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USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren

07.06.2013 | 16:13 Uhr
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
US-Geheimdienste werten zur Terrorbekämpfung massenhaft Internet- und Telefondaten aus. Kritiker sehen die individuellen Freiheiten der Nutzer in Gefahr.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Essen.   Stimmen sie also doch, die Vermutungen von Datenschützern und die Ahnungen der Verschwörungstheoretiker? Schon lange mahnten und raunten sie, US-Geheimdienste würden im großen Stil Telefongespräche mitschneiden und den Datenverkehr im Internet überwachen. Nun legen Veröffentlichungen nahe: Es könnte stimmen – und es ist alles vermutlich noch viel schlimmer.

Am Mittwoch berichtete die britische Zeitung „Guardian“ von einer geheimen Gerichtsanweisung an den größten US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless, drei Monate lang die kompletten Informationen zu allen Anrufen an die National Security Agency (NSA) zu übergeben. Der Militärnachrichtendienst kann daraus schließen, wer wann wo und wie lange angerufen hat. Ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte die Sammelaktion und nannte das Vorgehen legal.

Spitze des Eisbergs

Doch diese alarmierende Nachricht ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Die USA spionieren die Bevölkerung offenbar mit einem massiven Technikeinsatz auch im Internet aus. Nach geheimen NSA-Informationen, die der „Washington Post“ und dem „Guardian“ von Eingeweihten zugespielt worden seien, zapfen NSA und Bundespolizei FBI seit Jahren die zentralen Rechner von führenden Internetfirmen an.

Betroffen seien neben Verizon auch Microsoft mit Diensten wie Hotmail und Skype, Google, Yahoo, Apple und Facebook. Damit hätten die Behörden direkten Zugriff auf E-Mails, Fotos, Videos, Chats und sonstige persönliche Daten. Das Programm mit dem Code-Namen „Prism“ (Prisma) sei streng geheim. Nach den Medien-Berichten wurde Prism bereits 2007 ins Leben gerufen und unter der Präsidentschaft von Barack Obama massiv ausgeweitet.

Konzeren dementieren

Für die Internetdienste, die auf das Vertrauen ihrer Nutzer angewiesen sind und stets versichern, deren Privatsphäre zu schützen, sind diese Nachrichten eine Katastrophe. Die Internet-Riesen dementierten prompt einer nach dem anderen, dass sie die Geheimdienste automatisch mitlesen ließen.

Tatsächlich bleibt unklar, welche Daten die NSA tatsächlich verwertet. Greift der Geheimdienst ohne Wissen der Firmen die Daten ab oder speisen diese die Öffentlichkeit mit halbwahren Dementis ab? Möglich wäre diese Version: Wenn die Internetkonzerne auf Basis eines Gerichtsbeschlusses regelmäßig Kopien aller Daten an die NSA weitergeben, könnten sie behaupten, die NSA habe keinen „direkten“ Zugriff. Gleichwohl bekäme der Geheimdienst die gewünschten Informationen.

Die Bundesregierung reagierte bereits besorgt auf die Berichte. Es werde geprüft, ob auch deutsche Nutzer betroffen seien, sagte ein Sprecher. Der Bundesverband der IT-Branche (Bitkom) verlangte Klarheit: „Solche Maßnahmen zerstören das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen nicht nur in den USA“, erklärte Bitkom.

Gigantische Datenmengen

Doch wie sollten die US-Geheimdienste so gigantischen Datenmengen auswerten? Technisch sei dies kein Problem, meinen Experten. Unter dem Stichwort „Big Data“ gebe es Technologien, die gewaltige Datenberge abarbeiten könnten. Das US-Internet-Magazin „Gigaom“ erklärt genau, wie die NSA vorgeht. Vereinfacht lässt sich das so darstellen: Mit der speziellen Software „Accumulo“ werde ein grafisches Netz in Form einer Pyramide (Prisma!) erstellt, jeder Anruf ist ein Knotenpunkt. So lasse sich zeigen, wer mit wem wann und wo Kontakt hatte.

Lesen Sie auch:
US-Sicherheitsbehörde darf offenbar wahllos Daten sammeln

Ein geheimes Gerichtsurteil erlaubt US-Sicherheitsbehörden laut der britischen Zeitung "The Guardian", wahllos Telefondaten von Telekommunikationsfirmen anzufordern. Der Handynetzbetreiber Verizon müsse der National Security Agency bereits täglich Informationen über Telefongespräche übermitteln.

„Die Agenten können sehr schnell herausfinden, wer Du bist, wen Du kennst und wohin Du gehst“, heißt es dort. Hunderte Millionen Verbindungen könne die NSA auf diese Weise auswerten. Dies sei eine wirkungsvolle Methode zur Verbrechensbekämpfung – einerseits. Und zugleich eine perfekter Weg, individuelle Freiheiten auszuhöhlen.

Christopher Onkelbach



Kommentare
09.06.2013
09:35
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von wohlzufrieden | #12

Als nächstes führen sie die vorsorgliche Erschießung ein...dagegen war die UdSSR ein Paradies der Freiheit.

08.06.2013
12:21
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von Operation.Atalanta | #11

Und die Terroristen lachen sich kaputt! Durch die Angst der Amis erreichen sie ihr Ziel, die (ehemals) freie, westliche Lebensweise zu zerstören.

Und nehmt Obama endlich den Friedensnobelpreis wieder weg!!!

08.06.2013
09:23
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von feierabend | #10

LANGWEILIG

08.06.2013
09:09
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von Imaz | #9

Diese an kollektiven Verfolgungswahn leidende Nation ist zum größten Polizei
und Spitzelstaat geworden, den es jemals auf dem Gobus gab.

1 Antwort
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von Pit01 | #9-1

#9
Leider scheint es so zu sein.

08.06.2013
08:06
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von donfernando | #8

Sie haben also die technische Möglichkeit, um hunderte Millionen Verbindungen auszuwerten.
Es muss aber immer noch ein Mensch diese Auswertungen....oder sagen wir besser Millionen von Menschen müssen entscheiden, wer und was denn nun wichtig ist bei diesen hundert Millionen Möglichkeiten.
In der Praxis wird das so aussehen, dass vielleicht einer von Hundert...wenn er Pech hat...bei einem solchen Blindflug ins Visier gerät.
Aber dieser eine hat dann wirklich Pech. Denn an dem wird ja von vorne bis hinten bewiesen, wie toll das System ist. Licht bis in den hintersten Winkel der irgendwann angesoffen vertretenen Meinung, sozusagen. Und damit hätte sich dann zum Beispiel die Anstellung im Staatsdienst erledigt.
Während sich unter den anderen 99 vielleicht 10 befinden, die selbst gebaute Bomben im Keller haben und sich freuen, dass sie damit nicht aufgefallen sind.

Ein tolles System: Ebenso gut könnte man jeden hundertsten Menschen zur Vorbeugung vor Straftaten einsperren.


08.06.2013
07:11
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von chemtrail | #7

Als an Anglizismen gewöhnter Bürger in der "New world order" google ich gerade die Adresse meiner Neubekanntschaft auf Maps, nein- nicht mit dem Laptop ,sondern mit meinem "Spy bug"

08.06.2013
02:23
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von buerger99 | #6

Es ist aber nicht wirklich neu das der Zeck die Mittel heiligt. Bereits mit dem Echolon Projekt wurde bekannt, das in Europa spioniert wurde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Echelon

Damit dürften sich M$s Träume von Office365 gerade zerschlagen haben ;-) Welcher europäische Unternehmer ist so bekloppt und speichert seine ganzen Emails und Dokumente auf Servern die NUR in der USA stehen.

08.06.2013
02:01
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von Pit01 | #5-1

Was ist denn das für eine Redensart?

07.06.2013
23:14
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von NRWler1 | #4

Ich verstehe die Aufregung nicht. Im TV konnten wir doch Präsisent Obamas Rede dazu hören:" Niemand hat vor eine Mauer..." oder so ähnlich, klang jedenfalls genau so.

07.06.2013
20:17
USA sollen ihre Bürger am Telefon und im Netz ausspionieren
von Wunderratte | #3

*gääähn*
Ich empfehle als Lektüre: Diabolus/Digital Fortress von Dan Brown. Der beschrieb dieses Szenario bereits 1998....

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