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Geiselhaft

Nach Entführungsfall von Cleveland Kritik an Polizei

08.05.2013 | 16:49 Uhr
Nach Entführungsfall von Cleveland Kritik an Polizei
Nachbarn wollen die Polizei mehrfach auf seltsame Vorgänge in dem Haus in Cleveland aufmerksam gemacht haben, aus dem die drei gefangenen Frauen befreit wurden.Foto: afp

Washington/Cleveland.  Nach der Befreiung von drei entführten Frauen aus jahrelanger Gefangenschaft ist in den USA Kritik an den Ermittlern laut geworden. Nachbarn gaben an, die Polizei mehrmals auf eigenartige Vorgänge in dem Haus der drei tatverdächtigen Brüder in Cleveland (Ohio) aufmerksam gemacht zu haben. Die Polizei Cleveland wies die Vorwürfe zurück.

Das Martyrium, das die in Untersuchungshaft sitzenden Brüder Castro ihren drei weiblichen Gefangenen über zehn Jahre in der Seymour Avenue von Cleveland beschert haben sollen, bekommt erste Konturen. Wie der Fernsehsender WKYC im US-Bundesstaat Ohio unter Berufung auf Polizei-Kreise und Stadtbedienstete berichtet, haben Ariel, Pedro und Onil Castro die drei Frauen - Amanda Berry, Georgina DeJesus und Michelle Knight - über Jahre in wechselnden Konstellationen zum Sex gezwungen.

Daraus seien bis zu fünf Schwangerschaften entstanden. Weil die Männer die in einem verriegelten Kellergeschoss im Haus von Ariel Castro teilweise wie Sklavinnen in Ketten gehaltenen und mit Seilen gefesselten Frauen getreten und geschlagen haben sollen, hätten mehrere ungeborene Kinder nicht überlebt. Clevelands Polizeichef Michael McGrath hat den Fund von Seilen und Ketten am Mittwoch bestätigt, nicht aber die Sicherstellung von Körper-Überresten.

Einzelheiten aus dem Vorleben des 52-jährigen Ex-Schulbusfahrers und Bassisten einer Salsa-Band, dessen Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus Puerto Rico in die USA eingewandert sind, weisen jedoch stark auf eine gewalttätige Ader hin. 2005 war Castro angeklagt, seine damalige Frau Grimilda brutal verprügelt zu haben, mit der er drei Kinder hat. Von einer gebrochenen Nase, gebrochenen Rippen und einem Blutgerinsel im Schädel des Opfers ist in den Polizeiakten die Rede, schreibt die Zeitung „The Plain Dealer“.

Tochter eines Verdächtigen war mit Opfer Georgina befreundet

Irritiert registrierten die Fahnder, die mit den drei am Montagnachmittag befreiten Frauen noch keine ausführlichen Verhöre geführt haben, dass eine der Töchter Castros, Emily, wegen versuchten Mordes zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Sie hatte 2007 ihrer elf Monate alten Tochter die Kehle durchgeschnitten.

Die andere Tochter, Arlene, hatte 2004 in der Fernsehsendung „America's Most Wanted“ ausgesagt, dass sie die letzte Person sei, die Georgina DeJesus vor ihrem Verschwinden 2004 gesehen habe. Die beiden waren Schulkameradinnen. Ob Arlene Castro wusste oder ahnte, dass ihr Vater für die Entführung der damals 14-Jährigen verantwortlich war, sollen die weiteren Ermittlungen ergeben.

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Als sie vor rund zehn Jahren zuletzt gesehen wurden, waren sie teils noch Teenagerinnen - nun sind drei junge Frauen in den USA nach jahrelanger...

Je mehr von diesen Details öffentlich werden, desto stärker gerät die Polizei ins Scheinwerferlicht. Verschiedene US-Medien thematisieren die Frage: Haben die Sicherheitsbehörden Warnsignale übersehen und Castro nicht intensiv genug auf den Zahn gefühlt, seit die jungen Frauen zwischen 2002 und 2004 in der Umgebung seines Hauses verschwunden waren?

Wegen einer Ruhestörung und Verfehlungen am Arbeitsplatz (Castro hatte als Schulbusfahrer ein Kind mehrere Stunden sitzen lassen und war später dafür gefeuert worden) suchte die Polizei nach eigenen Angaben das Haus in der Seymour Avenue zweimal auf, in dem Berry, DeJesus und Knight in einem ausbruchssicheren Bereich im Kellergeschoss festgehalten worden sein sollen. Beide Untersuchungen verliefen laut dem TV-Sender ABC im Sande, „die Beamten betraten die Wohnung nicht“.

Nachbarin sah nackte Frau durch den Garten kriechen

Das gilt auch für zwei Situationen, nach denen Nachbarn den Notruf 911 benutzt hatten. Einmal sah Elsie Nelson von gegenüber einen nackte Frau im Garten Castros auf den Knien kriechen. „Die Polizei nahm mich nicht ernst“, sagte sie dem „Plain Dealer“. Ende 2011 sah Annita Lugo, ebenfalls eine Nachbarin, in Castros Haus hinter einem von innen mit Holzplanken und Plastikplanen verbarrikadierten Fenster eine Frau mit einem Baby; möglicherweise die in der Gefangenschaft gezeugte Tochter der entführten Amanda Berry. Die herbeigerufene Polizei sei wieder abgezogen, als niemand öffnete, berichtet die „New York Times“. Clevelands oberster Sicherheitschef, Martin L. Flask, erklärte hingegen, dass die städtischen Akten keine Hinweise auf Auffälligkeiten am oder im Hause Castro enthalten.

Caesar Castro, Onkel der Verdächtigen, kann nicht fassen, was seine Neffen getan haben sollen: Die dunkle Seite haben wir erst gesehen, als es zu spät war. Foto: rtr

Andere Nachbarn wie Juan Perez wiederum behaupten, dass Ariel Castro gerade mit Kindern „sehr gut umgegangen“ sei und sogar ein Vorbild-Funktion im Viertel besessen habe. Auf der Facebook-Seite des mutmaßlichen Anführers der drei Brüder ist ein Eintrag von Anfang Mai zu lesen, in dem er seinen fünf Enkelkindern gratuliert. Castros Onkel Julio, seit Montag von Fernsehreportern umlagert, zeigte sich erschüttert über die die Verwicklung seines Neffen in den schlimmsten Fall von Freiheitsentzug und fortgesetztem sexuellen Missbrauch der vergangenen Jahr in den USA. Seine Erklärung: Ariel hatte zwei Gesichter. „Die dunkle Seite haben wir erst gesehen, als es zu spät war.“ Ariel Castro und seine Brüder sollen in den kommenden Tagen offiziell angeklagt werden: Vergewaltigung, Freiheitsentzug, Körperverletzung sind nach Angaben von Rechtsexperten nur einige der erwartbaren Anklagepunkte.

Dirk Hautkapp

Kommentare
09.05.2013
00:46
Nach Entführungsfall von Cleveland Kritik an Polizei
von Carlos8833 | #5

@ # 3
Sie schreiben viel, was den/die Täter angeht.-Die Opfer erwähnen sie nicht mit einem Wort.-
Für mich werden die Menschenrechte fast...
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2 Antworten
Menschenrechte 01
von Stefan2 | #5-1

Pucky2 bezieht sich auf einen Kommentar, in dem es um die Täter geht. Sie müssen sich also nicht wirklich wundern, wenn es in seinem oder ihrem Kommentar ebenfalls um die Täter geht.

In dem Kommentar, auf den Pucky2 sich bezieht, wird, wenn ich ihn richtig verstanden habe, begrüßt, dass in den USA die Täter eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen würde. Das ist ein krasser Verstoß gegen die Menschenrechte der Täter.

Drastische Strafen, wie sie in Foren wie diesem manchmal gefordert werden, führen mitnichten zu einer Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung der inneren Sicherheit. Sie lassen die Kriminalität steigen, nicht sinken. Zum Einen gehen viele Täter davon aus, so genial geplant zu haben, dass sie nicht erwischt werden.

Menschenrechte 02
von Stefan2 | #5-2

Zum Anderen gibt es auch viele Täter, die es eigentlich - oft unbewusst - darauf anlegen, erwischt und hart bestraft zu werden, weil es ihr negatives Selbstbild bestätigt, das von autoriären Lehrerinnen und Lehrern, prügelnden Vätern, schadenfrohen "Freunden" und sadististischen Kameraden beim Militär geprägt und verfestigt worden ist.

Nur das Errichten eines positiven Bildes von sich selbst ist geeignet, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Delinquenten zu "besseren Menschen" zu machen. Die jahrelange kontrollierte Knastsituation kann, wenn man es ernsthaft betreibt, einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

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Nach Entführungsfall von Cleveland Kritik an Polizei
Nach Entführungsfall von Cleveland Kritik an Polizei
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http://www.derwesten.de/politik/usa/nach-entfuehrungsfall-von-cleveland-kritik-an-polizei-id7931845.html
2013-05-08 16:49
Entführung,Geiselhaft,Vergewaltigung,Cleveland,Ohio,Amanda Berry, Ariel Castro, Georgina De Jesus
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