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Amerika in Angst vor "Jahrhundert-Hurrikan Sandy"

29.10.2012 | 18:31 Uhr
Bange erwarten die USA Hurrikan "Sandy". In Cape May, New Jersey, wurden bereits am Montag Straßen überflutet.Foto: rtr

Washington.  "Sandy" rast auf die US-Ostküste zu - und Amerika bangt: Werden die noch nie dagewesenen Schutzmaßnahmen ausreichen, um die schlimmsten Schäden zu verhindern? Meteorologen und Katastrophenschutz-Experten erwarten einen "Jahrhundert-Hurrikan" mit enormem Zerstörungspotenzial.

Mit einem mulmigen Gefühl geht Amerika zu Bett, mit bangem Blick wacht es wieder auf und hofft, dass sich die zerstörerische Kraft des Hurrikans „Sandy“ wenn nicht in Luft auflösen, so doch in Grenzen halten wird. Erst im Laufe des Dienstags wird sich herausstellen, wie gravierend der Sturm den Lebensrhythmus von rund 60 Millionen Menschen unterbrechen wird, die in einem Korridor von 1500 Kilometern zwischen Virginia und Maine leben. Und ob die zum Teil noch nie dagewesenen Präventivmaßnahmen das Schlimmste verhindern können, wenn das Unwetter mit Winden von zuletzt gemessenen 150 km/h und unaufhörlichem Regen seine Wut an der Nordostküste der Vereinigten Staaten auslässt.

Die Ouvertüre am Montag gab jedenfalls keinen Grund aufzuatmen. „Sandy“, in der Karibik für über 60 Tote verantwortlich, war noch gar nicht richtig an Land angekommen und doch bereits in den Geschichtsbüchern. „Jahrhundert-Hurrikan“, sagte Louis Uccellini, Experte der Nationalen Ozeanischen und Atmosphärischen Behörde (NOAA), am Montagnachmittag bei einem Blick auf die Satellitenbilder, „so etwas Gewaltiges habe ich noch nicht gesehen“. Anhand von Computer-Simulationen illustrierten die Experten das Zerstörungspotenzial des sich über 1300 Kilometer erstreckenden Wirbelsturms auf einer Skala von 0 bis 6. „Sandy“ liegt bei 5,8.

10 Millionen Menschen müssen mit Stromausfällen rechnen

„Furchteinflößend, mehr fällt mir dazu nicht ein“, sagte der Forscher Jeff Masters. Al Roker, einer der beliebtesten US-Fernseh-Wettermänner, pflichtete vom Strand in New Jersey aus bei: „Dieser Sturm wird heftiger als Irene im letzten Sommer.“ P.S. Gleichnamiger Hurrikan erzeugte 2011 Schäden von drei Milliarden Dollar und forderte rund 20 Tote.

Video
Der Bürgermeister Michael Bloomberg warnte am Samstag vor dem herannahenden Hurrikan "Sandy". Eine Evakuierung der Stadt hält er jedoch für nicht notwendig. Insgesamt könnten 50 bis 60 Millionen US-Bürger betroffen sein.

Der Katastrophen-Nachrichten-Ticker der Nachrichten-Sender, die am Montag alle nur ein Thema kannten, spuckte im Lauf des Montags bei stündlichem stärker werdendem Regen immer mehr Superlative aus: 60 Millionen Menschen werden den Sturm abbekommen.Knapp 10 Millionen müssen mit tagelangem Stromausfall rechnen; in New Jersey und angrenzenden Landstrichen waren es am Montag bereits 120 000. Kraftwerke und Öl-Raffinerien zwischen Pennsylvania und Massachusetts könnten den Betrieb einstellen.

Fluggesellschaften streichen 10.000 Flüge

Kraftwerke und Öl-Raffinerien zwischen Pennsylvania und Massachusetts könnten den Betrieb einstellen. Neun Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen. Fluggesellschaften haben bis zum Abend knapp 10 000 Flüge gestrichen. Auf den Flughäfen zwischen Boston und Washington ging nichts mehr. Die führende Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte praktisch im gesamten Nordosten den Betrieb ein.

In New York, Philadelphia, Washington, Boston, Baltimore und anderen Städten blieben Schulen, Universitäten und öffentliche Verwaltungsstellen geschlossen, ein Teil wurde als Notunterkünfte vorbereitet. Supermärkte, Schuhgeschäfte, Buchhandlungen, Zeitungskiosken, Postämter, Restaurants – in vielen Städten dicht. An der Wall Street in New York wurde mit Sandsäcken (gegen die erwarteten Flutwellen von 3,50 Meter an der Südspitze Manhattans) gehandelt. Die Börse selbst blieb zum ersten Mal seit 27 Jahren geschlossen.

Geisterstadt-Atmosphäre in Washington

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In der US-Metropole bleiben Börsen und Schulen am Montag geschlossen, mehrere Bundesstaaten riefen den Notstand aus. "Sandy", der in der Nacht zu Dienstag erwartet wird, könnte einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten werden.

Knapp 400.000 Bürger wurden zudem im Big Apple zwangsevakuiert. Und der Stolz der Stadt, die U-Bahn mit ihren 468 Stationen und 6,5 Millionen Passagieren täglich, blieb verwaist. Genauso der Hauptsitz der Vereinten Nationen – wetterbedingte Sitzungspause. US-Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney stellten den Wahlkampf vorübergehend ein. Unterdessen bekamen die Rettungskräfte einen ersten Eindruck von dem, was ab Dienstag drohen könnte. Die US-Küstenwache brachte mit Hubschraubern 14 von 16 Besatzungsmitgliedern des Dreimasters "Bounty" in Sicherheit. Zwei Männer wurden bis zum Abend noch vermisst.

Hurrikan Sandy mit Kurs auf US-OstküsteStepMap


Geisterstadt-Atmosphäre auch in Washington. Wo sonst im Zentrum von morgens 0 bis abends 9 Dauerstau herrscht, hielten vereinzelt pakistanische Taxifahrer Ausschau nach Fahrgästen. Fehlanzeige. Die Hauptstadt blieb zuhaus. Ausnahme: Chinatown. Die unerschütterlichen Asiaten, eingepackt in gelbe Regen-Overalls, hielten weiter Obst, Gemüse, Blumen und Pils im Sechserpack feil. Umsätze? Nicht der Rede wert.

Ufernahe Wohnblöcke aus Angst vor "Sandy" zwangsgeräumt

Weil U-Bahn und Nahverkehrszüge im sechs Millionen Einwohner zählenden Ballungsraum zwischen Maryland und Virginia in den Depots blieben, war das Auto das einzige Verkehrsmittel. Bei Polizeikontrollen riet die Ordnungsmacht mit eindringlicher Stimme: „Hey, Mann. Sei nicht dumm, die Winde sind unberechenbar. Fahr heim und warte ab.“

Ufernahe Wohnblöcke am Potomac-Fluss und weiter draußen an der Chesepeak Bay wurden zwangsgeräumt. Im kleinen Einkaufszentrum Springvalley im Nordwesten kauften pitschnass gewordene Anwohner die letzten Vorräte an Taschenlampen, Batterien, Trinkwasser, Brot und Konserven auf. Im „Waghals“, einem bekannten Lunch-Treffpunkt, den regelmäßig hohe CIA-Beamte ansteuern, waren bereits am Mittag die Regale fast leer. „So was gab’s noch nie“, sagte Verkäufer Bruce. Was auffiel: Washingtonians, gestählt durch Stürme und Erdbeben, reagieren für gewöhnlich mit beißendem Spott auf Untergangsszenarien, wie sie seit Freitag von den Medien in den krassesten Farben ausgemalt wurden. Diesmal herrschte betretenes Schweigen. Die „Urgewalt dieses Sturms verschlägt mir die Sprache“, sagt die 34-jährige Suzanne.

Sandy: Szenen der Verwüstung

Obama warnt: "Der Sturm wird uns lange und schwer beschäftigen"

Im Stundentakt meldeten sich im Fernsehen Gouverneure der betroffenen Küsten-Bundesstaaten zu Wort, um die Anspannung in der Bevölkerung nicht abreißen zu lassen. Virginias Quasi-Ministerpräsident Bob McDonnell, ein gewöhnlich erzcool auftretender Republikaner, bat inständig darum, dem Rat der Polizei und Behörden zu folgen. „Ich bin 20 Jahre in führender Position, aber dieser Sturm schlägt alles. Bitte nehmen sie das Monster nicht auf die leichte Schulter.“

Obama reihte sich am Mittag mit einer kurzen Ansprache in den Kreis der Mahner ein. Der Präsident machte seinen Landsleuten wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende. „Der Sturm wird uns lange und schwer beschäftigen“, sagte Obama und prophezeite langwierige Stromausfälle und Aufräumarbeiten. Energisch forderte er die Bürger auf, den Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte zu folgen. Nur so könne das Risiko von Todesopfern gesenkt werden. In „schweren Stunden“ wie den kommenden werde Amerika tun, was es immer tut, wenn es wichtig wird: „Wir stehen das zusammen durch.“

Dirk Hautkapp



Kommentare
29.10.2012
22:30
Amerika in Angst vor
von knutmithut | #2

@1:
Also solltest du heute besser nicht aus dem Haus gehen! :D

29.10.2012
21:41
Amerika in Angst vor
von ditku | #1

Jeder kriegt das, was er verdient.

1 Antwort
Was für ein dummer Kommentar!
von cui.bono | #1-1

Da werden Menschen durch Naturgewalten getötet und sie entblöden sich nicht, so einen Dummfug zu schreiben)

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