Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Politik

USA und Türkei bündeln militärische Kräfte im Syrien-Konflikt

12.08.2012 | 06:56 Uhr
Foto: /AP POOL/Jacquelyn Martin

Die USA und die Türkei stärken im Syrien-Konflikt ihre militärische Kooperation. Aus Sorge vor einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen und einer Verschärfung des Flüchtlingselends in Syrien wollten die beiden Länder eine gemeinsame Arbeitsgruppe bilden, kündigten US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr türkischer Kollege Ahmet Davutoglu am Samstag nach einem Treffen in Istanbul an.

Istanbul (dapd). Die USA und die Türkei stärken im Syrien-Konflikt ihre militärische Kooperation. Aus Sorge vor einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen und einer Verschärfung des Flüchtlingselends in Syrien wollten die beiden Länder eine gemeinsame Arbeitsgruppe bilden, kündigten US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr türkischer Kollege Ahmet Davutoglu am Samstag nach einem Treffen in Istanbul an. Die Arabische Liga will am (heutigen) Sonntag in saudiarabischen Dschidda eine Krisensitzung ihrer Außenminister zur Lage in Syrien halten.

Der Krisenstab werde für die Koordination der Reaktion auf militärischer, geheimdienstlicher und politischer Ebene verantwortlich sein, sollte es zum Ernstfall kommen, erklärten die Minister. Die US-türkische Arbeitsgruppe werde das Engagement der Geheimdienste und Streitkräfte beider Länder verstärken, sagte Clinton. Man habe zwar bereits im Laufe des Konflikts in Syrien eng zusammengearbeitet. "Aber jetzt müssen wir uns mit den Einzelheiten einer solchen Einsatzplanung auseinandersetzen. Und das muss auf bilateraler Regierungsebene geschehen", sagte Clinton.

Im Juli hatte der Sprecher des syrischen Außenministeriums für den Fall eines Angriffs von außen mit dem Einsatz chemischer und biologischer Waffen gedroht. Dabei versicherte er, dass das Regime die Waffen nie gegen die eigene Bevölkerung einsetzen würde. Die Stellungnahme galt als erstes Eingeständnis, dass Damaskus wie vermutet Massenvernichtungswaffen besitzt. Allerdings ruderte das Regime später wieder zurück und wollte die Existenz solcher Waffen weder bestätigen noch leugnen.

Davutoglu deutete eine mögliche Einrichtung einer sogenannten "Sicherheitszone" in Syrien an, um Kriegsflüchtlinge vor möglichen Angriff durch Soldaten oder Kampfjets Assads zu schützen. "Wir müssen uns auf ein Eingreifen vorbereiten", erklärte Davutoglu weiter, ohne Einzelheiten zu nennen. Schon jetzt hätten 55.000 Syrer in der benachbarten Türkei Zuflucht gesucht. Täglich kämen 2.000 bis 3.000 weitere Menschen ins Land. Die meisten flohen aus der seit zwei Wochen erbittert umkämpften syrischen Stadt Aleppo.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind inzwischen fast 150.000 Menschen aus Syrien in Nachbarländer geflohen. Behördenvertreter gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge eher bei mehr als 200.00 liegen dürfte, da sich nicht alle Flüchtlinge als solche registrieren lassen.

Im erbittert umkämpften Aleppo setzten die Regierungstruppen ihre Offensive gegen die Rebellen unvermindert fort. Aktivisten berichteten von anhaltend heftigem Bombardement der Handelsmetropole. Im Zentrum der Hauptstadt Damaskus explodierten zwei Bomben. Unterdessen berichtete ein der Regierung von Assad nahestehender syrischer Fernsehsender von der Entführung vier seiner Mitarbeiter.

Ein libanesisches Militärgericht erhob derweil Anklage gegen den früheren Informationsminister Joseph Samaha und einen ranghohen Vertrauten Assads, wie die amtliche Nachrichtenagentur NNA mitteilte. Ihnen wird vorgeworfen, einen Terroranschläge im Libanon geplant zu haben. Samah gilt als eine der glühendsten libanesischen Unterstützer des syrischen Regimes.

© 2012 AP. All rights reserved

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Secret-Service-Chefin tritt nach Pannenserie zurück
Leibwächter
Reihenweise Pannen bei Barack Obamas Leibwache - das konnte die Regierung nicht mehr mit ansehen. Jetzt zog sie die Reißleine: Offiziell heißt es zwar, die Secret-Service-Chefin habe den Rücktritt angeboten. Aber es war wohl eher ein Rauswurf. Die Pannen der Leibgarde waren teilweise haarsträubend.
Koalition bombardiert Terrormiliz - heftige Kämpfe um Kobane
Terror
Seit Tagen versuchen die IS-Extremisten, die kurdische Stadt Kobane einzunehmen. Sie sind nur noch zwei Kilometer entfernt. Mit Luftangriffen versucht eine internationale Allianz den Vormarsch zu stoppen. Das türkische Parlament will der Regierung die Erlaubnis für Militäreinsätze geben.
Trickdieb-Opfer Jäger muss sich im Landtag rechtfertigen
Trickdiebstahl
"Augen auf und Tasche zu": Während NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor Taschendieben warnt, wird er selbst bestohlen - obwohl von drei Personenschützern umgeben. Die Opposition verlangt Auskunft, wie das geschehen konnte - und verweist auf bekannte Attentate auf Politiker.
Wieder Sicherheitspanne - Mann mit Waffe bei Obama im Aufzug
Weißes Haus
US-Präsident Barack Obama gehört zu den bestbewachten Menschen der Welt. Umso erstaunlicher sind die Pannen, die den erfahrenen Personenschützern des Secret Service dabei unterlaufen. Jetzt wurde bekannt: Beim Besuch einer Behörde fuhr ein Mann mit Obama Aufzug und trug dabei eine Waffe.
Stoltenberg tritt Amt als Nato-Generalsekretär an
Nato
Der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist offiziell im Amt. Der 55 Jahre alte frühere norwegische Ministerpräsident trat am Morgen seinen Dienst im Brüsseler Hauptquartier der Militärallianz an.