Unternehmen klagen über Bachelor

Hagen..  In acht Jahren zum Abitur, dann drei Jahre zur Uni bis zum Bachelor-Abschluss: In der Wirtschaft wächst die Kritik an der Turbo-Ausbildung junger Menschen. 2000 Unternehmen befragte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach der Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen, die nicht selten bereits mit Anfang Zwanzig ins Berufsleben starten. Nur noch 47 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Berufsteinsteiger mit diesem Abschluss ihre Erwartungen erfüllen. 2007 waren noch 67 Prozent aller Firmen mit den Absolventen zufrieden, 2011 waren es 63 Prozent. Insbesondere kleine Unternehmen sind von der Einsatzfähigkeit der Absolventen enttäuscht.

Der Bachelor wurde 1999 mit der Bologna-Reform eingeführt und gilt als erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss. In der Regel dauert ein Bachelor-Studium sechs bis maximal acht Semester.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer forderte politische Konsequenzen aus der Umfrage: „Wir leiden an einer Überakademisierung. Das führt dazu, dass viele studieren, die eigentlich in einer Berufsausbildung besser aufgehoben wären“, sagte er. Er forderte „sinnvolle Zugangsbeschränkungen zum Studium“ sowie eine Verknappung der Studienplätze.

Dies sei ein „völlig abwegiger Vorschlag“, konterte NRW-Bildungsministerin Svenja Schulze (SPD). „Wir werden auch weiterhin eine hohe Zahl von hochqualifizierten Männern und Frauen benötigen, um die Zukunft zu gestalten“, sagte sie. Es sei nicht sinnvoll, „berufliche und akademische Bildung gegeneinander auszuspielen“. Die südwestfälische Wirtschaft bestätigte im Grundsatz die Kritik des DIHK, wies aber auf in der Region bestehende Möglichkeiten des dualen Studiums hin. Wichtig sei, dass sich Absolventen und Betriebe kennenlernten.