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Ein Land erstickt an Gewalt

16.12.2012 | 15:37 Uhr
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Nach jedem Blutrausch das gleiche makabre Ritual. Amerika blickt in die Gesichter der Angehörigen. Reporter befeuern Mitleid. Politiker äußern Trauer und Entsetzen. Am Ende lässt der Mann im Weißen Haus halbmast flaggen, geißelt die sinnlose Gewalt, wirbt um Rückbesinnung auf amerikanische Werte – bis zum nächsten Amoklauf.

Echtes Innehalten, spürbare Gegenmaßnahmen: Fehlanzeige. Die Hasenfüßigkeit der Politik vor der Waffenlobby bleibt. Mehr noch. Die Angst vor jenen, die damit drohen, den bis zu Unkenntlichkeit verbogenen Mythos von Freiheit = Waffenbesitz bis zur letzten Patrone zu verteidigen, hat zu einer Realitätsverdrängung geführt. Kanada und Australien haben nach Katastrophen wie der in Newtown entschlossen gehandelt – und spürbaren Rückgang bei den Todeszahlen erreicht. Amerika findet sich damit ab, dass pro Jahr Zehntausende durch Schusswaffengewalt sterben.

Warum das so ist? Weil es in Amerika unter dem Strich immer noch leichter ist, legal ein halbautomatisches Mordwerkzeug zu erwerben, als eine Kreditkarte zu bekommen oder einen Mietvertrag. Wie lange noch? Dass die Genug-ist-Genug-Rufe seit Newtown lauter als sonst klingen, dass sich Politiker aus der Ecke wagen, die in anderen Fällen die Augen verschlossen hielten, ist allein der Zahl und dem Alter der Opfer geschuldet. Nicht den Ursachen einer durch und durch gewalttätigen Gesellschaft, die an ihrer Militanz langsam erstickt.

Schon ab heute werden die Waffenverkäufe wieder landesweit nach oben schnellen. Aus Angst, Washington könnte doch Ernst machen und den Waffenverkauf reglementieren. Vor der Wahl, so die aus europäischer Sicht kranke inner-amerikanische Logik, hätte sich Obama mit einer entschlossenen Strategie für weniger Waffen ins Knie geschossen und seinem Widersacher Mitt Romney den Sieg verschafft. Jetzt, ohne Wiederwahl-Sorgen, gibt es keinen Grund mehr für Passivität, Wegducken und Durchwursteln. Führungskraft beweist sich, in dem man das Richtige tut, wenn der Wind von vorne weht.

Exemplarischer Nachtrag:

Nachdem er mit einem Anschlag auf eine Grundschule gedroht hat, ist ein Mann im US-Staat Indiana mit 47 Feuerwaffen festgenommen worden. Der 60-Jährige habe bereits am Freitag gedroht, seine Frau in Brand zu stecken und "so viele Menschen wie möglich" an einer nahe gelegenen Schule zu töten, teilte die Polizei am Sonntag mit. In seinem Haus hätten die Beamten 47 Schusswaffen und Munition im Wert von 100.000 Dollar (76.000 Euro) gefunden. Gegen den Mann sei am Samstag Anklage wegen Bedrohung erhoben worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Dirk Hautkapp

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