Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Waffenlobby

US-Waffenorganisation schockiert nach Amoklauf in Newtown

19.12.2012 | 08:09 Uhr
Nach dem Amoklauf in einer Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut wird in den USA wieder über strengere Regeln im Waffenrecht diskutiert.Foto: dpa

Washington.  Vier Tage hat sie geschwiegen, nun hat sich die US-Waffenlobby erstmals zu dem verheerenden Amoklauf an einer Grundschule zu Wort gemeldet. Die einflussreiche National Rifle Association (NRA) erklärte, die Mitglieder seien schockiert und tieftraurig über die Nachricht von "diesen entsetzlichen und sinnlosen Morden". Die NRA versicherte, sie wolle dazu betragen, solche Gewalttaten in Zukunft zu verhindern.

Erstmals seit dem Amoklauf in Newtown hat sich die mächtige US-Waffenorganisation NRA zu der Tat geäußert und sich zutiefst "schockiert" gezeigt. Aus Respekt vor den Angehörigen und aus Anstand habe sie sich nicht eher geäußert und Zeit für "Trauer, Gebete und Ermittlungen" zu dem Vorfall gelassen, erklärte die NRA am Dienstag. Der Gouverneur im Bundesstaat Michigan legte sein Veto gegen ein Gesetz zum Tragen von Waffen ein.

NRA will Beiträge zur Vorbeugung derlei Verbrechen leisten

Um die mächtigste Stimme der US-Waffenlobby war es in den Tagen nach dem Amoklauf vom vergangenen Freitag auffällig ruhig gewesen. In der auf ihrer Internetseite veröffentlichten kurzen Erklärung hieß es am Dienstag nun, die National Rifle Association (NRA) bestehe aus "vier Millionen Müttern und Vätern, Söhnen und Töchtern und wir sind schockiert und traurig" angesichts dieser "schrecklichen und sinnlosen Morde" in Newtown. Für diesen Freitag kündigte die NRA eine Pressekonferenz in Washington an.

Sie wolle zudem "Beiträge leisten", um dabei zu helfen, dass sich derlei Verbrechen nicht wiederholten, führte die NRA weiter aus, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Den Verein gibt es seit 1871. Er vertritt die Sichtweise, dass mehr Waffen in Privathand ein Garant für Sicherheit sind, weil sich die Menschen dann selbst verteidigen könnten.

Debatte über schärfere Waffengesetze

Am Freitag war ein 20-Jähriger schwerbewaffnet in eine Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut gestürmt und hatte 20 kleine Kinder und sechs Frauen erschossen, bevor er sich selbst richtete. In der Folge der Bluttat war in den USA die Debatte über schärfere Waffengesetze wieder voll entfacht. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein kündigte eine Gesetzesinitiative für ein Verbot von Sturmgewehren an. Am Dienstag erklärte US-Präsident Barack Obama dann seine Unterstützung für ein solches geplantes Gesetz. Obama stehe hinter der Initiative, teilte das Weiße Haus am Nachmittag (Ortszeit) mit.

Umfrage
Nach dem Amoklauf in Newtown, wird in den USA über Waffenbesitz debattiert. Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis Besitzer von Schusswaffen?

Nach dem Amoklauf in Newtown, wird in den USA über Waffenbesitz debattiert. Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis Besitzer von Schusswaffen?

 

In Michigan stoppte der republikanische Gouverneur Rick Snyder ein Gesetz, welches das Tragen von Waffen in Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und Stadien erlaubt hätte. Die öffentlichen Orte bräuchten klare Befugnisse, um selbst das Tragen von Waffen zu unterbinden, erklärte Snyder zur Begründung. Derzeit stehe dies nur privaten Orten wie Bars und Banken zu.

Elfjähriger Schüler brachte Waffe mit zur Schule

In einem Vorort von Salt Lake City im Bundesstaat Utah brachte unterdessen am Dienstag ein elfjähriger Schüler eine kleinkalibrige Waffe mit in die Schule. Ein Sprecher der Schule in Kearns sagte am Ende des Schultags, der Junge habe die Waffe mitgebracht, um sich und seine Freunde vor einem ähnlichen Fall wie dem Amoklauf in Newtown zu beschützen. Aufmerksame Schulkameraden meldeten den Schüler, der die Waffe in seinem Rucksack trug. Er soll zudem mindestens drei andere Schüler bedroht haben und wurde von der Schule suspendiert.

Trauer in Newtown

In Newtown selbst waren die meisten Schüler am Dienstag erstmals nach der Tat vom Freitag wieder in ihre Schulen zurückgekehrt. Die Sandy-Hook-Grundschule, der Ort des Amoklaufs, blieb aber weiter abgesperrt. Für die Überlebenden der Bluttat soll erst Ende der Woche in einem Ersatzgebäude in der Nähe von Newtown der Unterricht wieder beginnen. (AFP/dapd)

 



Kommentare
20.12.2012
10:38
Schock oder Shot?
von wohlzufrieden | #4

Wie viele von den "Schockierten" haben denn noch eine Woche vorher mit Sturmgewehren schießen geübt...?

19.12.2012
18:35
US-Waffenorganisation schockiert nach Amoklauf in Newtown
von mc3hammer | #3

"US-Waffenorganisation schockiert"?

Hä? Nein, sie schockiert nicht, sondern sie ist schockiert. Genau so wie ich schockiert bin über die sprachlichen Blutgrätschen bei dieser Zeitung.

1 Antwort
US-Waffenorganisation schockiert nach Amoklauf in Newtown
von greybeard | #3-1

Stimmt, dieser sprachliche Lapsus war mir auch aufgefallen. Ich hatte inhaltlich eher das Gegenteil der dann folgenden Meldung über die Stellungnahme der NRA erwartet.

19.12.2012
17:52
Kein Sturm im Wasserglas
von wohlzufrieden | #2

Nach bisher unbestätigten Meldungen hat die US-Waffenindustrie sich bereit erklärt, keine Sturmgewehre mehr in Tornado-gefährdete Gebiete zu liefern...

19.12.2012
12:09
US-Waffenorganisation schockiert nach Amoklauf in Newtown
von greybeard | #1

Ich frage mich schon seit ein paar Tagen, wozu ein privater Bürger eine reine Militärwaffe (Sturmgewehr) braucht.
Aber ein 11-jähriger mit einer scharfen Waffe in der Schule, so wie aus Utah gemeldet, ist doch auch was Feines. Ich frage mich, was für Vorstellungen so ein Kind davon hat, wie es sich und andere mit einer Feuerwaffe schützen kann. Ich will jetzt nicht dem Fernsehen die Schuld geben, aber die Ideen des Kindes von Töten und Sterben könnten schon von Krimiserien geprägt worden sein.

1 Antwort
Wenn der Schock nicht mehr so schwer ist,
von pipapu | #1-1

wird die Gesellschaft sich die Frage stellen müssen, wie sie diese astronomische Anzahl der Waffen überhaupt noch eindämmen kann. Nur neue Gesetze können nur ein Anfang der Problembewältigung sein und gleichzeitig müssen die Einflüsse auch des Denkens und Fühlens mit einbezogen werden. Was soll das, schon Kinder mit zum Schießstand zu nehmen? Sturmgewehre mit denen der Täter in 2 Minuten 26 Menschen umbringen konnte sollten sich die Amerikaner in ihren Straßen einmal vorstellen, wenn sich z. B. ein Sportereignis zur Revolte entwickelt! Die Amerikanische Waffenanarchie ist der Horror!

Aus dem Ressort
Putin soll mit Invasion Polens gedroht haben
Russland
„In zwei Tagen könnten meine Truppen in Warschau oder Bukarest stehen.“ Berichte über starke Sprüche des Kremlchefs Putin sorgen in der EU für Irritationen. Die Äußerungen sind nicht verbürgt, doch viele halten sie für authentisch. Sind sie eine ernste Drohung in Richtung Westen oder nur ein Bluff?
Welche Regionen in der EU noch Eigenständigkeit anstreben
Schottland
Belgien, Spanien, Italien. In mehreren Regionen Europas träumt man von der Eigenständigkeit. Das Referendum auf der Insel könnte für sie ein Signal sein. Experten haben 80 Regionen in Europa identifiziert, in denen die Idee der Loslösung aus dem bisherigen Staatsverbund Wurzeln geschlagen habe.
Australiens Polizei vereitelt Anschläge radikaler Islamisten
Terrorgefahr
Der IS-Terrormiliz nahestehende Extremisten sollen öffentliche Enthauptungen auf den Straßen Sydneys geplant haben. Die australische Polizei vereitelt die Pläne mit dem größten Anti-Terror-Einsatz ihrer Geschichte.
Lafontaine-Attentäterin darf kein Parlamentsgebäude betreten
Sicherheit
Die Lafontaine-Attentäterin Adelheid Streidel ist im Juli 2013 aus der psychiatrischen Klinik in Bedburg-Hau entlassen worden. Weil die 67-Jährige die Absicht geäußert hat, gerne mal den Bundestag zu besuchen, hat das Landgericht Kleve reagiert und ihr das Aufsuchen von Parlamentsgebäuden verboten.
Ministerin Hendricks will Heizkosten-Zuschuss zurückholen
Wohngeld-Reform
Steigende Energiekosten und hohe Mieten machen Geringverdienern das Leben schwer. Bauministerin Barbara Hendricks will nun gegensteuern und den Heizkosten-Zuschuss wieder einführen. Die genaue Höhe stehe aber noch nicht fest, bestätigte eine Sprecherin der Ministerin am Donnerstag.
Umfrage
Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?

Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?

 
Fotos und Videos