USA weiten Militärpräsenz im Irak wieder aus

Washington..  Amerikas militärischer Fußabdruck im Irak wird schleichend immer größer. Um die Geländegewinne des „Islamischen Staats“ (IS) zu stoppen und die als mangelhaft geltende Kampfkraft der irakischen Armee zu heben, sollen noch in diesem Sommer voraussichtlich bis zu 1000 weitere US-Militärausbilder entsandt werden. Selbst der Aufbau einer neuen Truppen-Basis ist geplant. Amerika hätte damit knapp vier Jahre nach dem vollständigen Truppenabzug wieder über 4000 Soldaten im Irak stehen. Mit einem zentralen Unterschied: Sie sollen auch weiterhin nicht selber am Boden kämpfen, sondern ausschließlich irakische Einheiten so ertüchtigen, dass sie selbst den IS unter Kontrolle bringen und von ihm besetzte Städte zurückerobern können. Entsprechende Berichte der „New York Times“ und des „Wall Street Journal“ wurden gestern aus Regierungskreisen in Washington bestätigt. Noch im Laufe des Mittwochs wurde die Ankündigung zur Stationierung von zunächst 500 weiteren Militär-Beratern erwartet.

Bisher haben die USA nach eigenen Angaben 9000 irakische Kämpfer geschult, knapp 2600 stecken in der Ausbildung. Zu wenig, wie Regierungssprecher Josh Earnest anklingen ließ und dabei auf ein grundsätzliches Problem hinwies: Der irakischen Regierung gelingt es offenbar nicht, überhaupt ausreichend Rekruten für die Kurse der US-Ausbilder zu gewinnen.

Vor allem in der Provinz Anbar, die bis vor die Tore der Hauptstadt Bagdads reicht, wirke sich das negativ aus. Nach dem Fall der dort liegenden Stadt Ramadi an den IS im Mai, hatte Pentagon-Chef Ashton Carter der irakischen Armee fehlenden Kampfeswillen vorgeworfen. Konkret gemeint war etwas anderes: Die Regierung des schiitischen Premierministers Abadi unternimmt aus Sicht Washingtons zu wenig, um sunnitische Kämpfer in die Ausein-andersetzung gegen den IS zu integrieren. Sie gelten nach Worten von Obama-Sprecher Earnest aber als Schlüssel, um dem ebenfalls sunnitisch geprägten Kalifat die Stirn zu bieten. Stattdessen, so formulieren es Regierungsmitarbeiter inoffiziell, verlasse sich die Regierung Abadi auf die Hilfe schiitischer Milizen, die vom Mullah-Regime im Nachbarland Iran gesteuert werden.

Um die Kräfteverhältnisse zu verändern, sollen von dem in der Nähe der Stadt Habbanija aus geplanten neuen US-Ausbildungslager vor allem sunnitische Stammeskämpfer trainiert werden, hieß es gestern im Pentagon. Größenordnung: 10 000 Männer zusätzlich, plus 3000 weitere reguläre irakische Armee-Mitglieder. Mit anderen Worten: Die US-Regierung setzt – wie schon im Irak-Krieg 2006 im Kampf gegen Al Kaida – erneut auf ein Wiedererwachen („Awakening“) der Sunniten. Ob deren Kämpfer abermals mit Waffen, Geld und Training zum Aufstand gegen Dschihadisten zu motivieren sind, gilt aus der Sicht von Denkfabriken in Washington als fraglich. „Solange Bagdad den Sunniten keine echte Teilhabe an der Macht zubilligt, wird die Bereitschaft zu kämpfen eher begrenzt sein“, sagte ein Experte des Cato-Instituts.

Republikaner: Maßnahmen halbherzig

Die USA planen damit einen militär-strategischen Kurswechsel. Die Stadt Mossul, in der Hand des IS, sollte in diesem Sommer zurückerobert werden. Der Plan ist bis 2016 auf Eis gelegt. Ramadi rückt in der Prioritätenliste nach oben. Für hartnäckige Obama-Kritiker im Kongress, allen voran John McCain, sind die Maßnahmen unverändert halbherzig. Dass keine US-Kampfeinheiten eingesetzt werden, auch nicht als „Späher“ für die Zielaufklärung der regelmäßigen US-Luftangriffe, dass Washington der irakischen Regierung schweres Kriegsgerät wie Apache-Kampfhubschrauber immer noch versagt, hält der Senator für einen „schweren Fehler“.