Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Amanda Knox

Amanda Knox will auspacken - aber nicht im neuen Prozess

26.03.2013 | 14:51 Uhr
Justizopfer oder Täterin - ihr Prozess wird neu aufgerollt: Amanda Knox. Foto: ap

Washington.   Das oberste Strafgericht in Rom hat entschieden, den Mordprozess gegen den "Engel mit den Eisaugen" wieder aufzurollen. Ein Paukenschlag, der ausgerechnet zu dem Zeitpunkt kommt, da Amanda Knox ihr lange erwartetes Buch über die bisher vergebliche juristische Aufarbeitung des Mordes an Meredith Kercher veröffentlichen will.

Übersetzt man den Titel ihres mit vier Millionen Dollar Vorschuss entlohnten Buches, dann kann Amanda Knox es gar nicht abwarten, endlich ihre Sicht des auch nach sieben Jahren noch immer undurchsichtigen Tod der britischen Austauschstudenten Meredith Kercher in Süditalien darzulegen. In „Waiting to be heard“, das am 30. April mit hohen Erwartungen in Amerika in den Handel kommt, zeitgleich mit ihrem ersten großen Fernseh-Interview beim Sender ABC, verspricht die 25-jährige Studentin aus Seattle laut Verlag einen „ungeschönten“ Report über ihre Erfahrungen mit dem italienischen Justizsystem und einer prozessualen Achterbahnfahrt, die jahrelang die Weltpresse beschäftigte. Seit gestern drängt sich ein Zusatzkapitel auf.

Freispruch nach schlampigen Ermittlungen

Das oberste Strafgericht in Rom ordnete ein neues Gerichtsverfahren gegen Knox und ihren italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito an . Beide waren 2009 wegen Mordes an Meredith Kercher, die 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt, halbnackt und von Messerstichen übersät in ihrer und Knox‘ gemeinsamer Wohnung in Perugia gefunden worden war, zunächst schuldig gesprochen und zu Haftstrafen von 25 und 26 Jahren verurteilt worden. Knox und ihr Freund hätten Meredith beim Sex "aus Langeweile und unter Drogeneinfluss" getötet, heiß es im ersten Urteil.

Meredith Kercher wurde im November 2007 in ihrem Zimmer mit Dutzenden Messerstichen ermordet. Archivfoto: dapd

Knox und Sollecito stritten jede Beteiligung an dem Mord ab. Ein dritter Verdächtiger, der Afrikaner Rudy Guede, wurde wegen des Verbrechens zu 16 Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 2011 hob ein Berufungsgericht die Urteile gegen Knox und Sollecito auf: Freispruch - aus Mangel an Beweisen. Und weil die Ermittler etwa bei der Sicherung von DNA-Proben massiv geschlampt hatten.

Die Prozesse sorgten vor allem in England, wo die Eltern des Opfers bis heute Gerechtigkeit verlangen und die Boulevardpresse der Amerikanerin scharfrichterlich das Image vom „Engel mit den Eisaugen“ verpassten, und in den USA, wo Knox eher als Justizopfer firmiert, monatelang für Schlagzeilen.

Mit angeklagt: Raffaele Sollecito

Zuletzt war es ruhiger um die Hauptbeteiligten geworden. Sollecito schrieb ein weitgehend bedeutungsarmes Buch über seine Sicht der Dinge und studiert in Italien Informatik. Knox setzte nach fast vier Jahren in italienischen Gefängnissen in Seattle ihr Studium („Kreatives Schreiben“) fort und frönt ihrem neuen Freund. Mit Hilfe des Washingtoner Prominenten-Anwalts Robert Barnett, der bereits ehemalige Präsidenten wie Bill Clinton zu Traumhonoraren verhalf, ließ sie die Rechte an ihrer Geschichte maximal gewinnbringend verkaufen. Allein das Interview mit ABC-Legende Diane Sawyer am 30. April soll nach Berichten von US-Bloggern einen zweistelligen Millionen-Betrag einbringen.

Nie mehr nach Italien

Geld, das offenkundig ab sofort dringend für diverse Anwälte gebraucht wird. Theodor Simon, Knox‘ Vertreter in den USA, betonte gestern, dass die gestrige Entscheidung in Rom, den Prozess neu aufzurollen, allein auf juristisch-prozessualen Fehlern der Vorinstanzen beruhe - „es gibt keinen einzigen neuen Beweis gegen Amanda Knox“.

Der in Italien stationierte Statthalter Carlo Dalla Vedova sekundierte mit der Prognose, dass ein neuer Prozess, an dem weder Knox noch Sollecito teilnehmen müssen, frühestens 2014 stattfinden könne. Und was dann? Sollte Knox schuldig gesprochen werden und dieses Urteil auch den Segen des Obersten Gerichtes in Rom finden - Zeitschiene laut Rechtsexperten: „2016 und folgende“ - wäre denkbar, dass Rom von der US-Regierung in Washington die Auslieferung von Amanda Knox fordert, die 2011 gesagt hatte, dass sie „nie wieder“ einen Fuß auf italienischen Boden setzen wird.

Der Fall Amanda Knox

Knox habe vor der jüngsten Entscheidung eine schlaflose Nacht in Seattle gehabt, berichtet Dalla Vedova. „Sie ist enttäuscht, aber nicht verzagt, sowas würde auch nicht ihrem Charakter entsprechen.“

Der Italiener Sollecito erfuhr die Hiobsbotschaft an seinem 29. Geburtstag: „Und ich dachte, man könnte nun einen Schlussstrich unter diese Sache ziehen“, sagt er.

Die Familie der Getöteten begrüßte die Aufhebung des Freispruchs.. Es gebe „noch immer unbeantwortete Fragen, und wir suchen alle nach der Wahrheit“, sagte Stephanie Kercher, die ältere Schwester des Opfers.

Dirk Hautkapp


Kommentare
26.03.2013
21:14
Amanda Knox will auspacken - aber nicht im neuen Prozess
von a_ha | #2

Ich weiß nicht.

Erst wird sie verurteilt,
dann freigesprochen,
sie reist infolgedessen aus,
danach wird das Verfahren neu aufgerollt.

Für mich klingt das nach einer diplomatischen Lösung, um sich nicht mit den USA anzulegen.

26.03.2013
17:59
Amanda Knox will auspacken - aber nicht im neuen Prozess
von Emagic | #1

Ich weiß gar nicht warum die Medien dieser Frau eine Plattform bieten. Der Mord an der jungen Frau ist noch immer ungeklärt. Ich würde sicher kein Buch dieser "Dame" kaufen

Aus dem Ressort
Boston-Attentat - Der Held, der alles verloren hat
Boston-Attentat
Vor einem Jahr explodierten beim Boston Marathon mehrere Bomben. Drei Menschen starben, 260 wurden zum Teil schwer verletzt. Von den psychischen Wunden ganz zu schweigen. Die Überlebenden sind noch immer traumatisiert - und der mutigste und bekannteste Retter trägt eine noch schwerere Last.
US-Schwimmer Michael Phelps plant sein Comeback
Schwimmen
Der US-Schwimmer Michael Phelps, der bei Olympischen Spielen abgeräumt hat wie kein zweiter Athlet, hat offenbar genug vom Ruhestand und vom Golf. Ziel der Rückkehr sollen die Spiele 2016 in Rio de Janeiro sein.
USA erwarten das nächste große Familienduell
US-Wahlkampf
Hillary Clinton und Jeb Bush könnten 2016 Kontrahenten im Rennen um das Weiße Haus sein. Dutzende unabhängiger Organisationen bereiten sich bereits auf einen möglichen Wahlkampf vor. Doch beide halten sich noch bedeckt, denn wer zu früh die Karten auf den Tisch legt, gerät ins Visier der Medien
"Ku-Klux-Klan"-Aktivist erschießt in USA drei Menschen
Antisemitismus
Tragödie am Vorabend des Pessach-Festes: Ein Mann hat nach vorläufigen Ermittlungen der Polizei in zwei jüdischen Einrichtungen im US-Bundesstaat Kansas drei Menschen erschossen. Der Mann soll ein seit Jahrzehnten landesweit bekannter Judenhasser und Anführer des berüchtigten Ku-Klux-Klan sein.
Rock’n’Roll rund um die Uhr – mit Bill Haley
Pop
Vor 60 Jahren schlug mit „Rock around the Clock“ die Geburtsstunde einer Musikbewegung. Sie begann allerdings mit einem Fehlstart für den fünffachen Familienvater Bill Haley und seine Comets. Und als sie nach Essen in die just eingeweihte Grugahalle kamen, begann für manche der Untergang des...
Umfrage
Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?

Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?

 
Fotos und Videos
Pete Souza setzt Obama in Szene
Bildgalerie
US-Regierung
Regionalzug in New York entgleist
Bildgalerie
Unglück
Kranker Junge als "Batkid" unterwegs
Bildgalerie
Wunscherfüllung