Untersuchung auf Down-Syndrom - Abgeordnete warnen vor Bluttest

Ultraschall-Untersuchungen von Schwangeren können Anhaltspunkte liefern, ob das Ungeborene ein Down-Syndrom hat. Um diese Diagnose abzusichern, könnte künftig ein einfacher Bluttest ausreichen.
Ultraschall-Untersuchungen von Schwangeren können Anhaltspunkte liefern, ob das Ungeborene ein Down-Syndrom hat. Um diese Diagnose abzusichern, könnte künftig ein einfacher Bluttest ausreichen.
Foto: imago
Eine neue Untersuchung auf Down-Syndrom sorgt 158 Parlamentarier. Wenn sie kostenlos wird, dürfte öfter abgetrieben werden, befürchten sie.

Essen.. Für den Deutschen Bundestag ist es eine Premiere. Noch nie seit der Wiedervereinigung 1990 haben sich Abgeordnete aller Fraktionen zu einer gemeinsamen Anfrage durchringen können. Doch diesmal haben auch fast zwei Dutzend Parlamentarier der Linkspartei unterschrieben und, genau so ungewöhnlich, mit Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) auch ein Mitglied des Kabinetts.

Es geht um den Bluttest, mit dem sehr früh in einer Schwangerschaft eine Behinderung wie das Down-Syndrom erkannt werden kann. Die Kassen wollen ihn bald kostenlos anbieten. Eine klinische Studie ist bereits eingeleitet, um den „Nutzen“ des einst durch das Bundesforschungsministerium mitfinanzierten Tests zu erproben.

Trend zur Reihenunterscuhung?

Er wird seit 2012 schon Privatpatienten angeboten und – nach wenigen Einzelfallentscheidungen – auch von gesetzlichen Kassen. Er kostet zwischen 485 und 825 Euro.

„Doch das wird jetzt ein Massenprodukt“, warnt der Lüner CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe, der Mitinitiator der ungewöhnlichen Anfrage ist. „Das ist wie Ultraschall. Sie geben zwei Tropfen Blut ab, und kaum ein Kind mit Down-Syndrom wird mehr geboren.“

Genau diese Erfahrung habe Dänemark gemacht, stellen die 158 Abgeordneten im Vorwort zu den insgesamt 15 Fragen fest. Dort wird der Test seit 2005 allen Schwangeren angeboten, 84 Prozent nähmen es an. „Die Zahl der in Dänemark mit Down-Syndrom geborenen Kinder hat sich seither halbiert.“

Nur für Risikofälle

Hüppe findet harte Worte für die geplante Routineuntersuchung: „Wir brauchen dringend eine breite gesellschaftliche Debatte über die Methode. Der Bluttest befördert eine Art Selektion, bei der nicht geborene Kinder mit Behinderung aussortiert werden.“

Auch Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD), früher selbst Gesundheitsministerin in Berlin, ist sehr kritisch: „Dieser Test vermittelt den Eindruck, ein perfektes Kind sei möglich.“ Das aber sei „gefährlich und muss vermieden werden, um die Akzeptanz von Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit zu ermöglichen“. Sie sei „mit aller Kraft“ dagegen, den Test als Reihenuntersuchung zu nutzen. Er müsse an eine Indikation geknüpft und auf „Risikofälle“ begrenzt werden.

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