Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Nato

US-General Allen zieht Kandidatur zum Nato-Befehlshaber zurück

19.02.2013 | 23:49 Uhr
US-General Allen zieht Kandidatur zum Nato-Befehlshaber zurück
Trotz seiner Entlastung in der Petraeus-Affäre hat US-General John Allen seine Kandidatur als neuer Oberbefehlshaber der NATO-Einsätze zurückgezogen. Der General begründete seinen Schritt mit gesundheitlichen Problemen seiner Frau.Foto: dpa

Washington/Brüssel.  Wieder muss Barack Obama für einen wichtigen Militärposten einen neuen Mann suchen: General John Allen will nicht Oberbefehlshaber der Nato werden. Allen war wegen anzüglicher Mails in die Kritik geraten, will sich aber nun aus anderen Gründen zurückziehen.

Der designierte Nato-Oberkommandeur John Allen zieht seine Kandidatur zurück. Der US-General habe dem Präsidenten Barack Obama mitgeteilt, dass er "aus gesundheitlichen Gründen innerhalb seiner Familie" aus dem Militär abdanken wolle, teilte das Weiße Haus am Dienstag in Washington mit.

Er wolle seiner Frau im Kampf gegen mehrere chronische Krankheiten beistehen, hatte Allen am Sonntag in einem Interview der "Washington Post" gesagt. Bereits vergangene Woche hatte es Gerüchte gegeben, wonach Allen wegen der Affäre um angeblich "unangemessene" E-Mails an eine Freundin des ehemaligen CIA-Chefs David Petraeus zurücktreten wolle.

Obama muss neuen Kandidaten bestimmen

Die Nato erklärte auf Anfrage, sie respektiere Allens Rücknahme der Kandidatur. Nato-Sprecherin Oana Lungescu erklärte, Allen habe während seiner Zeit als Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf "großartige Führungskraft" an den Tag gelegt. Nun müssten die USA einen neuen Kandidaten bestimmen. "Die Auswahl eines neuen Kandidaten (...) ist eine nationale Entscheidung", erklärte Lungescu. Über den Vorschlag würden die 28 Nato-Staaten dann beraten. Auch der amtierende Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, mache "einen großartigen Job".

Lesen Sie auch:
Petraeus und Allen - Der Fall von zwei US-Generälen

Mit John Allen gerät nach David Petraeus ein weiterer Top-Militär ins Zwilicht. Ausgerechnet Jill Kelley, der Frau, die indirekt den Sturz von Petraeus ausgelöst hat, soll Allen "unangemessene" E-Mails geschrieben haben.

Im Schlussspurt um den Nato-Befehl drohte die E-Mail-Affäre Allen wieder einzuholen. In einem Bestätigungsverfahren im US-Senat hätte die Opposition die Mails wieder zum Thema machen können. Der Sender NBC berichtete vergangene Woche, dass der 59-Jährige möglicherweise seiner Familie die damit verbundene Berichterstattung ersparen wolle. Das US-Verteidigungsministerium war seinerzeit zu dem Schluss gekommen, dass sich Allen nicht standeswidrig verhalten habe.

Allen war seit 2011 Isaf-Kommandeur in Afghanistan

Allen diente in den vergangenen anderthalb Jahren als Isaf-Kommandeur in Afghanistan und war im Oktober für den prestigeträchtigen Nato-Spitzenjob vorgeschlagen worden. Der 59-Jährige war vorige Woche aus Afghanistan zurückgekehrt, nachdem er die Befehlsgewalt an seinen Nachfolger Joseph Dunford übertragen hatte.

Allens Rückzug gilt als ein weiterer Rückschlag für Obama bei der Besetzung wichtiger Posten im Militärbereich. Die Nominierung des Verteidigungsministers Chuck Hagel war im Senat nicht wie geplant durchgekommen, General Petraeus war im Zuge des Mail-Skandals als CIA-Chef zurückgetreten. (dpa)



Kommentare
Aus dem Ressort
Deutschland testet Ebola-Impfstoff
Ebola
Für den Einsatz in den afrikanischen Ebola-Gebieten melden sich viele Ärzte und Angehörige der Bundeswehr freiwillig - aber die wenigsten sind einsatzfähig. In Deutschland wird bald ein Impfstoff getestet. Bei Unruhen in Sierra Leone starben Menschen.
Gabriel wirbt in USA für Chancen durch TTIP
Freihandelsabkommen
Sigmar Gabriel ist erstmals als Wirtschaftsminister in den USA - und wehrt sich gegen Forderungen, dass Deutschland die Probleme anderer EU-Staaten mit mehr Geld lösen soll. Bei US-Vizepräsident Joe Biden ging es um das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP.
Angriff mit zwei Toten auf Parlament in Kanada
Terror-Alarm
Dutzende Schüsse peitschten am Mittwoch durch das kanadische Parlament. Auch am Kriegerdenkmal in Ottawa wird geschossen. Ein Soldat stirbt später an seinen Verletzungen. Auch eine zweite Person wird erschossen. Stehen Islamisten hinter dem Anschlag? Nichts ist sicher.
Kanzlerin Merkel will Migration als Chance nutzen
Zuwanderung
Deutschland sollte die Chancen der Zuwanderung nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel stärker nutzen. Das Land habe die Möglichkeit, „ein tolles Integrationsland“ zu sein, sagte Merkel am Mittwoch bei einer Konferenz ihrer Partei zum Thema Zuwanderung. Migration müsse als Chance verstanden werden.
DFL soll in Bremen für Polizei bei Risikospielen zahlen
Fußball-Bundesliga
Die erste Rechnung kommt möglicherweise noch in diesem Jahr: Künftig will Bremen als erstes Bundesland die Deutsche Fußball Liga an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Muss Werder Bremen letztlich dafür aufkommen?
Umfrage
Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

 
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke