Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Golden Globes

Jodie Foster liebt Frauen - Ende eines offenen Geheimnisses

14.01.2013 | 15:58 Uhr
Jodie Foster stahl bei den Golden Globes allen die Schau.Foto: reuters

Los Angeles.  Jodie Foster machte bei der Verleihung der Golden Globes dezent ein offenes Geheimnis bekannt: Sie liebt Frauen. Foster fräst mit ihren stahlblauen Augen und drei, vier klugen Sätzen in zehn Minuten 100 Löcher in die Seelen-Hornhäute ihrer Zunft. Selbst der Bollerkopf Tarantino musste für einen Moment schlucken.

Liebeserklärungen, eingebettet in Dankesreden bei Preisverleihungen, gehören oft zu den peinlichsten Momenten, die Hollywood im Programm hat.

Nirgends wird so tränenreich kalkuliert und hilflos gestammelt wie hier. Es sei denn Jodie Foster geht ans Mikrofon und fräst mit ihren stahlblauen Augen und drei, vier klugen Sätzen in zehn Minuten 100 Löcher in die Seelen-Hornhäute ihrer Zunft.

So dass am Ende selbst die größten Zyniker nach Taschentüchern verlangen. Am Sonntagabend bei den „Golden Globes“ in Beverly Hills stahl die jüngste dienstälteste Frontfrau der Traumfabrik allen die Schau.

Nicht mit erratischen Andeutungen über einen womöglich bevorstehenden Abschied von der Bühne, die sie später bei den obligatorischen Partys eilends zurücknahm.

Jodie Foster liebt Frauen

Nein, zum ersten mal gestand die Starschauspielerin vor laufender Kamera auf bewegende Art und Weise, was eigentlich niemanden etwas angeht: Jodie Foster liebt Frauen. Eine besonders. So, jetzt ist es endlich raus.

Obwohl: Ein echtes Geheimnis hat die seit sage und schreibe 47 Jahren vor der Kamera stehende Darstellerin und Regisseurin um ihre Homosexualität ja nie gemacht. Nie war sie mit einem Mann gesehen worden, der mehr mit ihr getan hätte als zu reden. Nie hatte im geltungssüchtigen Hollywood, wo öffentliches „Gay“-Sein noch immer tabuisiert wird, jemand die Klatschpresse mit der Selbstbezichtigung beliefert, ihr Liebhaber gewesen zu sein.

Keine große Ich-bin-lesbisch-und-das-ist-auch-gut-so-Glocke

Nicht mal auf der Leinwand ist in Erinnerung, dass sie von Herzen Männer geküsst hätte. Jodie Foster, in deren Filmen es meist um den Überlebenswillen von Frauen in einer feindlich gesonnenen Umgebung geht, ist seit Ewigkeiten homosexuell. Sie hat ihre Liebe zu einer Produzentin, mit der sie ihre wahrscheinlich durch künstliche Befruchtung empfangenen Söhne Charles und Kit bis vor kurzem gemeinsam aufgezogen hat, nur nie offensiv an die große Ich-bin-lesbisch-und-das-ist-auch-gut-so-Glocke gehängt.

Glamour bei Golden Globes

Und jetzt das: „Ich könnte überhaupt nicht hier stehen, ohne einer der größten Lieben in meinem Leben zu danken, meinem heldenhaften Mitelternteil, meiner Ex-Geliebten und Schwester im Geist, meinem Beichtvater, meiner Skipartnerin und Beraterin, meiner lieben Lebensgefährtin während 20 Jahren, Cyndey Bernard.“ Stille Andacht erst, dann Seufzen im Publikum, wo die leicht erröteten Söhne mit Bernard saßen. Selbst der Bollerkopf Quentin Tarantino musste für einen Moment schlucken.

Viel Gepäck in Fosters Lebensrucksack

Warum sie mit der Diskretion gebrochen hat? Für die blitzgescheite Absolventin der Elite-Uni Yale, die mit „magna cum laude“ ihren Abschluss in Literaturwissenschaften über die schwarze Autorin Toni Morrison hinlegte, bedeutet der erst wenige Wochen zurückliegende 50. Geburtstag nach Meinung von Vertrauten eine Befreiung aus einer lange sorgsam gehüteten Sicherheitszone.

„Wer mit 20 Schauspielerin wird, will bemerkt werden“, hat die zweifache Oscar-Preisträgerin mal mal gesagt, „wenn du dein ganzes Leben im Rampenlicht gestanden hast, schottest du dein Privatleben ab, weil man dir sonst zu viel wegnimmt.“ Und wahrlich, bei ihr war viel zu holen. Jodie Foster war 3, als sie für eine Sonnencreme-Werbung zum ersten Mal mit der Kamera in Berührung kam. Und 6, als sie in der vaterlos groß gewordenen Familie mit Mutter Brandy und fünf Kindern zur Großverdienerin wurde. Sie war 12, als sie an der Seite von Robert de Niro als Kindhure Iris in „Taxi Driver“ die Filmwelt eroberte. Sie war keine 20, als ein Irrer, John Hinckley jr., auf Präsident Ronald Reagan schoss, um seinem Idol zu imponieren: Jodie Foster. Sie war nicht mal 30, als sie mit „Little Man Tate“, der Geschichte eines hochbegabten Kindes, ihr bejubeltes Regie-Debüt gab.

Fodie: "So bin ich einfach nicht"

Davor und danach kamen gut 50 Filme, darunter in „Das Schweigen der Lämmer“ mit Anthony Hopkins die gänsehautträchtigsten Dialoge der Filmgeschichte. Viel Gepäck im Lebensrucksack.

Am Sonntag, bei der Verleihung des hochkarätigen Cecil B. DeMille Awards für ihr Lebenswerk und ihre Verdienste um die Filmkunst, war Jodie Foster nach Entladen, aber dosiert. Und mit feinem Spott für die Regeln der Branche. Von Prominenten werde heute erwartet, dass sie ihre Homosexualität „mit einer Pressekonferenz, einem eigenen Duft und einer Reality Show zur besten Sendezeit“ offenbaren, sagte sie. „Tut mir leid. So bin ich einfach nicht.“ Ein Glück.

Dirk Hautkapp


Kommentare
23.01.2013
17:52
Jodie Foster liebt Frauen -und .......
von Fake1 | #4

.......in Holland fällt eine Kanne Wasser vom Dach.

21.01.2013
22:03
Jodie Foster liebt Frauen - Ende eines offenen Geheimnisses
von ditku | #3

Tolle Frau!

15.01.2013
07:52
Jodie Foster liebt Frauen -
von ferdi23 | #2

Kann ich gut verstehen. Ich liebe auch Frauen.

14.01.2013
20:12
Jodie Foster liebt Frauen - Ende eines offenen Geheimnisses
von gudelia | #1

Hilfe, ich bin nicht schwul!
Komm ich jetzt inne Zeitung?

Aus dem Ressort
Gynäkologe filmt 8500 Frauen - Klinik zahlt Millionen-Strafe
Vergleich
190 Millionen Dollar Entschädigung für 8500 Patientinnen, die über Jahre von ihrem Frauenarzt bei Untersuchungen heimlich gefilmt und fotografiert wurden - selbst in der an Skandalen reichen Medizin-Geschichte Amerikas sprengt dieser Fall fast alle Dimensionen.
Tabakriese soll Raucher-Witwe 23 Milliarden US-Dollar zahlen
Justiz
Es ist die höchste Strafe, die je ein Tabakkonzern aufgebrummt bekam: Reynolds Tobacco soll 23 Milliarden Dollar Schadenersatz an die Witwe eines Kettenrauchers zahlen. Ihr Ehemann hatte Berichten zufolge 20 Jahre lang geraucht, als er 1996 an Lungenkrebs starb.
Obama spricht von „Schande unaussprechlicher Größe“
Absturz MH17
US-Geheimdienste gehen davon aus, dass von Moskau unterstützte Separatisten das Passagierflugzeug über der Ukraine mit einer Boden-Luft-Rakete und möglicherweise russischer Hilfe abgeschossen haben. US-Präsident Barack Obama fordert eine lückenlose Aufklärung. US-Politiker fordern eine entschlossene...
Dürre in Kalifornien - Wasserverschwendung wird bestraft
Dürre
Schon der Kino-Film „Chinatown“ thematisierte sie: die Dürre. Jetzt hat sich das Problem im US-Staat Kalifornien dramatisch verschärft – so dramatisch, dass Wasser-Verschwendung demnächst mit drakonischen Strafen belegt wird.
Todesstrafe in Kalifornien laut US-Gericht verfassungswidrig
Todesstrafe
Die Todesstrafe in Kalifornien ist verfassungswidrig. Zu diesem Urteil kam ein US-Bundesgericht. Nur wenige Urteile würden tatsächlich vollstreckt werden. Durch die deshalb resultierende Willkürlichkeit ginge die abschreckende Wirkung der Strafe verloren, heißt es in der Begründung.
Umfrage
Nach dem Pfingstunwetter droht noch immer Gefahr durch abgebrochene Äste, die herabstürzen können. Achten Sie noch darauf, wenn Sie unter Bäumen hergehen oder -fahren?

Nach dem Pfingstunwetter droht noch immer Gefahr durch abgebrochene Äste, die herabstürzen können. Achten Sie noch darauf, wenn Sie unter Bäumen hergehen oder -fahren?

 
Fotos und Videos
9/11-Museum eröffnet in New York
Bildgalerie
Terroranschlag
Pete Souza setzt Obama in Szene
Bildgalerie
US-Regierung
Regionalzug in New York entgleist
Bildgalerie
Unglück