnobelpreis... Nicht, dass er dann "richtig" Krieg führt und nicht nur so ein bisschen, wie Kollege Obama...
09:04
Dunkle Anzüge mit rote Krawatten stehen für Machtdemosntrationen - weiss jedes Kind.
Diese rommney ist ein typischer Politiker - alles was der Gegner macht ist schlecht - aber besser machen wird er es auf jeden Fall kann aber nicht erklären wie.
Wenn dieser Typ an die Macht kommt, dann gute Nacht Welt.
08:48
Bei der Presseschau heute morgen im Deutschlandfunk hörte sich das nicht ganz so Euphorisch an
...kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Gut, dass das so ist.
07:37
Die Fernsehdebatte Obama versus Romney war in Denver? Kennt das jemand? Ich dachte immer, so was findet drüben in Las Vegas statt...oder bei McDonalds.