Obama kämpft sich in zweitem TV-Duell gegen Romney aus dem Tief
17.10.2012 | 07:36 Uhr 2012-10-17T07:36:20+0200
Hempstead/Long Island. Die zweite Fernseh-Debatte zwischen US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney ist nach ersten Umfragen mit einem klarem Sieg des Amtsinhabers geendet. Obama zeigte sich angriffslustig und schlagfertig, Romney dagegen oft ungehalten und arrogant.
Mit dem Rücken zur Wand hat sich US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend in der zweiten Fernseh-Debatte im Wettstreit um das Weiße Haus voller Angriffslust und Schlagfertigkeit gegen seinen Herausforderer Mitt Romney aus dem Tief gekämpft.
In ersten Umfragen erhielt der Amtsinhaber bessere Noten als sein Kontrahent von den Republikanern. Vor allem bei den so genannten „independents“, den Wechselwählern, die bei der Wahl am 6. November den Ausschlag geben dürften, hat er gepunktet: 46 Prozent sahen ausweislich einer Blitzumfrage des Kabelsenders CNN in ihm den Gewinner, 39 Prozent hielten Romney für besser.
Viele hätten Obama nicht so stark erwartet
Bemerkenswert: Über 70 Prozent der Befragten sagten, sie hätten Obama keinesfalls so stark erwartet. Die Premiere vor zwei Wochen in Denver hatte Romney noch für sich entschieden. Dem dritten und letzten Aufeinandertreffen am nächsten Montag in Boca Raton/Florida kommt damit entscheidende Bedeutung zu. Dann geht es ausschließlich um Außenpolitik - Obamas Domäne.
Überraschend kamen die knapp 15 Fragen nicht. Jedenfalls nicht für Moderatorin Candy Crowley. Die CNN-Journalistin hatte die 80 Teilnehmer des „Townhall“-Meetings am Morgen in Empfang genommen. Die Männer und Frauen stammen allesamt aus Nassau County, dem Bezirk auf Long Island, in dem die Universität liegt.
Sie waren vom Meinungsforschungs-Institut Gallup ausgesucht worden. Einzige Bedingung: Sie mussten in vorausgegangenen Telefoninterviews glaubhaft nachweisen, dass sie noch unentschlossen sind, wen sie am 6. November wählen werden. Jeder Teilnehmer notierte seine Frage auf einer Karteikarte. Crowley entschied nach eigenem Gusto, welche Frage im Rahmen der 90-minütigen Debatte gestellt werden durfte.
Obama und Romney hatten jeweils zwei Minuten Zeit für die erste Antwort. Die Zeitkontingente wurden ständig überzogen. In einem 20-seitigen Vertrag hatte die ausrichtende Debatten-Komission mit den Vertretern der beiden Wahlkampagnen zuvor sämtliche Details bis zu den erlaubten Kamera-Einstellungen festgelegt.
Experten hatten Obama vor dem an der Hofstra Universität in Hempstead im Bundesstaat New York ausgetragenen Rededuell in der Zwickmühle gesehen. Einerseits wurde der Amtsinhaber gedrängt, deutlich aktiver und leidenschaftlicher gegen seinen Herausforderer vorzugehen. Andererseits galt das diesmal gewählte „Townhall-Format“, bei dem 80 handverlesene, noch unentschiedene Wahlberechtigte vorsortierte Fragen an die Kandidaten stellen durften, unter Wahlkampf-Strategen als ungeeignet, um allzu bissige Atttacken gegen den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts zu reiten. Obama tat es trotzdem. Und zwar von der ersten Minute an.
Mitt Romney war in der zu einem Fernsehstudio mit Livepublikum umgebauten Turnhalle der Universität auf Long Island noch gar nicht richtig in Redefluss gekommen, da hatte Obama ihm - es ging um die Energieförderung im eigenen Land - zum ersten Mal die „reine Unwahrheit unterstellt“. „Obamas roter Faden war diesmal stark und fest“, bilanzierte nach 90 Minuten ein weder den Demokraten noch den Republikanern verpflichteter Lobbyist, „lege die Widersprüche deines Gegner frei, zeige allen, wie geschmeidig sich Mitt Romney in seinen Überzeugungen an die jeweiligen Erfordernisse angepasst hat.“
Romney wirft Obama-Regierung Verschleierung in Libyen-Frage vor
Beispiel China. Romney rühmt sich seit Monaten, China auf dem Parkett der Welthandelsorganisation als „Währungs-Manipulator“, „Patente-Abstauber“ und „Arbeitsplatzräuber“ anzuschwärzen. Obama konterte kühl, dass Romney privat Geld in chinesische Firmen gesteckt habe und daher allenfalls bellen, aber nie beißen werde. „Sie sind der Letzte, der hart gegen China auftreten wird“, sagte Obama.
Auch in der innenpolitisch heftig debattierten Libyen-Frage, die ein Bürger aufbrachte, ließ sich der Amtsinhaber den Schneid nicht abkaufen. Romney hielt der Obama-Regierung vor, verschleiert zu haben, dass es sich bei den tödlichen Angriffen auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September um einen Terroranschlag gehandelt hätte. Dabei verhaspelte sich Romney und verbog die Tatsachen. Obama, sonst meist gelassen lächelnd auf dem roten Teppich der Studio-Arena unterwegs, wurde scharf und kurz angebunden. „Die Andeutung, dass jemand in meinem Team irreführend gehandelt hat, als wir vier unserer Landsleute verloren haben, ist eine Beleidigung.“ Als Romney nachsetzte, beschied Obama ihn mit: „Lesen Sie die Redeprotokolle.“ Moderatorin Candy Crowley pflichtete Obama bei. Ein Raunen ging durch den Saal. Romney wirkte ab diesem Moment verunsichert. „Wie konnte er das nur vermasseln?“, twitterte die bekannte republikanische Propagandistin Laura Ingraham.
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11:49
Natürlich geht es auch um Show. Man muss aber bedenken, dass in einem Präsidialsystem mit entsprechender Betonung der Exekutive ein solches Aufeinandertreffen der politischen Kontrahenten durchaus Sinn macht. Während wir in Deutschland ja nicht den Bundeskanzler sondern den Bundestag wählen. Zudem gibt es in den USA eine wandere Kultur der öffentlichen politischen Rede. Das alles als Kasperletheater zu denunzieren, zeugt eigentlich nur von eigener Kleingeistigkeit oder Unkenntnis.
10:36
Muppet-Show
von Ihnen habe ich auch keinen qualifizierten und vielleicht sogar intelligenten Kommentar erwartet.
08:48
Die Amis lieben Show. Deshalb bekommen sie in ihrer Politik genau das geliefert. Was solls? Schließlich sind auch dort die meisten Politiker nur Marionetten von Wirtschaftsinteressen.
08:29
...und wer ein anderes Volk als komplett begrenzt bezeichnet, ist freilich selbst bestens gebildet und stets um eine differenzierte Meinung bemüht.
Oder vielleicht doch nicht?
08:17
Herrlich, dieses Schaulaufen, genau nach dem Geschmack der "begrenzten" US-Amerikaner. Möge der bessere Schauspieler, Teleprompter-Ableser, Grinser und Vorgaukler gewinnen, Politik wird eh völlig überbewertet.
Herrlich, 300 Millionen Amerikaner sind doof, nur man selbst ist ja soooooo klug.
Vermutlich sind Sie noch niemals in den USA gewesen, kennen weder Land noch Leute, maßen sich aber ein Urteil an.
Wer solche Vorurteile von sich gibt, hat sich selbst vollkommen disqualifiziert.
08:11
Breaking News... In China fiel soeben ein Sack Reis um...
Wir haben genug Themen die uns alle direkter betreffen als der Wahlkampf in USA, wo doch nur zwischen dem konservativen und dem anderen konservativen gewählt werden kann. Und das auch nur indirekt.
Aber warum kommentieren Sie dann zu einem Thema, das Sie nicht interessiert?