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Unterwegs in Ländern im Ausnahmezustand

18.02.2013 | 00:18 Uhr

Eine gute Reportage zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Leser tief hineinzieht in fremde Lebenswirklichkeiten und alle Sinne anspricht. Gute Reportagen sind lehrreich und spannend zugleich. Der Kölner Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani beherrscht diese Kunst. In seinem Buch „Ausnahmezustand“, einer Sammlung von Reportagen aus den vergangenen Jahren, nimmt er den Leser mit auf Reisen in die Krisenländer dieser Welt. Nach Afghanistan, Pakistan, Syrien, Iran, in den indischen Teil von Kaschmir, nach Palästina, aber auch auf die italienische Insel Lampedusa, wo die Flüchtlinge aus Afrika stranden. Kermani verlässt selten den Standpunkt des neutralen Beobachters, scheut sich dankenswerter Weise vor – vorschnellen – Urteilen und schreibt dennoch nicht wie ein Journalist, nicht so abgeklärt und unterkühlt, nicht analytisch. Große Politik wird bei ihm erfahrbar durch das Schicksal der einfachen Menschen. Das des alten Mannes, der auf dem Friedhof in Kabul lebt, das der Künstler in Damaskus, das der Demonstranten in Teheran, mit denen er – als einziger westlicher Journalist – 2009 den Aufstand im durchlebt. Er kommt diesen Menschen sehr nahe, weil ihn meist keine Sprachbarriere von ihnen trennt. Dass er Schriftsteller ist, schimmert auf jeder Seite dieses Buches durch. Kermanis Sprache ist intensiv, farbig, gefühlsbetont, subjektiv. Manchmal lässt er auch seiner Trauer und Wut freie Bahn; etwa in der Reportage über die Verhältnisse im Westjordanland aus dem Jahr 2005. Dieses Buch ermöglicht einen neuen Zugang zu den Ländern, die derzeit Schlagzeilen machen; vor allem aber zu den Menschen dort. Lesenswert!

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