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Krieg

USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz

21.08.2012 | 07:05 Uhr
Die USA haben Syrien mit "enormen Konsequenzen" für den Fall eines Einsatzes von Chemiewaffen gedroht. Zwar habe er noch keine Militärintervention angeordnet, Washington beobachte die Situation aber sehr genau, sagte US-Präsident Barack Obama Foto: Reuters

Washington.  US-Präsident Barack Obama droht Syrien mit einem Militäreinsatz. Sollte Präsident Baschar al-Assad chemische Waffen nutzen, hätte das "enorme Konsequenzen", warnte Obama am Montag in Washington. Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen würde eine spürbare Ausweitung des Konflikts bedeuten.

US-Präsident Barack Obama hat dem syrischen Staatschef Baschar Assad im Falle eines Chemiewaffen-Einsatzes mit einem Militärschlag gedroht. Mit der Verwendung biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen würde eine "rote Linie" überschritten, sagte Obama am Montag in Washington. Derweil bestätigte die Regierung in Tokio den Tod einer japanischen Journalistin. Aktivisten zufolge werden drei weitere Reporter in Syrien vermisst. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass bei landesweiten Kämpfen am Montag 140 Menschen ums Leben gekommen seien.

Obama sagte, er habe bislang noch kein militärisches Eingreifen im Syrien-Konflikt angeordnet. Allerdings habe er allen Akteuren in der Region unmissverständlich klar gemacht, dass auch nur die Vorbereitung eines Chemiewaffeneinsatzes für die USA das Überschreiten einer "roten Linie" bedeute und "meine Kalkulationen entscheidend ändern würde". "Wir können uns keine Situation erlauben, in der chemische oder biologische Waffen in die Hände der falschen Leute fallen", erklärte er.

Chemiewaffen in Syrien würden auch Israel betreffen

Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen würde eine spürbare Ausweitung des Konflikts bedeuten. "Das ist ein Problem, das nicht nur Syrien angeht. Es betrifft unsere engen Verbündeten in der Region, einschließlich Israel. Es betrifft uns", sagte Obama. Seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 wurden in dem Bürgerkrieg laut Angaben von Aktivisten mehr als 20.000 Menschen getötet.

Die Kämpfe in Syrien halten weiter an. Jetzt droht US-Präsident dem syrischen Assad-Regime mit einem Militärschlag.Foto: dapd

Die Kämpfe machten auch vor den Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan nicht Halt. Syrische Regierungstruppen nahmen nach Angaben von Aktivisten am Montag unter anderem die Städte Aleppo und Daraa sowie einen Vorort von Damaskus unter Beschuss und töteten dabei bis zu 140 Menschen.

Japanische Journalistin bei Kämpfen in Syrien getötet

Das japanische Außenministerium bestätigte am Dienstag den Tod einer japanischen Journalistin in Syrien. Eine Sprecherin erklärte, die Leiche der Journalistin, die für Japan Press über den Bürgerkrieg in Syrien berichtet habe, sei in die Türkei überführt worden, wo japanische Konsularvertreter bereitstünden. Die 45-jährige preisgekrönte Journalistin kam demnach bei Kämpfen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden des Landes ums Leben.

Auf einem am Montag von einem Aktivisten ins Netz gestellten Video ist die Leiche einer asiatisch aussehenden Frau in einem Wagen zu sehen. Der oppositionelle Kämpfer Ahmed Ghasali sagte, die Journalistin sei von Regierungstruppen in Aleppo getötet worden. "Wir heißen jeden Journalisten willkommen, der nach Syrien einreisen will", erklärte Ghasali. Sie seien aber nicht für die Brutalität von Assads Soldaten gegenüber Journalisten verantwortlich.

Video
New York/Damaskus, 17.08.12: Der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi ist laut UN-Kreisen bereit, die Nachfolge von Syrien-Sondervermittler Kofi Annan anzutreten. Brahimi wolle, so ein Insider, eine andere Strategie verfolgen als Annan.

Er hoffe, dass der Tod der Journalistin die internationale Gemeinschaft endlich zum Handeln bewege. "Ich hoffe, dass diese Länder, die nicht vom syrischen Blut erschüttert wurden, vom Blut ihrer eigenen Leute bewegt werden", sagte Ghasali. Der Beobachtungsstelle zufolge werden derzeit noch ein türkischer, ein libanesischer und ein arabischer Journalist vermisst.

Berichte über eine mutmaßliche Spionage-Aktion eines deutschen Aufklärungsschiffs vor der syrischen Küste dementierte derweil der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Stefan Paris. Zu den genauen Zielen des Einsatzes der "Oker" und einem möglichen Zusammenhang mit den Kämpfen in Syrien wollte er indes keine Angaben machen. Bei der "Oker" handele es sich um ein sogenanntes Flottendienstboot - diese Schiffe seien unbewaffnete "Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheiten ", erklärte Paris. Flottendienstboote der deutschen Marine operieren demnach "seit Jahren auch routinemäßig im Bereich des Mittelmeeres".

Jordanien protestiert gegen syrischen Raketenangriff

Jordanien kritisierte derweil einen syrischen Raketenangriff auf sein Territorium scharf . Die Regierung habe dem syrischen Botschafter in Amman am späten Sonntagabend einen Protestbrief überreicht, teilte Regierungssprecher Samih Maajtah am Montag mit. Zuvor waren vier Raketen aus Syrien im jordanischen Grenzort Turra eingeschlagen. Bei dem Beschuss wurde nach Regierungsangaben ein vierjähriges Mädchen verletzt, vier weitere Jordanier mussten wegen Panikattacken stationär behandelt werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte die syrischen Streitkräfte bei einer Pressekonferenz in Berlin auf, "jede Kampfhandlung gegenüber ihren Nachbarstaaten zu unterlassen und auch zu unterbinden". Ein Übergreifen des Syrien-Konflikts auf benachbarte Grenzregionen sei sehr gefährlich. "Die drohende Gefahr eines regionalen Flächenbrandes muss vermieden werden", sagte er. (ap)


Kommentare
21.08.2012
14:26
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von BrettBumms | #8

dann können wir uns ja zurücklehnen und wenn Assad dann wirklich seine eigenen Leute mit Chemiewaffen umbringt, dann sind bestimmt die Amerikaner schuld.

Die sind ja immer schuld, niemals irgendwelche machthungrigen Despoten, die ihr Volk seit Jahrzehnten ausbeuten, unterjochen und dumm halten.

Sehe wir doch einfach zu, wenn sich irgendwelche Gruppen gegenseitig umbrigen und bekämpfen. Dafür sind wir doch nicht verantwortlich!

2 Antworten
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von derwolf80 | #8-1

...sind es nicht die Amerikaner, die ihr Volk seit Jahrzehnten ausbeuten, unterjochen und dumm halten - STOP: Natürlich alles nur unter dem Vorwand der Terrorabwehr... Als ob Höhlenbewohner aus Afghanistan in der Lage dazu wären, Amerika in irgendeiner Form gefährlich zu werden.
Aber offenbar gibt es in der Welt genügend Medienkonsumenten, die es nicht für nötig halten, selbst einmal zu reflektieren, WARUM uns gerade DIESE Nachricht unterbreitet wird... Jaja... Alles nur Verschwörung. In Wirklichkeit gehts den Amerikanern nur um das Wohl der ganzen Syrer, Afghanen, Irakis und wem sonst noch so. Hat nix mit Öl oder Gas zu tun. Oder dem Willen Israels... Ein Schelm, der böses dabei denkt...

USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von maped | #8-2

da soll einer sagen das propagandaministerium hat es nicht drauf den otto normal bürger zu verschaukeln....

21.08.2012
12:09
Und...Bumms...
von derwolf80 | #7

da sind sie wieder, die B und C Waffen!
Die USA zückt die Jokerkarte und die dumme Weltbevölkerung apllaudiert artig!
Stellt sich nun die Frage, ob Syrien vielleicht die im Irak verschwundenen Biowaffen geklaut hat?
Das erinnert ein wenig an die Milzbrandwarnung kurz nach 9/11, als plötzlich ein längst vergessener Erreger in diversen Briefen auftauchte (der im Nachinein eindeutig einer Forschungseinrichtung in den USA zugeordnet werden konnte)....

Nun hat die USA also die Türe aufgetreten - muss sich nur ein dummer finden, der im Namen von irgendeiner Gottheit - oder vielleicht auch im Auftrag des CIA, FBI, ABC oder sonsteiner US-freundliche Behörde eine rauchwolke erzeugt, die groß genug ist, damit der freundliche braune Mann, der ja zu beginn seiner Amtszeit mit dem Friedensnoblepreis ausgezeichnet wurde (ich lach mich tod!) endlich auf den dicken roten Knopf drücken darf, um die Ölreserven eines weiteren Landes einzusacken.
Chapeau! Die USA will Krieg - die USA macht Krieg!

21.08.2012
12:03
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von a_ha | #6

Irgendwie muss sich ein Grund finden lassen. Die Aussage belegt, dass man sich längst rüstet. Mir ist die Gemengelage dort, insbesondere inwieweit die Türkei und Saudi-Arabien involviert sind, völlig unklar. Sicher ist, dass die Islamisten größeres Interesse am Ende Assads haben müssten als westliche Nationen.
Insofern bin ich für sich raushalten aus dem Konflikt. Viele Handyaufnahmen sind nicht verifiziert.

21.08.2012
12:03
USA rasselt mit dem Säbel weil in Syrien...
von Ismet | #5

zufälligerweise Öl gibt.
Ein Schelm wer da böses Denkt...
Es dürfte mittlerweile jedem Menschen auf der Erde klar sein, das es den US-Amerikanern nicht um die Menschenrechte geht sondern um die vorhandenen Ressourcen.

21.08.2012
11:57
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von AkaX | #4

mhm einerseits finde ich das dumme sich mit Abc waffen doch gegenseitig ausrotten sollen andererseits tuen mir die zivilisten leid.
....Vorschlag zur Güte Obama. Anstatt den Dollar zum Einmarsch auszugeben holt die willigen Zivilistens da raus und Siedelt Sie in einem sicheren Land neu an kostet wahrscheinlich weitaus weniger als eine ständige Präsenz. mit ein wenig glück sind am ende beide Parteien im A.

21.08.2012
11:56
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von scouti | #3

Was würde geschehen wenn Assad weg ist? Bessert sich die Situation für die Bevölkerung und das Land? Ist Syrien ohne den bisherigen Machthaber in der Lage einen Neuanfang zu wagen? Mit den bisherigen "Rebellen" anstatt der regierungstreuen Militärs?

Egal welche Länder ein Chemiewaffeneinsatz betrifft, es betrifft in jedem Falle auch Menschen die in diesen Ländern Leben, egal welcher Paß oder Religion.

21.08.2012
11:27
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von Meinemal | #2

Na ja, diese A-Bombenwerfer regen sich wg. Chemiewaffen auf. Und wie war das mit dem Vernichtungskrieg gegen die Indianer? Man fühlt sich medial verdummt!

2 Antworten
USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von Ismet | #2-1

Was ist mit "Agent-Orange" in Vietnam?
Oder die Urangeschosse in Irak, wo man damit die Bunker geknackt hat?

USA drohen Syrien mit Militärschlag bei Chemiewaffen-Einsatz
von buntspecht2 | #2-2

Seit es die USA gibt haben die nur Unheil gestiftet mit der Vernichtung der Indianer angefangen jeder Präsident hatte seinen Krieg

21.08.2012
10:11
Israel in den Iran, USA nachSyrien
von meigustu | #1

und der Irak ist schon viele kleine Warlords übergeben. Bald ist das Ziel erreicht auch die Region so zu destabilisieren wie Mittelamerika.

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