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Schul-Massaker

Massaker von Newtown - Kind stellte sich tot, um zu überleben

18.12.2012 | 18:37 Uhr

Washington.   Wie erst jetzt bekannt wurde, hat ein sechsjähriges Mädchen den Amoklauf von Newtown überlebt, weil es sich tot stellte. In Washington wird unterdessen weiter heftig über eine Verschärfung der Waffengesetze diskutiert. Selbst beinharte Waffen-Befürworter zeigen einen Sinneswandel.

Sie hat sich tot gestellt, um zu leben. Ein sechsjähriges Mädchen hat das Schul-Massaker im amerikanischen Newtown unversehrt überstanden. Sie blieb offenbar regungslos am Boden liegen, als der Massenmörder Adam Lanza 15 ihrer Klassenkameraden tötete. „Sie rannte blutüberströmt aus der Schule, als alles vorbei war. Und das erste, was sie ihrer Mutter zurief, war: Mama, mir geht es gut. Aber alle meine Freunde sind tot.“

Der Pastor der New Hope Kirche, Jim Solomon, erzählt die Geschichte aus dem Mund der Mutter in der Düsternis von Newtown jedem, dem der weiter rätselhafte Amoklauf im US-Bundesstaat Connecticut den Glauben raubt. Auf Wunsch der Eltern, „die sich schuldig fühlen, weil ihr Kind als einziges in diesem Klassenraum überlebt hat“, sagte Solomon dem Sender ABC, wird die Identität des Kindes vorläufig nicht preisgegeben. Für die Polizei ist das Mädchen eine wichtige Zeugin. Niemand kann bisher verlässlich sagen, wie der Täter vorgegangen ist , als er am vergangenen Freitag die Sandy-Hook-Grundschule bis an die Zähne bewaffnet betrat.

Grundschule bleibt als Tatort abgeriegelt

 Die Lehranstalt gilt weiter als „Tatort“ und ist abgeriegelt. Um den Wiedereinstieg in den Alltag zu schaffen, werden Tische und Bänke von dort in die Chalk-Hill-Schule im benachbarten Monroe transportiert. Hier soll der Unterricht weitergehen. „Wahrscheinlich erst, wenn die letzten Beerdigungen überstanden sind “, sagte ein Sprecher der Stadt.

Trauer in Newtown

Obama für ein Verbot bestimmter halbautomatischer Waffen

In Washington hat unterdessen die Debatte über schärfere Waffengesetze die nächste Stufe erklommen. Beinharte Waffen-Befürworter in Politik und Medien vollziehen plötzlich einen Sinneswandel. Jon Scarborough, einst republikanischer Abgeordneter, jetzt einflussreicher, konservativer Frühstücksfernsehen-Moderator, stellte in einem zehnminütigen Monolog fest, dass die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Waffen nicht länger hinnehmbar sei. Auch leidenschaftliche Jäger und Sportschützen, wie die Abgeordneten Mark Warner oder Senator Joe Manchin, drehen bei und reden jenen das Wort, die laut Umfragen den Flaschenhals zu Feuerwaffen drastisch verkleinern wollen.

Der Adressat dieser Wortmeldungen gibt sich unbeteiligt. Die National Rifle Association (NRA), mit vier Millionen Mitgliedern und gut 200 Millionen Dollar Jahresbudget einer der abgebrühtesten Einflüsterer im Politikbetrieb und kompromissloser Gegner jeder Gesetzesverschärfung, hat seiner Zentrale in Fairfax vor den Toren Washingtons einen Maulkorb verpasst. Anrufe werden nicht beantwortet, Stellungnahmen zur Tragödie verweigert. „Die Wirklichkeit wird diese feige Bande zum Sprechen bringen“, schreibt ein Leser-Kommentator in der „Washington Post“.

US-Präsident Barack Obama ließ am Dienstag mitteilen, er werde einen Gesetzentwurf der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein zum Verbot bestimmter halbautomatischer Waffen wie Sturmgewehren "aktiv unterstützen". Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, erklärte, der Präsident werde außerdem für ein Gesetz eintreten, das den Verkauf von Waffen durch Privathändler ohne eine Überprüfung der Käufer untersagt. 

Helle Aufregung in der Szene der Waffenhersteller

Ein Vorgriff auf das, was in einem Land, in dem das Geld am Ende mehr zählt als Tradition und Moral, gestern für helle Aufregung in der Szene der Waffenhersteller sorgte. Die Finanz-Heuschrecke Cerberus wird ihre Beteiligung an der „Freedom Group“ abstoßen, obwohl das Bündnis zuletzt 680 Millionen Dollar erwirtschaftet hat, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Amoklauf
US-Demokratin will Sturmgewehre ächten

Nach dem Schulmassaker von Newtown hatte US-Präsident Obama Maßnahmen gegen das Waffenproblem des Landes angedeutet. Die Einzelheiten überlässt er einer Frau: Senatorin Dianne Feinstein stellte einen Gesetzesentwurf vor, der die Verbreitung von Schnellfeuergewehren eindämmen soll.

Dahinter verbirgt sich ein Dutzend der größten Kleinwaffenschmieden vom Gewehrmacher Remington bis hin zu Bushmaster; jener Firma, die das AR-15-Gewehr herstellt, das Adam Lanza benutzte. Die Entscheidung begründete Cerberus-Boss Stephen Feinberg, ein passionierter Jäger, mit dem dürren Verweis, dass Newtown der „Wendepunkt“ in der amerikanischen Waffen-Debatte sei.

Nicht die ganze Wahrheit, sagen Anti-Waffen-Bündnisse. Große Pensions- und Lehrerfonds, die Cerberus Milliardensummen anvertraut haben, fühlten sich zunehmend „unkomfortabel in dem Gefühl, mit Mordwerkzeugen Kasse zu machen“.

Dirk Hautkapp



Kommentare
19.12.2012
14:28
Frau Merkel sollte diesen Artikel lesen,
von vantast | #3

und wird dann vielleicht den Export von christlichen Waffen ins Ausland überdenken. Oder nicht? Als Christin verhilft sie andererseits den Endverbrauchern,auch Kindern, zu raschem Aufstieg ins Paradies.

19.12.2012
08:43
Massaker von Newtown - Kind stellte sich tot, um zu überleben
von MKTFranke | #2

So schrecklich besonders die vielen toten Kinder sind, so werden sie anscheinend wider Willen zu Märtyrern für eine Abrüstung.

Wäre das ein Uni-Massaker gewesen, oder sonstwelche getöteten Erwachsenen, wäre das sicher wie immer schnell vergessen gewesen.

Aber abgeschlachtete kleine Kinder in der Grundschule? Da kann nicht mal der härteste Waffenliebhaber die Augen vor verschließen. Das ist "endlich" mal der moralische Overkill für die Waffenbranche und deren Lobbyisten.

Allerdings muss man aufpassen, die Kinder nicht zu instrumentalisieren. Es steht zu hoffen, dass die Überlebenden ihr Leben wieder in den Griff bekommen werden ...

19.12.2012
01:27
Massaker von Newtown - Kind stellte sich tot, um zu überleben
von vaikl2 | #1

Es ist gut, dass mit der Entscheidung von Cerberus das Thema Einschränkung des freien Zugangs für Alle wieder auf den Kern zurückgeführt wird: Es geht um Kohle, sehr viel Kohle.

Die amerikanischen und auch die europäischen Waffenhersteller haben sich über viele Jahrzehnte einen US-Verfassungszusatz mit Hilfe ihrer Lobbyvertreter in Washington dermaßen zurecht gelogen, dass deren Interpretationen ein ganzes Volk infiltrierte und dabei den "amerikanischen Geist" pervertierte und kleinbürgerliche Ängste schürte.

Keiner der US-Gründerväter hatte mit diesem Zusatz jemals im Sinn, die - übrigens legal heute nicht mehr existenden - Waffen-Bürgermilizen über die vor 230 Jahren geltende Verfassung zu stellen und Selbstjustiz zu ermöglichen. So unlogisch, verfassungs-verletzend und unmenschlich haben sich danach nur die amerikanischen Vigilanten aufgeführt, die ihre Entsprechung heute in US-Faschisten-Gruppen und äußerst rechtsextremen Teilen der Tea-Party haben.

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