Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Politik

UNO stoppt Gazahilfe nach Angriff

08.01.2009 | 21:55 Uhr

NAHOST. Beschuss durch israelische Panzergranaten. Fahrer des Lkw tot. Raketen aus dem Libanon.

Ein Palästinenser trägt seinen verletzten Sohn ins Shifa-Hospital in Gaza-Stadt. (Foto: ap)

JERUSALEM. Nach dem israelischen Beschuss einer UNO-Schule und einem Angriff auf einen Versorgungstransport haben die Vereinten Nationen ihre Hilfslieferungen in den Gazastreifen eingestellt. Die Hilfe werde erst wieder aufgenommen, wenn die Sicherheit der UNO-Mitarbeiter garantiert sei, erklärte Sprecher Chris Gunness gestern. Trotz einer Koordination der UNO-Arbeit mit Israel seien weiterhin Mitarbeiter getroffen und getötet worden.

Die israelischen Streitkräfte setzten den zweiten Tag in Folge ihre Angriffe für drei Stunden aus, damit die Bewohner des Gazastreifens mit Nahrung, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden konnten. Kurz zuvor aber wurde nach Angaben der UNO ein Lastwagen mit einer Hilfslieferung beschossen. Dabei sei der Fahrer getötet worden. Die UNO habe die Lieferung mit Israel koordiniert, und das Fahrzeug sei mit einer UNO-Flagge und -Abzeichen gekennzeichnet gewesen. Die Vereinten Nationen versorgen rund 750 000 Einwohner des Gazastreifens mit Lebensmitteln.

Die israelische Luftwaffe setzte am Donnerstag den 13. Tag in Folge ihre Angriffe fort. Schwerpunkte waren Ziele der Hamas in der Stadt Gaza und im Nordosten des Küstenstreifens, nachdem am Vorabend vor allem vermutete Tunnelanlagen an der Grenze zu Ägypten bombardiert worden waren. Mindestens elf Menschen kamen nach palästinensischen Angaben ums Leben, unter ihnen auch zwei Frauen und ein älterer Mann, die aus ihren Häusern fliehen wollten.

Im Südwesten des Gazastreifens kam es auch zu direkten Gefechten israelischer Bodentruppen mit Hamas-Kämpfern. Bei der Explosion einer Panzerabwehrrakete wurde ein Offizier der israelischen Infanterie getötet. Damit stieg die Zahl der israelischen Todesopfer auf elf. Auf Seiten der Palästinenser verloren bislang mindestens 699 Menschen ihr Leben.

Die israelische Offensive hat die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen zwar vermindert, aber nicht gestoppt. Auch ges-tern wurden wieder Geschosse auf Israel abgefeuert.

An der israelischen Nordgrenze schlugen gestern drei Katjuscha-Raketen aus dem Libanon ein, womit die Gefahr einer zweiten Front drohte. Ein Geschoss explodierte in der Küche eines Altersheims. Dabei wurden in der Nähe der Stadt Naharija zwei Menschen verletzt. Der libanesische Ministerpräsident Siniora verurteilte die Angriffe. Die israelischen Streitkräfte reagierten mit Artilleriebeschuss auf die Raketenattacken. Libanons Arbeitsminister Fneisch, der der mit der Hamas verbündeten Hisbollah angehört, wies eine Verantwortung der Gruppe für die Angriffe zurück. Im Südlibanon sind auch Gruppen radikaler Palästinenser aktiv wie die Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando. (ap/NRZ)



Kommentare
Aus dem Ressort
Streit um Migration - Obama und Republikaner vor Showdown
US-Politik
Sie wollten zusammenarbeiten - das hatten Obama und die Republikaner nach der Kongresswahl gesagt. Aber danach sieht es nach Obamas Alleingang bei der Einwandererpolitik nicht mehr aus. Die Republikaner reichten im Zusammenhang mit Obamas Gesundheitsreform Verfassungsklage gegen den Präsidenten ein.
Gewerkschaft: Radikale Islamisten bringen Polizei an Grenzen
Polizei
Hooligans, Neonazis, Rocker, Salafisten: Die Klientel, die der Staat besonders im Blick haben soll, ist stark gewachsen. Nun schlägt die Gewerkschaft der Polizei Alarm: Die Überwachung sei nicht mehr zu schaffen, und die Situation werde mit dem geplanten Personalabbau noch verschärfen.
Warum der Rathaus-Chef von Goslar viele Flüchtlinge will
Zuwanderung
Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk, 38 Jahre alt, CDU-Mann, sorgt mit einer Ankündigung für Furore. Er möchte am liebsten möglichst viele Flüchtlinge in die Stadt locken. Denn Goslar hat immer weniger Einwohner, und Neubürger aus dem Ausland könnten Betriebe und Arbeitsplätze retten.
Grüne für Agrarwende - Gutes Essen soll Wähler mobilisieren
Parteitag
Haben die Grünen endlich ein neues großes Thema gefunden? Mit der Forderung nach einer ökologischen Agrarwende wollen sie Wähler erreichen. Der Bundesparteitag in Hamburg verurteilte am Samstag Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft. Die lebhafte und emotionale Debatte war ein Signal.
Rückschlag für Gröhe im Kampf um Platz im CDU-Präsidium
CDU
Im Dezember will Gesundheitsminister Hermann Gröhe Präsidiumsmitglied der CDU werden. Auf dem Weg dahin muss er zunächst eine Niederlage verdauen. Mit 44 zu 41 Stimmen unterlag Gröhe Staatssekretär Günter Krings bei einer Kampfabstimmung um den Vorsitz des CDU-Bezirks Niederrhein.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos